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Hannover Hat Tagesvater Kleinkind fast zu Tode geschüttelt?
Nachrichten Hannover Hat Tagesvater Kleinkind fast zu Tode geschüttelt?
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00:15 24.05.2019
Heftiges Schütteln von Kindern – das ist kein Einzelfall, sondern passiert immer wieder, wenn Eltern überfordert sind. Quelle: dpa
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Hannover

Nach Berechnungen von Experten werden in Deutschland jedes Jahr zwischen 300 und 500 kleine Kinder derart heftig von Erwachsenen geschüttelt, dass sie schwere gesundheitliche Schäden davontragen. Etwa ein Drittel dieser Kinder stirbt, zwei Drittel tragen Behinderungen davon. Am Dienstag muss sich vor dem Schwurgericht Hannover ein Mann wegen versuchten Totschlags und schwerer Misshandlung eines Schutzbefohlenen verantworten, weil er im März 2017 einen von ihm betreuten 13 Monate alten Jungen fast zu Tode geschüttelt haben soll. Möglich ist allerdings auch, dass die schweren Beeinträchtigungen des Kleinkinds durch einen Schlag auf seinen Kopf verursacht wurden. Der Angeklagte soll zur Tatzeit als Tagesvater tätig gewesen sein.

Empfindliches Gehirn

Ob die Zahl von 300 bis 500 Schütteltrauma-Opfern pro Jahr korrekt ist, weiß niemand genau, die Dunkelziffer soll sehr hoch sein. Allerdings werden die Möglichkeiten, durch eine Misshandlung verursachte Schädigungen zu entdecken, immer vielfältiger: etwa durch Untersuchungen per Röntgenstrahlen, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT). Blutungen und Schwellungen im Hirn oder im Netzhautbereich können Hinweise auf heftiges Schütteln geben. Die Nackenmuskulatur bei Säuglingen ist noch sehr schwach entwickelt, Nerven und Gewebe im Gehirn sind nicht vollständig ausgebildet und nur unzureichend geschützt. Auch ist der Kopf im Verhältnis zum übrigen Körper sehr groß, so dass die Kräfte beim massiven Schütteln eines Kindes dessen Kopf besonders in Mitleidenschaft ziehen.

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Untersuchungen zeigen, dass die Täter – Eltern, nahe Verwandte oder andere Betreuungspersonen – aus allen Bevölkerungsschichten kommen – und dass niemand davor gefeit ist, etwa angesichts eines stundenlang schreienden Babys die Beherrschung zu verlieren. Männer werden gegenüber kleinen Kindern häufiger gewalttätig als Frauen; allerdings gibt es auch erschöpfte und überreizte Mütter, die auf Schreikinder sehr aggressiv reagieren.

Lähmungen und Krampfanfälle

Die Folgen heftigen Schüttelns können – wenn das Baby die Misshandlung überlebt – bleibende Hirnschäden sein, die zu Lähmungen, Krampfanfällen oder Sehstörungen führen. Auch Intelligenz- und Entwicklungsstörungen sind möglich. Das Kind, dessen Fall jetzt am Landgericht Hannover verhandelt wird, soll unter einer Entwicklungsverzögerung und einer linksseitigen Bewegungsstörung leiden.

Von Michael Zgoll

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