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Hannover Staatsanwältin fordert acht Jahre Haft für mutmaßlichen Brandstifter
Nachrichten Hannover Staatsanwältin fordert acht Jahre Haft für mutmaßlichen Brandstifter
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11:56 31.07.2019
Die Feuerwehr bekämpfte den Brand in der Richard-Lattorf-Straße auch direkt vom Dachgeschoss aus. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Im Prozess gegen den wegen dreifachen versuchten Mordes und Brandstiftung angeklagten Yasin A. hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf eine Verurteilung zu acht Jahren Haft plädiert. Der 36-Jährige habe heimtückisch gehandelt und gemeingefährliche Mittel verwendet, als er am 17. Februar in einem Mehrfamilienhaus in Ahlem ein Feuer legte. Demgegenüber forderte Verteidiger Christian J. Neumann, seinen Mandanten freizusprechen. Die Anklage gegen A. basiere nur auf Indizien, in Teilen spreche sein Verhalten dagegen, dass er der Brandstifter gewesen sei.

Verteidiger Christian J. Neumann (r.) äußerte starke Zweifel an der Schuld seines Mandanten Yasin A. (l.). Quelle: Rainer Dröse

Aus Sicht der Anklagebehörde legte A. zunächst in seiner Dachgeschosswohnung in der Richard-Lattorf-Straße an drei Stellen Feuer, setzte auch die Brandmelder außer Funktion. Anschließend habe er die zwei Wohnungstüren seiner Nachbarn in der darunterliegenden Etage mit Brandbeschleuniger – wahrscheinlich Spiritus oder Grillanzünder – besprüht. Damit habe der 36-Jährige den Tod der Bewohner billigend in Kauf genommen.

Keine Lebensgefahr für Nachbarn

Der Dachstuhl des Mehrfamilienhauses brannte aus, die Feuerwehr rettete eine 85-jährige Mieterin per Drehleiter aus dem zweiten Stock. Eine 15-Jährige sowie ein 22-Jähriger wurden von ihrem Vater aus der anderen Wohnung befreit. Die Staatsanwältin wies darauf hin, dass die Intensität des Brandes beim Eintreffen der Feuerwehr schon wieder nachgelassen hatte, tatsächlich keine Lebensgefahr für die Bewohner bestand und niemand verletzt wurde. Dies habe der Angeklagte aber nicht vorhersehen können, insofern müsse er auch wegen des Versuchs einer Brandstiftung mit Todesfolge verurteilt werden. Der Sachschaden an den drei Wohnungen liegt bei 350.000 bis 400.000 Euro, die Mieter aus der zweiten Etage sind nach wie vor in Provisorien untergebracht und wollen sehnlichst in ihre Räumlichkeiten zurückkehren.

Laut Verteidiger Neumann hatte sein Mandant das Haus an jenem Sonntagnachmittag eine Stunde vor Ausbruch des Brandes verlassen. Selbst wenn man davon ausgehe, dass er den Backofen in seiner Wohnung präpariert habe und sich mit seinem Weggehen ein Alibi verschaffen wollte – warum habe niemand den angeblich von ihm ausgebrachten Brandbeschleuniger im Treppenhaus gerochen? Auch gehe ein Brandstifter doch nicht – wie Yasin A. – Tage nach dem Feuer zu Polizei und Wohnungsamt, um sich nach einer neuen Bleibe zu erkundigen.

Schuldfähigkeit nicht vermindert

Am Montag hatte ein Gutachter den Angeklagten für schuldfähig im Sinne des Strafgesetzbuches erklärt. Der 36-Jährige leide zwar unter einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, erläuterte Psychiater Christian Riedemann. Doch habe A. – sollte er der Täterschaft überführt werden – am 17. Februar so überlegt gehandelt, dass man nicht von einer Verminderung seiner Steuerungsfähigkeit ausgehen könne.

Laut Aussagen der Nachbarn lebte A. schon länger im Streit mit der Hausgemeinschaft, fiel auch durch seltsame Verhaltensweisen wie ständiges Klopfen und Stampfen auf dem Fußboden auf. Wie Gutachter Riedemann ausführte, konsumiert der Hauptschüler seit 20 Jahren Cannabis und ist privat wie beruflich gescheitert. A. habe früher verschiedene Jobs ausgeübt, sei dann aber straffällig geworden und nun schon längere Zeit arbeitslos sowie auf Sozialhilfe angewiesen.

Große Unzufriedenheit

Der 36-Jährige leide zwar unter Angststörungen und habe wohl zeitweise auch unter Depressionen gelitten, sagte der Sachverständige. Doch eine paranoide Schizophrenie und krankhaften Verfolgungswahn könne er bei A. nicht diagnostizieren. Die Brandstiftung, sollte sie dem Angeklagten nachgewiesen werden, hänge sicher mit dessen großer Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation und den permanenten Schuldzuweisungen an andere zusammen: „Man geht mit einem Knall und zeigt allen, dass sie selbst schuld sind an ihrem Unglück.“

Vor dem psychiatrischen Gutachter hatte der 40-jährige Bruder des Angeklagten ausgesagt. Er berichtete, dass er und Yasin A. in zerrütteten Familienverhältnissen aufgewachsen seien. Über viele Jahre sei es zwischen ihm und dem Jüngeren immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen; einmal habe ihm sein Bruder im Streit um Briefmarken sogar mit einem Totschläger auf den Kopf gehauen. Schon seit geraumer Zeit habe er mit dem „Psychopathen“ aber nichts mehr zu tun.

Das Urteil wird die Kammer unter Vorsitz von Stefan Joseph am Dienstag kommender Woche sprechen.

Von Michael Zgoll

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