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Hannover Forscher: Wir haben Lösungen für das Klima – doch Politik hört nicht zu
Nachrichten Hannover Forscher: Wir haben Lösungen für das Klima – doch Politik hört nicht zu
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02:03 22.09.2019
Im Gespräch: Professor Gunter Seckmeyer (v.l.), Paul Hendrik Tieman, Marte Henningsen und Jens Clausen diskutieren in der Leibniz Universität mit Hendrik Hoppenstedt und Matthias Miersch. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

„Schaut man von oben auf die Dächer von Hannover, sieht man – sie sind leer.“ Leer: Das bedeutet für Klimatologie-Professor Gunter Seckmeyer das Fehlen von Solarmodulen auf breiter Fläche. „Nur die Kombination aus Wind und Sonne führt zu durchgreifenden Erfolgen beim Klimaschutz“, mahnte der Forscher der Leibniz Universität, „diese beiden Formen der Energieerzeugung sind keine Konkurrenten.“ Am Freitag waren weltweit Millionen Menschen auf die Straße gegangen, um die Politik zu stärkeren Anstrengungen gegen den Klimawandel und seine verhängnisvollen Auswirkungen zu bewegen, auch in Hannover waren rund 30.000 Menschen mit Fridays for Future in Sachen Klimaschutz unterwegs. Am Tag danach war im Uni-Hauptgebäude zu besichtigen, wie Veränderungen im Kleinen aussehen könnten.

Hannoversche Vertreter der bundesweit agierenden Scientists for Future und des Borderstep-Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit hatten drei in der Region Hannover verwurzelte und auf Bundesebene tätige Politiker sowie zwei Mitglieder der Students-for-Future-Initiative zu einem Meinungsaustausch eingeladen. Nach knapp zwei Stunden stellte sich die Runde den Fragen der Presse.

Wissenschaftler werden nicht gehört

Dabei wurde deutlich: Die Wissenschaftler haben häufig das Gefühl, für die Tonne zu forschen. Schon seit Jahren Lösungen für Probleme parat zu haben, über die die Öffentlichkeit erst jetzt ernsthaft zu diskutieren beginnt. „Wir haben dem Bundesumweltministerium schon vor zwei Jahren ein Projekt vorgestellt, wie eine Windanlage weniger Lärm erzeugen und wie man mit intelligenten Abschalteinrichtungen Fledermäuse schützen kann“, berichtete etwa Professorin Christina von Haaren vom Institut für Umweltplanung.

Doch wirksam geworden seien diese Vorschläge nicht, hätten höchstens zu Drohungen vonseiten der Windanlagen-Hersteller geführt. Dass mit dem neuen Klimaschutzpaket der Ausbau von Gasheizungen – anstelle von Öl – gefördert werden soll, ist für die Professorin zum Haareraufen: „Denn mit der Nutzung von Umgebungswärme lässt sich viel mehr Kohlendioxid einsparen.“ „Wir müssen unsere Forschungsergebnisse halt noch besser vermarkten“, stellte Jens Clausen vom Borderstep-Institut selbstkritisch fest.

Professorin Christina von Haaren ist sich sicher, dass die Wissenschaft schon viele Antworten auf Fragen hat, die in der Öffentlichkeit erst jetzt ernsthaft diskutiert werden. Quelle: Irving Villegas

Streit um Klimaschutzpaket

Natürlich gab es an diesem Sonnabend auch die erwartbaren Statements: CDU-Staatsminister Hendrik Hoppenstedt und SPD-Bundestagsmitglied Matthias Miersch lobten das frisch aus der Taufe gehobene Klimaschutzpaket der Bundesregierung als hoffnungsvollen Schritt auf dem – zugegebenermaßen noch langen – Weg zu einer durchschlagenden CO2-Reduktion. Dagegen übten der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler sowie die Studenten Marte Hennigsen und Paul Hendrik Tiemann teilweise heftige Kritik an den ihrer Ansicht nach völlig unzureichenden Einzelmaßnahmen.

Mehr Forschung für die Praxis

Doch deutlich zu spüren war auch der Wunsch vonseiten der Politiker, den Austausch mit der Wissenschaft zu intensivieren. Sich häufiger auszutauschen, gerne auch auf regionaler Ebene, gerne in regelmäßigen Runden. Das Ziel: Forschungsergebnisse stärker als bisher in Politik und Praxis einfließen zu lassen. Zum Schluss wartete Students-for-Future-Mitglied Tiemann schließlich noch mit einem Appell an die Eltern- und Großeltern-Generation auf: „Auch sie sind jetzt in der Pflicht, sich stärker in den Kampf gegen den Klimawandel einzubringen – alleine können wir das nicht schaffen.“

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Von Michael Zgoll

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