Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Einen Tag lang sind Bus und Bahn in Hannover gratis: Was steckt hinter der Idee?
Nachrichten Hannover Einen Tag lang sind Bus und Bahn in Hannover gratis: Was steckt hinter der Idee?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:25 07.10.2019
Bus und Bahn statt Autos: Die Idee konnte sich durchsetzen – zumindest für einen Tag. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Jetzt steht der Termin fest: Am 30. November, dem Sonnabend vor dem ersten Advent, soll der Nahverkehr im Großraum Hannover gratis sein und dafür Hannovers Innenstadt in Teilen für den Autoverkehr gesperrt. Die City-Gemeinschaft hat den Vorschlag des Regions-Wirtschaftsdezernenten Ulf-Birger Franz kontrovers diskutiert und schließlich unter der Bedingung zugestimmt, dies dürfe kein Baustein sein, um Autoverkehr zu verdrängen, sondern müsse als positiver Anreiz gewertet werden. Dezernent Franz spricht im Interview darüber, warum ihm das Thema wichtig ist.

Herr Franz, warum braucht Hannover einen autofreien Shopping-Sonnabend im Advent?

Erstens wollen wir nicht nur von der Verkehrswende reden, sondern positiv zeigen, wie komfortabel eine Alternative zum Auto sein kann. Deshalb gilt ja an dem gesamten Tag freie Fahrt in Bussen und Bahnen. Zweitens wird sich zeigen, wie attraktiv eine Innenstadt mit weniger Autos und weniger Parksuchverkehr für alle ist. Und drittens wird es ein Segen sein für den innerstädtischen Einzelhandel. Er benötigt solche Impulse, um gegen den Internethandel zu bestehen.

„Es wird sich zeigen, wie attraktiv eine Innenstadt mit weniger Autos und weniger Parksuchverkehr für alle ist“: Ulf-Birger Franz, Wirtschafts- und Verkehrsdezernent der Region Hannover. Quelle: von Meding

Autofrei – das ist zum Reizwort geworden in der Auseinandersetzung um die Verkehrswende. Es klingt für viele nach ideologischer Einschränkung und Verbot.

Nein, im Gegenteil: Es ist ein besonderes Angebot, mal stressfreies Einkaufen in der Vorweihnachtszeit auszuprobieren. Im vergangenen Jahr haben die Leute in ihren Autos zum Teil richtig lange in der Bahnunterführung neben dem Hauptbahnhof gewartet, weil sie ins Kaufhof-Parkhaus wollten. Auch bei der abendlichen Abfahrt gab es zuweilen heftige Staus, weil zu viele Autos die Straßen verstopft haben. Dabei ist es, wenn man mit dem Auto anreisen will, viel einfacher, an einem Park+Ride-Parkplatz am Stadtrand umzusteigen und von dort mit der Stadtbahn zu fahren. Damit alles klappt, werden Üstra und Regiobus am 30. November von 9 Uhr an deutlich mehr Fahrzeuge einsetzen und dichtere Takte fahren. Die S-Bahn wird längere Züge einsetzen.

Wissen Sie schon, welche Straßen für Autos gesperrt werden?

Da hat die Landeshauptstadt das letzte Wort, es wird in den kommenden Wochen dazu Gespräche geben. Wir wollen, dass die City-Parkhäuser erreichbar bleiben. Aber es gibt ja viele Straßen, die dafür nicht notwendig sind. Die Kurt-Schumacher-Straße gehört bis auf die Kreuzung Herschelstraße ebenso dazu wie die Georgstraße vor der Oper.

Sie wollen Autofahrern das Anreisen mit der neuen Navigations-App Nunav schmackhaft machen. Was kann die, das andere Navigationsgeräte nicht können?

Hannover braucht eine intelligente Infrastruktur. Nunav berechnet individuell den kürzesten Weg, um Staus zu vermeiden. Zusätzlich ist die App mit dem öffentlichen Nahverkehrsangebot verknüpft. Sie weist Ihnen also den Weg zum nächsten P+R-Platz, wenn Sie von dort komfortabel mit der Stadtbahn oder S-Bahn weiterfahren können. Wir haben diese App etwa beim Rammsteinkonzert getestet – fast 20 Prozent der Besucher haben sie genutzt. Und dann ist Nunav auch noch eine Erfolgsgeschichte aus Hannover, ein preisgekröntes Startup, das im Hannoverimpuls-Gründerzentrum in Marienwerder arbeitet.

Der Vorstand der City-Gemeinschaft hat dem Plan für den autofreien Voradvent-Sonnabend jetzt zugestimmt, allerdings nach kontroversen Debatten. Wie geht es weiter?

City-Gemeinschaft, Verkehrsunternehmen, Landeshauptstadt und Region arbeiten eng zusammen. Ich bin sicher, dass wir den Aktionstag gemeinsam zum Erfolg machen. Und wir werden zeigen, dass Öffis und Fahrrad die Verkehrsmittel der Zukunft in der Innenstadt sind.

Zur Person

Ulf-Birger Franz (52) ist seit 2010 Wirtschafts-, Verkehrs- und Bildungsdezernent der Region Hannover. Aufgewachsen in Langenhagen, lebt der verheiratete Vater zweier Kinder in Linden. In seiner Funktion ist er sowohl verantwortlich etwa für das Einzelhandelskonzept der Region wie auch als Aufsichtsratsvorsitzender der Üstra zuständig für den Nahverkehr.

Lesen Sie auch diese Texte:

Navi-App Nunav: Diese Firma hat die Technik entwickelt

Hannover tut zu wenig für die Verkehrswende

Die ersten Ideen für den kostenlosen ÖPNV zum Adventsshopping 2019

Von Conrad von Meding

Ein Ring für eine Meeresbiologin wird präsentiert. Zum ersten Mal wird ein Teil der Rathausaffäre vor Gericht verhandelt. Und die Einkaufsmesse Infa beginnt – was in dieser Woche wichtig wird erfahren Sie hier.

07.10.2019

Spieler der TSV Burgdorf haben einen 13-jährigen Jungen aus Lehrte auf dem Fußballplatz brutal zusammengeschlagen. Er erlitt innere Blutungen und kam ins Krankenhaus. Jetzt will der Verein Spieler seines jungen Multikulti-Teams ausschließen. Fast zwei Jahre war Peter Kehl ihr Trainer. Ein Gespräch über Integration und ihre Grenzen.

07.10.2019

Bei der Hochzeitsmesse in der hannoverschen Orangerie drehte sich alles um aufwendiges Heiraten. Auch Traurednerinnen stellten sich vor.

06.10.2019