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Hannover Nicht nur bei Hitze: Warum Herr Stahl die Bäume im Maschpark wässert
Nachrichten Hannover Nicht nur bei Hitze: Warum Herr Stahl die Bäume im Maschpark wässert
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19:44 24.07.2019
Mit Schlauch im Einsatz: Benjamin Stahl. Quelle: Irving Villegas
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Herr Stahl, was machen Sie da?

Ich wässere einen Silberahorn. Der wurde vor etwa einem Jahr hier im Maschpark gepflanzt. So ein junger Baum braucht in der Regel einmal in der Woche zusätzlich Wasser, weil seine Wurzeln noch nicht weit genug ausgebildet sind – in dieser extremen Trockenperiode wird aber möglichst zweimal pro Woche gewässert.

Wie viel Wasser bekommt der Silberahorn denn?

Zwischen 150 und 200 Liter. Es ist wichtig, das Wasser in dem Gießring rund um den Stamm gleichmäßig zu verteilen, damit alle Wurzeln gut erreicht werden.

Wie lange dauert das?

Zwischen fünf und zehn Minuten, je nach Bodenbeschaffenheit. Hier versickert das Wasser gerade sehr gut, wie man sehen kann.

Sie sind mit einem kleinen Trecker unterwegs, auf dem Anhänger haben Sie zwei große Tanks mit Wasser, an die Sie Ihren Schlauch anschließen. Woher wissen Sie, wann genau die für einen Baum benötigte Wassermenge durchgeflossen ist?

Das habe ich im Gefühl. Auf unserem Werkhof in der Stammestraße habe ich mal einen Test mit einem Zehn-Liter-Eimer gemacht und die Zeit gestoppt. Das habe ich dann hochgerechnet, um einen ungefähren Richtwert zu haben.

Klingt kompliziert.

Das ist alles eine Frage der Routine. Ich mache diese Aufgabe jetzt seit zwei Jahren, da kann man die Mengen schon ganz gut einschätzen.

Wie viel Wasser spendieren Sie den Bäumen an einem Tag?

Meine beiden Tanks fassen 2000 Liter, und ich muss zweimal täglich auf unserem Werkhof nachtanken. Also, so 5000 bis 6000 Liter bringe ich täglich wohl in den Boden. Zusammen mit meinen drei Kollegen, die ebenfalls mit Wassertanks unterwegs sind, werden es gut und gerne 25.000 bis 30.000 Liter sein – und wir sind nur einer von sieben Werkhöfen unseres Fachbereichs.

Und wie viele Bäume bekommen von Ihnen persönlich einen kühlen Guss?

Ehrlich gesagt, das habe ich noch nie gezählt. Ich teile mir mit den drei Kollegen ein Einsatzgebiet im südlichen Hannover mit ungefähr 80 Standorten, an denen jeweils unterschiedlich viele Bäume zu bewässern sind. Zum Beispiel bin ich unter anderem zuständig für den Hiroshima-Hain, die Obstbäume auf früheren Kleingartenflächen in der Nähe des Bismarckbahnhofs, den Ihmepark und den Maschsee – da stehen allerdings vor allem Sträucher. Hier im Maschpark sind es nur vier Jungbäume, die Wasser brauchen, zwei junge Silberahorne und zwei Ulmen.

Müssen die älteren Bäume denn gar nicht gewässert werden?

Grundsätzlich brauchen Bäume nur vom ersten bis maximal zum fünften Jahr nach der Pflanzung eine zusätzliche Wässerung. Denn ihre Wurzeln reichen noch nicht weit genug ins Erdreich hinein und können Wasser noch nicht so gut speichern. Die Blutbuche da hinten zum Beispiel ist mehr als 200 Jahre alt, deren Wurzelwerk ist tief im Boden verzweigt, die muss nicht mehr nachgegossen werden.

Wo kommt das Wasser her?

Auf allen unseren Werkhöfen gibt es Grundwasserbrunnen, aus denen wir die Tanks direkt befüllen. Zu Engpässen kommt es dabei nicht. Wir stehen in diesen heißen Tagen also auch nicht in Konkurrenz zur Trinkwasserversorgung.

Die Sommer werden heißer, offenbar ist der Klimawandel im Anmarsch. Machen Sie sich Sorgen um die Bäume in der Stadt?

Ich hoffe immer noch, dass es nur Zufall ist mit diesen hohen Temperaturen, die sind ja nicht nur für die Pflanzen unangenehm. Aber man kann das Thema nicht verdrängen. In unserem Fachbereich werden auch schon Überlegungen angestellt, welche Bäume künftig gepflanzt werden sollen, weil sie hitzebeständiger sind. Dafür bin ich aber nicht der Experte. Ich bin ja kein Gärtner, sondern als Kraftfahrer und Maschinist bei unserem Fachbereich angestellt.

Und wie geht es Ihnen eigentlich bei der Hitze? Sie haben ja nicht gerade eine leichte Arbeitskleidung mit dieser dicken Hose und den festen Schuhen.

Das stimmt. Man kommt schon ins Schwitzen. Aber die Hose mit den Reflektoren und die Sicherheitsschuhe sind Vorschrift. Wenn ich im Straßenraum arbeite, trage ich auch noch eine gut sichtbare Weste.

Möchten Sie sich den gelben langen Schlauch, mit dem Sie die Bäume wässern, nicht auch selbst gern mal über den Kopf halten?

Dann wäre ich ja klitschnass. Ich trinke lieber genug.

Sie sind ein Profi für das Gießen. Profitieren davon auch die Pflanzen in Ihrem eigenen Garten?

Ich habe gar keinen Garten. Und auf meinem Balkon gibt es auch keine Blumen. Aber meine Zimmerpflanzen gieße ich regelmäßig.

221.000 Bäume in Parks, auf Wiesen und an Straßen

In Hannover gibt es 175.000 Bäume in Parks und auf Grünflächen sowie rund 46.000 Bäume entlang der Straßen (der Baumbestand der Eilenriede kommt noch obendrauf). Jedes Jahr pflanzt der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün zwischen 300 und 700 Bäume neu – es sind sowohl Ersatzpflanzungen für Bäume, deren Lebensalter erreicht ist oder die aus anderen Gründen gefällt werden mussten, als auch ganz neue Exemplare. Laut Fachbereich sind aktuell etwa 1125 Bäume zwischen ein und drei Jahre alt. Diese Jungbäume brauchen eine zusätzliche Wässerung – vor allem, wenn es lange nicht geregnet hat. Um alle diese Pflanzen mit einem Guss zu versorgen, sind rund 170.000 Liter Wasser nötig. Zweimal pro Woche wird diese Menge derzeit im Stadtgebiet ausgebracht. Zählt man die Sträucher an den Straßen hinzu, sind es pro Woche etwa 400.000 Liter Wasser, die in den Boden gebracht werden.

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