Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Skulptur würdigt Judentum
Nachrichten Hannover Skulptur würdigt Judentum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:15 07.05.2017
Von Simon Benne
Wie Zwillinge: Der Künstler Johan Tahons hat in seiner Skulptur Twins Kirche und Synagoge porträtiert. Quelle: Benne
Anzeige
Hannover

Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe. Doch wer ist wer? Die beiden Frauengestalten, die Kirche und Synagoge symbolisieren, sind kaum zu unterscheiden - und beide halten eine Art (Himmels)leiter in der Hand. Die Bronzeskulptur "'Twins - Zwillinge" des belgischen Künstlers Johan Tahon, die jetzt Zwischen Neustädter Kirche und Landeskirchenamt aufgestellt wurde, lädt zum Nachdenken über das Verhältnis von Christentum und Judentum ein, ohne einfache Antworten vorzugeben.

"Die Skulptur ist auch der Schlussstein einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung unserer Kirche mit der Schuld, die sie in der NS-Zeit auf sich geladen hat", sagt Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamts. Die Rote Reihe sei ein "idealer Ort" für das Kunstwerk, sagt Springer: Schließlich stand hier auch die Synagoge, welche die Nazis in der Reichspogromnacht niederbrannten.

Anzeige

In der Kunstgeschichte hat das Motiv von Kirche und Synagoge eine lange Tradition. "Oft zeigte sich darin der herabsetzende Blick der Kirche auf das Judentum", sagt Prof. Ursula Rudnick vom Haus Kirchlicher Dienste. Inzwischen sei an die Stelle der Diffamierungen jedoch eine "Theologie des Respekts" getreten. Die Landeskirche hatte 2013 sogar ihre Verfassung geändert und darin eine Wertschätzung des Judentums verankert.

"In den vergangenen Jahren hat es im Dialog große Fortschritte gegeben", sagt Rabiner Gabor Lengyel: "Diese Skulptur ist ein weiterer positiver Schritt." Lengyel hatte der Jury angehört, die das Kunstwerk ausgewählt hatte. Rund 50000 Euro brachte die Landeskirche dafür auf - wobei der Künstler auf sein Honorar verzichtete: "Dies Werk ist das wichtigste, das ich bislang geschaffen habe", sagt der 52-Jährige, der bei Gent lebt. Es sei schwer, angesichts der Zerstörung der nahen Synagoge Worte zu finden: "Gerade deshalb war es mir wichtig, dort ein Objekt zu platzieren", sagt der Bildhauer. Bewusst habe er die Frauengestalten einander ähnelnd geschaffen: "Im Grunde", sagt Tahon, "sind alle Menschen gleich."

Hannover Im Kreuz Hannover-Buchholz - Pferde an der Autobahn
04.05.2017
07.05.2017
Anzeige