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Hannover Gratis-Nahverkehr in Hannover: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Nachrichten Hannover Gratis-Nahverkehr in Hannover: Die wichtigsten Fragen und Antworten
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07:02 30.11.2019
Vorweihnachtsshoppen in der Innenstadt: Die Region will testen, ob es mit weniger Autos für alle entspannter läuft. Quelle: Kutter (Archiv)
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Hannover

Das Ziel, das der Großraum Verkehr Hannover (GVH) und die Region Hannover mit dem kostenlosen Nahverkehr am Sonnabend vor dem ersten Advent verfolgen, klingt ambitioniert. „Wir wollen all das anpacken, was irgendwer jemals als Ausrede angegeben hat, nicht mit Bussen und Bahnen zu fahren“, sagt Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region Hannover.

Das Gratis-Angebot soll mehr sein als nur ein vorweihnachtliches Schmankerl. Es wird begleitet von Aktionen und von Wissenschaftlern. „Wir wollen wissen, welche Maßnahmen sich für eine Verkehrswende eignen und die Menschen zum Umstieg vom Auto auf den Nahverkehr bewegen“, erklärt der Dezernent. Für ihn steht fest: „Städte mit weniger Autos sind lebenswerter.“

Protagonisten bei der Aktion „Bus- und Bahn, gratis Fahr’n“: Üstra-Chef Volkhardt Klöppner, Polizeirat Christian Donth, Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft der Kaufleute, Regiobus-Geschäftsführerin Elke van Zadel, Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz, Projektleiter Conrad Vinken und GVH-Geschäftsführer Ulf Mattern (von links). Quelle: Frank Wilde

So funktioniert der bundesweit beachtete Aktionstag:

Wann und wo gilt das Gratis-Angebot? Kunden des Nahverkehrs müssen am Sonnabend, 30. November, in der Zeit von 0 Uhr bis zum Sonntag, 1.Dezember, 5 Uhr, keinen Fahrschein kaufen, wenn sie im Verkehrsgebiet des GVH unterwegs sind. Das entspricht der Region. Wer etwa von Hameln nach Hannover fahren will, muss für den Abschnitt zwischen der Rattenfänger-Stadt und Springe ein Ticket lösen. An den Fahrkartenautomaten gibt es entsprechende Info-Aushänge. Der Kauf von Fahrkarten ist weiterhin möglich – „es gibt ja auch Kunden, die Monatsfahrscheine ziehen wollen“, sagt GVH-Geschäftsführer Ulf Mattern.

Wie voll wird es in der Stadt und in den Fahrzeugen? Der erste Adventssonnabend zählt zu den besucherstärksten im Jahr in Hannover. „Es sind bis zu 300.000 Menschen in der Stadt“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft der Kaufleute, die die Aktion begrüßt. Üstra-Chef Volkhardt Klöppner erwartet trotzdem nicht, dass in den Bussen und Bahnen extreme Platznot ausbricht. „Wir stocken unsere Kapazitäten um 50 Prozent auf, die Regiobus verdoppelt sie. Das müsste reichen.“

Was macht die Üstra? „Wir sind mit Mann und Maus unterwegs“, sagt Klöppner. Bei der Stadtbahn fahren die Linien 1, 4, 6 und 7 den gesamten Zeitraum über mit drei Wagen, die Linie 17 verkehrt durchgängig mit zwei Wagen. Auf den Linien 1, 2, 8 und 9 setzt die Üstra Verstärkerlinien ein. Bei der Linie 10 entsteht ein 7,5-Minuten-Takt. Die Linie 17 fährt alle 15 Minuten, alle anderen Linien sind im zeitlichen Abstand von zehn Minuten unterwegs.

Wie bringt sich die Regiobus ein? Mit verstärktem Angebot auf den sogenannten Sprinterlinien 300, 500 und 700, die Hannovers City mit dem Umland verbinden. In einigen Umlandkommunen gibt es zusätzliche Fahrten bei der Regiobus, weil auch in deren Innenstädten viele Einkäufer erwartet werden.

... und die S-Bahn? Mehr Züge sind bei S-Bahnen und Regionalbahnen wie etwa Metronom und Erixx nicht möglich, weil das die Fuhrparks und die Kapazitäten am Hauptbahnhof nicht hergeben. Aber auf stark nachgefragten Verbindungen wie den Linien 1, 2 und 5 setzt DB Regio den gesamten Tag über Langzüge ein.

Projektleiter Conrad Vinken Quelle: Haase

Was dürfen Autofahrer erwarten? Das Angebot an Park+Ride-Plätzen wird um 2500 auf insgesamt 10.000 aufgestockt. Möglich machen es die Conti, die Parkplätze auf ihrem Betriebsgelände am Jädekamp in Stöcken zur Verfügung stellt, und die Messe mit ihren Parkplätzen am Nordeingang. Einige der Park+Ride-Plätze werden mit Personal besetzt, um auf Kapazitätsengpässe reagieren zu können. Projektleiter Conra Vinken empfiehlt Autofahrern, die Informationsapp NUNAV zu nutzen: „Das hilft, Staus zu vermeiden“.

Werden Straßen gesperrt? Ja. Die Kurt-Schumacher-Straße im Bereich Herschelstraße, der Posttunnel im Verlauf der Lister Meile am Hauptbahnhof und der Bereich vor dem Opernplatz bleiben Bussen, Bahnen und Taxen vorbehalten.

Worauf müssen sich Fahrradfahrer einstellen? Die kostenlose Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen bleibt bestehen. Allerdings bitten die Veranstalter Radler darum, ihr Gefährt nicht in eventuell überfüllte Wagen zu schieben, sondern dann lieber die nächste Verbindung abzuwarten. Außerdem gibt es zusätzliche Abstellmöglichkeiten auf dem Opernplatz und am Steintor – inklusive der Möglichkeit, Checks und kleinere Reparaturen an Fahrrädern ausführen zu lassen. Der Anbieter Nextbike schließlich stellt seine via App buchbaren Leihräder kostenlos zur Verfügung.

Was ist noch an Service geplant? Auf dem Opernplatz besteht von 10 Uhr bis 21 Uhr die Möglichkeit, Gepäck und Einkäufe kostenlos in einem beheizten Zelt aufbewahren zu lassen. Der GVH ist ebenfalls auf dem Opernplatz mit Informationsständen präsent.

Wie bereitet sich die Polizei vor? „Wir werden unsere Präsenz verstärken“, sagt Polizeirat Christian Donth. Eine der Hauptaufgaben der Beamten wird sein, dort regelnd einzugreifen, wo sich der Verkehr staut. In der Vergangenheit war dies häufig etwa im Umfeld der Kurt-Schumacher-Straße, der Herschelstraße und dem Steintor der Fall. Eine dringende Bitte der Polizei an Autofahrer lautet, keine Kreuzungen zu blockieren.

Wie läuft die wissenschaftliche Begleitung? Der GVH will Verkehrsdaten sammeln und auswerten und über ein Marktforschungsinstitut Passanten befragen. Ziel ist es, Aufschlüsse zu bekommen, welche Maßnahmen eine Verkehrswende weg vom Auto beflügeln. Vorschläge dazu hat es in der Vergangenheit reichlich gegeben – größere Fußgängerzonen etwa oder das Ein-Euro-Ticket pro Tag für den Nahverkehr. Von letzterem halten sowohl die Region als auch die Stadt wegen der Kosten nicht viel – Busse und Bahnen führen schließlich steuerfinanziert. Dezernent Franz will sich zu möglichen Änderungen vorerst nicht äußern, sondern abwarten, was der Gratis-Tag bringt.

Was kostet die Aktion? Nach Angaben von GVH-Geschäftsführer Mattern rund 600.000 Euro. Davon entfallen rund 360.000 Euro auf Einnahmeausfälle bei den Verkehrsunternehmen, der Rest auf Verkehrsuntersuchung, Marketing und ähnliches.

Gibt es auch Kritik? Ja, sie kommt vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund. „Mit dem Aktionstag wird den Bürger vorgegaukelt, dass der kostenlose Nahverkehr einfach umsetzbar wäre“, sagt Sprecher Thorsten Bullerdiek. Außerdem sei die Diskussion darum ein völlig falsches Signal: „Während auf dem Land noch oft Bus und Bahn fehlen, wird ein Gratisangebot in den Städten auch noch mit Steuermitteln aus dem Umkreis finanziert“. Franz weist das rigoros zurück. „Der Städte- und Gemeindebund kennt wohl unser Gesamtpaket nicht“, sagt er. Vom Testlauf für künftig kostenlosen Nahverkehr könne nicht die Rede sein. Dieser sei nicht zu finanzieren.

Was machen andere? Kostenlosen Nahverkehr an einem Tag gibt es auch in Münster und Karlsruhe. „Der Unterschied ist, dass dort nur die Städte einbezogen werden, bei uns aber die gesamte Region“, sagt Mattern. Deshalb werde die Aktion in Hannover auch bundesweit so stark beachtet.

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Von Bernd Haase

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