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Hannover So soll die Luft in Hannover sauberer werden
Nachrichten Hannover So soll die Luft in Hannover sauberer werden
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00:17 30.11.2017
Die Luft ist zu dreckig: Hannover will in Berlin neue Vorschläge gegen das Gift in der Atemluft präsentieren – aber nichts wirkt kurzfristig.  Quelle: dpa
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Hannover

 An diesem Dienstag reist Hannovers OB Stefan Schostok wieder nach Berlin. Der Bund hat zum Dieselgipfel eingeladen, alle betroffenen Städte sollen vorstellen, welche Projekte sie planen, damit künftig die Luftschadstoff-Grenzwerte der EU eingehalten werden. Der HAZ-Check aber zeigt: Das meiste, was 15 beteiligte Städte vorlegen werden, ist in Hannover längst umgesetzt.

Ein paar Beispiele:

Aachen: Will zur Verbesserung der e-Mobilität Ladesäulen in Parkhäusern und auf Supermarktparkplätzen einrichten. Hannover: hat so etwas schon lange.

Bochum: Will sechs E-Fahrzeuge für die Stadtverwaltung anschaffen. Hannover: hat mehrere auch bei Tochtergesellschaften der Stadt im Einsatz.

Köln: Möchte mehr als 1000 neue Radabstellplätze einrichten. Hannover: Seit 2016 wird die Zahl der Fahrradbügel erhöht. In der Fußgängerzone wurden die 1200 Bügel durch Umbau auf moderne Bügelarten um etwa 200 Stellplätze ergänzt.

Mainz will kurzfristig 100 Nutzfahrzeuge der Behörden und Abfallwirtschaft auf emmissionsarme und emmissionsfreie Antriebe umstellen. Hannover: Da ist man noch nicht ganz so weit. Von 2008 bis 2011 wurden 213 kommunale Altfahrzeuge ersetzt - aber meist mit Dieselmotoren, nur 14 haben zumindest Erdgasantrieb.

Kiel: Will zehn Hybridbusse kaufen. Hannover: Bei der Üstra fährt die Hälfte aller 136 Busse mit Hybrid-Technik, zehn weitere sind bestellt. Bei der Regiobus setzt man künftig auf PlugIn-Hybridtechnik.

Andere Städte wollen etwa Verkehrsinseln begrünen (Bochum), Mobilitätsstationen an Umsteigeplätzen einrichten (Nürnberg) oder einen neuen Verkehrsrechner anschaffen (Ludwigshafen) - Hannover aber hat gerade einen neuen, leistungsfähigeren Verkehrsrechner gekauft.

Das Problem: Keines der Einzelprojekte wirkt kurzfristig auf die Verbesserung der Luftqualität - weshalb die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gegen die Stadt eine Klage wegen Untätigkeit angekündigt hat. Hannover lasse seine Bürger mit der dreckigen Luft alleine.

Grafik Quelle: Grafik: Llorens

Tatsächlich hat die Stadt 2007 erstmals einen Luftreinhalteplan erlassen und 2008 als eine der ersten Städte bundesweit eine Umweltzone eingeführt, die dann bis 2010 jährlich verschärft wurde. Das hat den Feinstaubgehalt der Luft so stark reduziert, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Der Blick auf die Langzeitmessung der Jahresmittelwerte auch beim giftigen Stickstoffdioxid (NO2) an der Göttinger Straße zeigt: Seit Ankündigung der Umweltzone sinkt auch der Wert für NO2. Möglicherweise vor allem deshalb, weil viele Autofahrer sich wegen der drohenden Umweltzone von ihren alten Dieselwagen getrennt und neuere Modelle gekauft haben, auch die Abwrackprämie hat stark zur Erneuerung der Fahrzeugflotte beigetragen. Nur: Gereicht hat es nicht. Und seit dem Tiefpunkt 2011 steigt die Belastung wieder. Auch, weil Hannovers Bevölkerung wächst und immer mehr Autos in der Stadt zugelassen werden.

Die Umweltzone ist aber bei weitem nicht das einzige, was in die Stadt zur Luftreinhaltung unternommen hat. Seit etwa zehn Jahren gilt ein Verbot für Lkw-Durchfahrtverkehr auf den hannoverschen Bundesstraßen. Auf der Göttinger Straße am Hanomag-Gelände wurde Tempo 40 angeordnet. Auf 15 Straßenzügen mit insgesamt 171 Ampelanlagen wurden die Schaltungen überprüft und modernisiert. Allerdings konstatiert die Stadt selbst in ihrem jüngsten Zwischenbericht zur Luftreinhaltung, dass die „Minderungswirkung minimal“ sei, wie etwa das Beispiel Sallstraße zeige.

Und so werden auch die neuen Vorschläge, die der Oberbürgermeister am Dienstag im Gepäck hat, höchstens langfristig Wirkung zeigen. 26 neue Ideen umfasst der Plan, den Schostok in Berlin vorlegt. Dabei etwa der Ausbau von P+R-Anlagen rund um die Kernstadt Hannovers. Die Einrichtung von Carsharing-Angeboten im Umland, denn bisher gibt es sie nennenswert nur in der Stadt Hannover. Die Anschaffung von Hybridbussen auch für den Umlandverkehr, bei dem die Regiobus auf Teststrecken in der Innenstadt nur noch elektrisch fahren will. Die Ausweitung des Testbetriebs der Üstra mit vollelektrischen Bussen auf der Ringlinie 100/200 und dann bald auch auf der Linie 121. Aber auch moderne Parkleit-Apps, um den Parksuchverkehr zu reduzieren; innovative Logistikkonzepte und Radfahrerprojekte. Ganz neu im Programm ist die Idee, eine „Pilotsiedlung Elektromobilität“ zu schaffen, wenn ohnehin neue Wohnquartiere gebaut werden. Und dann gibt es auch den Plan, 40 alte Stadtbahnwagen (die grünen TW6000) nicht zu verschrotten, sondern zu modernisieren - denn wenn Autofahrer künftig mehr öffentlichen Nahverkehr nutzen, dürfte es eng werden in den Bahnen. Geplant ist auch, den Pool an S-Bahnwagen aufzustocken, damit 3-Wagen-Züge fahren können.

Nur: Kurzfristig wird all das nicht helfen, die Luftgrenzwerte einzuhalten.

Diese Projekte für sauberere Luft planen Städte

In vielen Städten werden die Grenzwerte für den Ausstoß des gesundheitsschädlichen Stickoxid (NOx) überschritten. Es drohen Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge. Bundesregierung und Autoindustrie haben einen Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro beschlossen - damit sollen Projekte gefördert werden. Der Deutsche Städtetag hat in einer (nicht vollständigen) Liste mögliche Sofortmaßnahmen von Städten gesammelt, aus der wir Auszüge im Text zitieren. Hier die vollständige Übersicht:.

- Die Stadt Aachen würde bei einer Förderung durch den Mobilitätsfonds von Bund und Automobilindustrie beispielsweise rasch Ladesäulen in Wohnquartieren, auf Supermarktflächen und in Parkhäusern einrichten und E-Fahrzeuge bei Parkflächen bevorzugen.

- Die Stadt Bielefeld würde umgehend den Einsatz von Brennstoffzellenbussen testen. Es liegen fertige Pläne vor, um die Verkehrsführung auf einem Platz im vielbefahrenen Innenstadtbereich zu verändern und dort das Verkehrsaufkommen zu reduzieren.

- Die Stadt Bochum beabsichtigt, sechs E-Fahrzeuge zu erwerben. An einem Emissionsschwerpunkt sollen Flächen entsiegelt, Mittelinseln begrünt und Mooswände errichtet werden.

- In Düsseldorf könnte man sofort unter anderem sogenannte Solar-Carports für die Betriebshöfe beschaffen, die Ampelsteuerung an einer Hauptverkehrsstraße für einen besseren Verkehrsfluss anpassen sowie eine Mobilstation an einem Verkehrsknotenpunkt und eine passende Mobilitäts-App zum Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel einrichten.

- Die Stadt Köln möchte kurzfristig Mobilitätsstationen aufbauen, den ÖPNV und andere Verkehrsmittel vernetzen sowie übergreifende Informations- und Bezahlsysteme einrichten. Außerdem sollen mehr als 1000 neue öffentliche Fahrradabstellplätze entstehen und die E-Ladeinfrastruktur ausgebaut werden.

- Die Stadt Freiburg im Breisgau möchte als Sofortmaßnahme die Umstellung einer Buslinie auf E-Busse vorzeitig umsetzen.

- Die Hansestadt Hamburg könnte unmittelbar die Umstellung von Busbetriebshöfen auf elektrische Ladeinfrastruktur angehen. Die Stadt würde die automatische Fahrgasterfassung und digitales Ticketing testen sowie die Beschaffung von Euro-6-Bussen und Elektrobussen vorziehen.

- Die Stadt Kiel möchte das vollelektrische Angebot bei Carsharing-Anbietern und die Ladeinfrastruktur ausbauen sowie eine Fahrradakkuladestation und neue überdachte Fahrradparkplätze errichten. Zehn Hybridbusse sollen gekauft werden.

- Die Stadt Ludwigshafen am Rhein möchte den Verkehrsrechner aufrüsten, um damit zentral ein umweltorientiertes Verkehrsmanagement in der Stadt zu steuern. Die Busflotte soll schneller mit Euro-6-Fahrzeugen mit Hybridantrieb erneuert werden.

- Die Stadt Mainz würde kurzfristig 98 Dieselbusse mit Filtertechnologie zur Reduzierung der realen Emissionen nachrüsten und weitere 23 Busse vorgezogen neu beschaffen. Außerdem könnte sie 100 Nutzfahrzeuge der Behörden und der Abfallwirtschaft (zum Beispiel Lkw, Pkw, Geräte, Maschinen) auf emissionsarme- und emissionsfreie Antriebe umstellen.

- Die Stadt Wiesbaden will beginnen, die komplette Flotte von 221 Dieselbussen durch batteriebetriebene E-Busse zu ersetzen, Fahrzeuge für die CityBahn beschaffen und das neue, gemeinsam mit Mainz betriebene Fahrradvermietsystem mit 500 E-Bikes ausbauen.

- Die Stadt München würde umgehend ein Pilotprojekt beginnen für leichte Nutzfahrzeuge wie batteriebetriebene Kehr- und Baumaschinen und mit Herstellern zusammenarbeiten. Tram- und U-Bahnen zur Erweiterung des ÖPNV-Angebotes würden sofort ausgeschrieben werden.

- Die Stadt Nürnberg würde umgehend weitere Mobilitätsstationen einrichten mit Stellplätzen für Carsharing, Fahrräder und Verleih an Haltestellen des ÖPNV. Außerdem sollen die Busflotte auf elektrischen Antrieb umgestellt und zusätzliche Straßenbahnzüge und U-Bahnwagen angeschafft werden.

- Die Stadt Reutlingen möchte unverzüglich 20 Batteriebusse beschaffen und damit das Stadtbusnetz um 10 neue Buslinien erweitern mit erwarteten 2 Millionen neuen Fahrgästen jährlich. Außerdem sollen 20 E-Ladesäulen im Stadtgebiet aufgebaut werden.

- Die Stadt Stuttgart würde neben vielen anderen Maßnahmen umgehend weitere vollelektrische Fahrzeuge, Pedelecs und eRoller für Stadtverwaltung und Stadtwerke beschaffen. Außerdem möchte die Stadt eine Abwrackprämie für Mopeds und Motorräder (Krafträder mit Zweitaktmotor) bei Kauf eines Elektro-Zweirades anbieten.

Von Conrad von Meding

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