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Hannover So viel Trinkwasser hat Hannover seit 13 Jahren nicht verbraucht
Nachrichten Hannover So viel Trinkwasser hat Hannover seit 13 Jahren nicht verbraucht
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00:16 30.06.2019
Enercity liefert Trinkwasser für 700.000 Verbraucher in Hannover und angrenzenden Teilen der Region. Quelle: picture alliance / dpa
Hannover

Die Stadtwerke Enercity haben am heißen Dienstag 167.000 Kubikmeter Trinkwasser an ihre Kunden abgegeben – das ist der höchste Wert seit dem Sommer 2006. Diese Menge entspricht etwa einer Million bis zum Rand gefüllter Badewannen. Am Mittwoch lag der Verbrauch immer noch bei 166.000 Kubikmeter. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Tagesabsatz liegt bei 120.000 Kubikmetern.

Mit einer Installation auf dem Kröpcke haben die Stadtwerke am Tag des Wassers den Tagesverbrauch eines Menschen dargestellt. Quelle: Tim Schaarschmidt

„Die heißen Tage haben dazu geführt, dass die Kunden mehr geduscht haben, dass mehr Wasser in den Gärten verbraucht wurde und dass Pools und Planschbecken gefüllt wurden“, sagt Sprecher Carlo Kallen.

Anlass zu Verboten wie beim Wasserverband Garbsen-Neustadt gibt es bei Enercity nicht. Dort dürfen die Kunden seit Donnerstagmittag ihre Autos nicht mehr waschen, keine Pools und Planschbecken füllen, ihre Gärten nicht bewässern oder Trinkwasser in Springbrunnen und Teiche einlassen, weil die Pegel in den Trinkwasserbehältern zu stark gesunken sind.

„Wir haben durch den riesigen Grundwasserkörper im Gewinnungsgebiet Fuhrberger Feld genug Wasser für den Bedarf selbst an Spitzentagen“, sagt Kallen. Theoretisch würde die Förderung nicht durch das Vorkommen beeinträchtigt, sondern durch die Kapazität der Pumpen und Rohrleitungen.

„Das ist aber noch nie vorgekommen“, erklärt Kallen. Die Anlagen seien darauf ausgelegt, auch weiteres Bevölkerungswachstum von mehreren 10.000 Menschen im Versorgungsgebiet zu verkraften. Enercity liefert Trinkwasser für 700.000 Verbraucher in Hannover und angrenzenden Teilen der Region.

Enercity beliefert auch den Wasserverband Garbsen-Neustadt mit Trinkwasser. Die Menge sei aber eher klein und wurde an den beiden heißen Tagen leicht aufgestockt. Dies ist aber kein Dauerzustand, sagt Kallen: „Es geht darum, Wasser zu sparen.“ Die Stadtwerke Hannover verbieten nicht, aber sie appellieren an ihre Kunden, etwa im Garten oder an Schwimmbecken nicht mit Trinkwasser zu aasen.

Beim Wasserverband Garbsen-Neustadt klingelten am Donnerstag fast ununterbrochen die Telefone der Service-Hotline. Grundsätzlich seien die verhängten Verbote in Kraft, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Sebastian Kratz. „Es gilt aber der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“, erklärte er. Der Wasserverband setzt darauf, dass jeder Kunde seinen Verbrauch kritisch prüft.

Zu wenig Quellwasser in Barsinghausen

Auch die anderen Versorgungsunternehmen rufen die Bürger zum Wassersparen auf. Die Stadtwerke Barsinghausen haben dies schon Anfang des Monats getan. Sie beziehen ihr Wasser zum einen aus einem veralteten Wasserwerk im Ortsteil Eckerde, das seine Kapazitätsgrenzen erreicht hat, sowie aus Quellwasser aus dem Deister. Davon steht wegen der Trockenheit weniger als üblich zur Verfügung. Die Stadtwerke bekommen deshalb zusätzliches Trinkwasser aus dem benachbarten Nordschaumburg.

Manchmal sind die Tipps zum Wassersparen unterschiedlich: Der Wasserverband Nordhannover, Versorger in Burgwedel, Isernhagen, der Wedemark und Teilen Burgdorfs, Lehrtes und Sehndes, empfiehlt, wegen der hohen Verdunstungsrate nicht in den Mittagsstunden Rasen zu sprengen oder Pflanzen zu gießen. Verbraucher sollten dies am Morgen oder in den frühen Abendstunden tun. Der Wasserverband Peine hingegen, der auch Uetze beliefert, erklärt: „Die Gartenbewässerung sollte nicht in der verbrauchsstarken Spitzenzeit am Abend stattfinden“. Generell müsse Wassernutzung als Lebensmittel Vorrang haben.

16 Unternehmen liefern Trinkwasser

Die Wasserversorgung ist in Deutschland grundsätzlich Aufgabe der Kommunen. Sie vergeben Konzessionen an Unternehmen, die Trinkwasser fördern und liefern wollen. Über Entnahmemengen und Aufbereitung wiederum wacht die Region Hannover als zuständige Wasserbehörde. „Wir achten unter anderem darauf, dass nicht zu stark in den Grundwasserkörper eingegriffen wird“, sagt Sprecher Klaus Abelmann.

Insgesamt sind 16 Unternehmen im Raum Hannover in der Trinkwasserversorgung tätig. Unter ihnen sind große wie Enercity, das Privatunternehmen Purena oder die Harzwasserwerke, aber auch kleinere Stadtwerke. Die Grenzen entsprechen nicht immer den politischen. Unternehmen wie Enercity sind nicht nur im kompletten Stadtgebiet Hannovers tätig, sondern auch in angrenzenden Kommunen. In anderen Städten wie etwa Neustadt oder Langenhagen gibt es mehrere Versorger, die sich das Gebiet aufteilen.

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