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Hannover Volle Bäder, Rettungseinsätze und Abkühlungen: So reagiert Hannover auf die Hitze
Nachrichten Hannover Volle Bäder, Rettungseinsätze und Abkühlungen: So reagiert Hannover auf die Hitze
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00:25 28.06.2019
Badegäste planschen bei sommerlichen Temperaturen im Ricklinger Bad . Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Hannover

Die erste Hitzewelle des Sommers setzt vielen Hannoveranern zu. Die Feuerwehr Hannover fährt mehr Rettungseinsätze als üblich. „Wir kommen aber mit den vorhandenen Mitteln aus“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Insbesondere ältere Menschen klagten über Kreislaufprobleme. Im Umland reagieren Freibäder auf die hohen Temperaturen und öffnen bis Mitternacht. In Hannover steht so etwas nicht zur Debatte. „Durch das vorhandene Personal können grundsätzlich nur die regulären Öffnungszeiten abgedeckt werden“, sagt Stadtsprecher Udo Möller.

Rettungsdienste sind gefordert

„Unsere Rettungsdienste sind derzeit gefordert“, sagt Hintz. Man beobachte die Lage sehr genau und könne bei Bedarf noch mehr Fahrzeuge einsetzen. Sollten Rettungswagen nicht rechtzeitig vor Ort sein können, schicke die Feuerwehr Löschzüge. „Auch diese verfügen über eine Notfallausrüstung“, sagt Hintz. Sollten noch mehr Notfälle auftreten, könne die Feuerwehr auf private Organisationen zurückgreifen und deren Dienste in Anspruch nehmen. Die Feuerwehr rät, viel zu trinken und Aktivitäten den Temperaturen anzupassen.

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Hannovers Kliniken verzeichnen jedoch nicht mehr Patienten. Weder die Medizinische Hochschule noch die Diakovere-Kliniken registrieren einen Anstieg infolge der Hitzewelle. Der Herzspezialist des Henriettenstifts rät, alles etwas langsamer anzugehen und ausreichend zu trinken.

Feuerwehrleute und Üstra-Mitarbeiter bekommen Getränke

Auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr haben derzeit mit der Hitze zu kämpfen. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Hintz gehören momentan gekühlte Getränke zur Standardausrüstung bei den Löschfahrzeugen. „So können die Kollegen ihren Flüssigkeitshaushalt nach anstrengenden Einsätzen sofort wieder ausgleichen", sagt er. Auch die Üstra hat am Nachmittag an ihre Mitarbeiter kühle Getränke verteilt. Gleichzeitig können die Temperaturen dazu führen, dass mancher Einsatz bei der Feuerwehr personalintensiver wird - vor allem, wenn unter Atemschutz gearbeitet werden muss. „Dann ist es unter Umständen so, dass die Kameraden früher abgelöst werden müssen", sagt Hintz.

Erleichterung bei der Kleidung ist für Feuerwehr und Polizei im Einsatzfall allerdings schwer umsetzbar. „Wir müssen uns entsprechend schützen", sagt Hintz. Die Ermittler wiederum tragen neben ihrer ohnehin schon schwarzen Uniform noch eine dicke Schutzweste. Diese ist nach Angaben eines Behördensprechers zwar nicht Pflicht, erhöhe aber natürlich auch den Selbstschutz. Die Möglichkeiten, sich Abkühlung zu verschaffen, seien daher begrenzt.

Vergangenen Sommer musste sich die Feuerwehr Hannover angesichts der langanhaltenden Hitze zusätzlich als Gärtner betätigen. Im Auftrag der Stadt wässerten die Einsatzkräfte an mehreren Tagen rund 1000 überwiegend junge Bäume im gesamten Stadtgebiet. „Dieses Jahr haben wir eine ähnliche Anfrage noch nicht erhalten", sagt Hintz.

Hunde niemals in Autos warten lassen

Nicht nur Menschen leiden unter den hohen Temperaturen. Auch Haustieren sollte der Zugang zu schattigen Plätzen ermöglicht werden, und sie sollten viel trinken können. „Alles, was für den Menschen gilt, gilt auch für Vierbeiner“, sagt Prof. Reinhard Mischke von der Klinik für Kleintiere bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Hundehalter sollten die empfindliche Nase ihrer Tiere mit Sonnencreme schützen. Für schwach behaarte Hunde seien schützende Textilien angebracht. Hunde sollten vor allem morgens und abends ausgeführt werden. „Niemals dürfen Hundehalter ihre Tiere in parkenden Autos warten lassen“, warnt Mischke. Schnell klettere in Fahrzeugen die Temperatur auf 44 Grad, und das sei nicht selten das Todesurteil für die Hunde. „Da hilft auch eine heruntergekurbelte Scheibe nicht“, sagt der Tiermediziner.

Hitzewelle in Niedersachsen: Gleich mehrere Tage nacheinander klettert das Thermometer über 30 Grad. Sommer-Impressionen von Menschen, Tieren und der Landschaft.

Umland-Freibäder bieten Mitternachtsschwimmen

Die Hitze hat auch ihre guten Seiten. Im Umland reagieren einige Freibäder spontan auf den heißen Sommeranfang. Das Freibad Großburgwedel lädt für Freitag zum Nachtschwimmen bis Mitternacht. Erwachsene zahlen 3 Euro Eintritt, Kinder zwei Euro. Auch die Freibäder in Uetze und Hänigsen öffnen am Sonnabend bis Mitternacht.

In Hannover zeigen sich die Badbetreiber weniger flexibel. Das Volksbad Limmer bleibt bei seinen Öffnungszeiten von 7 bis 20 Uhr. Gleiches gilt für das Annabad in Kleefeld, das schon um 6 Uhr morgens öffnet und um 20 Uhr schließt. Das RSV-Bad in Leinhausen entscheidet spontan, ob die Öffnungszeiten verlängert werden. „Wir machen dann einen Aushang“, sagt ein Mitarbeiter. Dabei gehe es nicht um mehrere Stunden bis Mitternacht, sondern um ein bis zwei Stunden zusätzlich. Üblicherweise öffnet das Leinhäuser Bad von 8 bis 19.30 Uhr. Man müsse sehen, ob genügend Personal verfügbar sei, sagt der Mitarbeiter.

In Hannover fehlt das Personal

Auch bei der Stadt Hannover liegt es am Personal. Die Stellenzahl für Wasseraufsicht und andere Aufgaben sei auf die üblichen Öffnungszeiten abgestimmt, sagt Möller. Und die seien durchaus umfangreich, etwa im Lister Bad von 6 bis 20.30 Uhr. „Eine Verlängerung des täglichen Badebetriebes in die späteren Abend- und Nachtstunden ist deshalb nicht möglich“, sagt Möller. Hinzu komme, dass die Nachfrage, die sich am Wetter orientiert, nicht planbar und vorhersehbar sei. Die Stadt betreibt neben dem Lister Bad das Misburger Freibad, das Ricklinger Bad und das Hainhölzer Naturbad. Allein beim Naturbad Hainholz sei es möglich, sagt Möller, die Öffnungszeit heute und morgen um eine Stunde bis 20 Uhr zu verlängern.

Von Andreas Schinkel und Peer Hellerling