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Hannover Protest verhindert Streichung von Sozialarbeiterstellen an Grundschulen
Nachrichten Hannover Protest verhindert Streichung von Sozialarbeiterstellen an Grundschulen
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00:15 11.03.2019
Im Februar hatten in Hannover Hunderte Schulsozialarbeiter, angestellte Lehrer und Erzieher für eine bessere Bezahlung demonstriert. Quelle: Peter Steffen/ dpa
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Hannover

Nach Protesten von Schulen, Eltern, Gewerkschaften und Politikern rückt die Stadt von dem Plan ab, an fünf Grundschulen in ärmeren Stadtteilen die Schulsozialarbeiterstellen zum Schuljahresende zu streichen. „Wir haben uns von den vorgebrachten Argumenten überzeugen lassen“, sagt Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski gegenüber der HAZ. Die 340.000 Euro sollen jetzt anderweitig eingespart werden.

2015 hatte der Rat der Stadt Hannover beschlossen, dass die Verwaltung im Rahmen der Haushaltskonsolidierung Personalkosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro einsparen soll. Das gelte natürlich auch für den Fachbereich Jugend und Familie, sagt Rzyski. Ursprünglich sei man der Meinung gewesen, dass die Stadt an den Schulen, an denen bereits Schulsozialarbeiter im Landesdienst tätig seien, ihre Mitarbeiter abziehen könne. Man habe aber eingesehen, dass Sozialarbeiter der Stadt und die im Landesdienst zwei getrennte Stränge seien und unterschiedliche Aufgaben übernähmen. Wenn man einen Strang abtrenne, könne der nicht von der anderen Seite aufgefangen werden. Die kommunalen Sozialarbeiter kümmerten sich eher um Lebensstrategien und begleiteten Kinder im Heranwachsen, machten beispielsweise Konzentrationsübungen mit den Schülern, während die Landessozialarbeiter vor allem die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht im Blick hätten. Außerdem sei der Sparbeschluss schon vier Jahre alt, die Schullandschaft in Hannover habe sich seitdem sehr verändert.

Fünf Grundschulen standen auf der Streichliste

Ursprünglich hatten an den Grundschulen Alemannstaße (Vahrenwald), Beuthener Straße (Mittelfeld), Fichteschule (Hainholz), Fuhsestraße (Leinhausen) und Am Stöckener Bach (Stöcken) die Sozialarbeiterstellen gestrichen werden sollen. Versehentlich stand auch die Grundschule Tegelweg im Sahlkamp kurzfristig auf der Streichliste, da die Schule aber am Hilfsprogramm des Landes „Schule plus“ für Schulen in sozialen Brennpunkten teilnimmt, wurde sie sofort wieder heruntergenommen.

Elternvertreter loben Vertrauensarbeit der Sozialpädagogen

Die Grundschuleltern reagierten zunächst geschockt auf die Sparpläne: „Das hat uns sehr getroffen“, sagt Martin Tunaj, Schulelternratsvorsitzender an der Grundschule Fuhsestraße. In ihrer siebenjährigen Tätigkeit habe die städtische Schulsozialarbeiterin sehr viel Vertrauen aufgebaut, das wirke bis in den Stadtteil hinein. Auch Carsten Rühe, Elternvertreter im Schulvorstand der Fichteschule, betont: „Die Arbeit des Schulsozialarbeiters hört nicht am Schultor auf.“ Es sei ganz viel Kommunikation und Beziehungsarbeit mit den Kindern und Eltern. Der Sozialarbeiter des Landes sei ergänzend da, kümmere sich vor allem um Roma-Kinder aus dem Burgweg und den Ganztag. Ein so bunt gemischter Stadtteil wie Hainholz brauche Sozialarbeiter an den Schulen. Das trage sehr zur Beruhigung des Viertels bei, sagt die stellvertretende Schulelternratsvorsitzende Daniela Rühe. Wenn es keine Sozialarbeiter gebe, müssten Lehrer dies übernehmen und könnten keinen Unterricht machen.

Land sieht seine Sozialarbeiter als Ergänzung

Auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kam erst scharfe Kritik. Der Bildungsbereich müsse vom Spardiktat ausgenommen werden, fordert GEW-Kreisvorsitzender Harald Haupt. Die Schulpolitiker aus den Parteien aller Couleur sind sich einig, dass die Schulen in ärmeren Stadtteilen weiterhin auch auf städtische Sozialarbeiter angewiesen sind, weil sie anders Herausforderungen die Inklusion und Integration nicht meistern könnten. Julia Willie Hamburg, Grünen-Bildungsexpertin im Landtag, befürchtet, dass sich landauf, landab Kommunen aus der Schulsozialarbeit zurückziehen könnten, wenn das Land diese Aufgabe mit übernehme. Oftmals seien die ausgeschriebenen Landesstellen noch gar nicht besetzt. Vonseiten des Kultusministeriums heißt es, das Land verstehe sein Engagement als Ergänzung zur kommunalen Kinder- und Jugendhilfe. „Es gibt Schulen, denen auch zwei oder mehr sozialpädagogische Fachkräfte guttun“, sagt ein Ministeriumssprecher.

Von Saskia Döhner

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