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Hannover Fußball-AG-Leiter wird sexueller Missbrauch in 42 Fällen vorgeworfen
Nachrichten Hannover Fußball-AG-Leiter wird sexueller Missbrauch in 42 Fällen vorgeworfen
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08:57 25.09.2019
Der Angeklagte war Leiter einer Fußball-AG der KGS Ronnenberg. Quelle: privat
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Hannover/Ronnenberg

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Anklage gegen den ehemaligen Leiter einer Fußball-AG der KGS Ronnenberg erhoben. Das haben die Strafverfolger am Dienstag auf HAZ-Anfrage mitgeteilt. Sie werfen dem 51-Jährigen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vor. Die Zahl der ihm zur Last gelegten Taten ist erschreckend: Er soll sich zwischen Januar 2018 und Juni 2019 mehr als 40 Mal an zehn Zwölf- bis 18-Jährigen vergangen haben. Zunächst war die Polizei nur von sechs Opfern und einer Handvoll Taten ausgegangen.

Laut Kathrin Söfker, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, soll Andreas W. talentierten Nachwuchsfußballern seiner AG eine Leistungsförderung versprochen haben. „Dazu sei eine gesundheitliche Untersuchung nötig gewesen“, sagt sie. Offenbar hatte W. seine zwölf- bis 18-jährigen Opfer damit gelockt, dass sie später in der Bundesliga Geld verdienen könnten. Unter diesem Vorwand soll der 51-Jährige die Jugendlichen jedes Mal einzeln in ein eigens angemietetes Hotelzimmer mitgenommen haben. Bei den Opfern handelt es sich ausnahmslos um Jungen.

Kinder mehrfach missbraucht

Zum sexuellen Missbrauch macht Söfker keine weiteren Angaben. Sie spricht nur davon, der Angeklagte habe die Jugendlichen „unsittlich berührt“. Angesichts der 42 vorgeworfenen Taten muss sich der Angeklagte laut Söfker wohl mindestens an einigen der Opfern „mehrfach vergriffen haben“. Bei der Durchsuchung von W.s Wohnung und des Hotels wurden auch Datenträger sichergestellt, darauf sei allerdings kein kinderpornografisches Material entdeckt worden. Ermittlungen gegen den Hotelier gibt es derzeit nicht. Sein Haus funktioniert überwiegend ohne Personal und hat keine Rezeption, eingecheckt wird über ein Terminal. W. war dort weitestgehend ungestört.

Das Treiben des Fußball-AG-Leiters war ans Licht gekommen, nachdem sich Eltern von Betroffenen an die Polizei gewandt hatten. Andreas W. wurde auf einem Parkplatz eines Einkaufsmarktes in Ronnenberg festgenommen. Der gelernte Bäcker war seit mindestens 2015 an der Marie-Curie-Schule tätig. Neben dieser Arbeit engagierte sich W. auch als Jugendtrainer beim TuS Seelze. Zwar verlangen die Stadt Ronnenberg, die Landesschulbehörde und auch der Sportverein im Vorfeld ein polizeiliches Führungszeugnis – Ersttäter wie der 51-Jährige lassen sich damit aber nur schwer erkennen.

Schule hat Maßnahmen ergriffen

Die Schulleitung hatte nach der Festnahme W.s ein Statement auf ihrer Webseite veröffentlicht und „auf die Ermittlungsarbeit der zuständigen Behörden“ vertraut. Inzwischen habe sich die Schule darüber hinaus mit den Vorfällen auseinandergesetzt: „Wir haben zusammen mit der Landesschulbehörde und dem schulpsychologischen Dienst entsprechende Maßnahmen ergriffen“, sagt Schulleiter Kay Warneke der HAZ. Unter anderem habe es Präventionsveranstaltungen auch gemeinsam mit der Polizei gegeben, um solche Taten in Zukunft zu vermeiden. „Jeder soll Kenntnis darüber haben, was der andere tut“, sagt Warneke. „Es wird uns aber noch weiter beschäftigen.“

W. sitzt seit seiner Festnahme wegen möglicher Flucht- und Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwältin Söfker zeige sich der 51-Jährige aber „weitestgehend geständig“. Das Strafgesetzbuch sieht bei schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren vor, die Vielzahl der W. vorgeworfenen Taten ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Der Fall soll vor der Jugendkammer des Landgerichts Hannover verhandelt werden, einen Termin gibt es noch nicht.

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Von Peer Hellerling

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