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Hannover Stadt Hannover lässt Kinder jahrelang auf verseuchtem Grundstück wohnen
Nachrichten Hannover

Stadt Hannover bringt Roma-Familien auf mit Altlasten verseuchtem Grundstück unter

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20:00 05.08.2020
Der Boden rund um die ehemalige Paul-Dohrmann-Schule ist schadstoffbelastet. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Die Stadt Hannover hat obdachlose Roma-Familien jahrelang auf einem mit Altlasten verseuchten Grundstück untergebracht – ohne jeden Schutz für die Bewohner. Dabei belegte ein internes Gutachten schon 2014, dass die Belastung mit krebserregenden Schadstoffen auf dem Grundstück der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule vor allem für Kinder problematisch ist. Dessen ungeachtet errichtete die Stadt dort noch im selben Jahr eine Obdachlosenunterkunft, in der vor allem Roma-Familien untergebracht wurden, insgesamt deutlich mehr als hundert Menschen, mit vielen Kindern.

Umweltexperten kritisieren: „Unverantwortbar“

Absperrungen oder Hinweisschilder gab es nach Informationen der HAZ nicht, offenbar wurden auch die Bewohner nicht informiert. Auch in den öffentlichen Unterlagen zu der Unterkunft für die politischen Gremien finden sich keine Hinweise auf die Schadstoffbelastung. Gleich zwei Umweltexperten, denen die HAZ das Gutachten vorgelegt hat, missbilligen das Vorgehen mit scharfen Worten.

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Lesen Sie die ganze Geschichte: Spielende Kinder auf kontaminierter Erde

„Unverantwortbar“ nennt es beispielsweise der Toxikologe Hermann Kruse, von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er sieht „eindeutig Gesundheitsrisiken für die Kinder“. Die Stadt bestreitet nicht, dass das Grundstück mit Schadstoffen belastet ist. Die Kontaminationen riefen aber keine unmittelbare Gefahr für die Nutzer hervor, betont sie.

Von Jutta Rinas