Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Stadt quartiert Obdachlose in Flüchtlingsunterkünften ein
Nachrichten Hannover Stadt quartiert Obdachlose in Flüchtlingsunterkünften ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 15.12.2017
Zurzeit schlafen Obdachlose unter einer Brücke am Hauptbahnhof - künftig sollen sie in Flüchtlings-Containern am Waterlooplatz untergebracht werden. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

 In Hannover leben immer mehr Menschen, die keine feste Wohnung haben. Das führt zu Engpässen bei den städtsichen Unterkünften. „Wir brauchen jetzt schnelle Maßnahmen, um durch den Winter zu kommen“, sagt Marc Schalow, Bereichsleiter im Bauamt, am Montagabend im Bezirksrat Mitte. Um die Kapazitäten zu erweitern, quartiert die Stadt Obdachlose in Flüchtlingsunterkünften ein. „Angesichts der Situation ist das eine gute Idee“, sagt Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Alles sei besser, als unter einer Brücke zu schlafen. 

Das Diakonische Werk geht von 3000 bis 4000 Wohnungslosen aus, die bei Freunden unterkommen oder in städtischen Einrichtungen leben – Tendenz steigend. Davon sind nach Angaben der Diakonie etwa 400 Obdachlose zu unterscheiden, die auf der Straße nächtigen. Hannovers Stadtverwaltung schätzt, dass sich die Zahl der Wohnungslosen jedes Jahr um zehn Prozent erhöht. „Der Druck ist groß“, sagt Schalow.  

1152 Obdachlose in städtischen Einrichtungen

Die Stadtverwaltung ist gesetzlich verpflichtet, Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben. Derzeit wohnen 1152 Obdachlose in städtischen Einrichtungen, dazu zählen Wohnungen und Gemeinschaftsunterkünfte. Die Stadt bietet  Wohnheime für Männer, Frauen undFamilien an. 

Der Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten liegt jedoch höher. „Wir gehen dazu über, Unterkünfte, die für Flüchtlinge vorgesehen waren oder noch sind, zu räumen und Obdachlosen zur Verfügung zu stellen“, sagt Schalow. So quartiert die Stadt jetzt obdachlose Familien in das Flüchtlings-Containerdorf auf dem Waterlooplatz ein. 70 Plätze seien in der Anlage für Obdachlose reserviert, 36 Flüchtlinge wohnten dort noch. Mittelfristig sollen die Asylsuchenden ausziehen und auf andere Heime verteilt werden. „Vier obdachlose Familien haben wir bereits untergebracht“, sagt Schalow. Mit dem Betreiber der Unterkunft, das Deutsche Rote Kreuz, sei die Unterbringung abgesprochen. 

„Alles, was hilft, ist richtig.“

Noch vor ein paar Jahren hatte es die Stadt vermieden, Obdachlose und Flüchtlinge unter einem Dach wohnen zu lassen. Zu groß war die Sorge, dass beide Gruppen Ressertiments gegeneinander hegen. Auch die Diakonie hatte bis vor Kurzem Bedenken, doch angesichts der Notlage sagt Müller-Brandes: „Alles, was hilft, ist richtig.“ Im Falle der obdachlosen Familien in der Waterloo-Unterkunft könnten Kinder den Kontakt zu den benachbarten Flüchtlingen erleichtern. 

Zudem öffnet die Stadt einen ehemaligen Möbelmarkt in Vahrenwald, der zuvor als Flüchtlingswohnheim diente, für Obdachlose. „Der Möbel-Boss-Markt soll ein Sleep-In werden“, sagt Schalow. Das bedeutet, dass Menschen ohne Bleibe dort nächtigen können, die Einrichtung morgens aber wieder verlassen müssen. Auch das ehemalige Hotel Flamme hinter dem Raschplatz, zuvor ein Wohnheim für Asylsuchende, steht in einigen Wochen Wohnungslosen zur Verfügung.

„Immer mehr Menschen, die in Hauseingängen schlafen“

„Wir sehen immer mehr Menschen, die in Hauseingängen schlafen. Das ist eine neue Entwicklung“, sagt Diakoniepastor Müller-Brandes. Den Grund für die steigende Zahl von Menschen ohne Bleibe liege in einer verstärkten Zuwanderung, insbesondere aus Südosteuropa. Das bestätigt die Stadt Hannover. „Seit 2014 registrieren wir Zuwanderer aus Südosteuropa“, sagt Schalow. Seitdem gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren. Misslingt die Arbeitssuche, fallen sie durch alle sozialen Netze. Perspektivlosigkeit und Suchtprobleme prägen den Alltag. „Aus dem Trinkraum ,Kompass’ am Raschplatz kennen wir solche Schicksale“, sagt Müller-Brandes. Die Diakonie betreibt die Anlaufstelle. Sie ist seit der Öffnung vor eingen Wochen oft überfüllt. 

Von Andreas Schinkel

Die VHS bekommt die Zulassung für ein neues Angebot zu berufsbezogenen Sprachprojekten. Wer den Kurs absolviert hat, ist fit für einen Ausbildungsplatz.

12.12.2017
Hannover Verkehr wegen neuer Conti-Zentrale - Hans-Böckler-Allee wird zehnspurig

Die Hans-Böckler-Allee, als Staufalle bekannt, soll ausgebaut werden, um mehr Verkehr aufnehmen zu können. Grund für die Bauarbeiten ist die Conti-Zentrale, die nahe der Pferdeturmkreuzung entsteht.

15.12.2017
Hannover Besuch im Studio Endlich ohne - So funktioniert eine Tattoo-Entfernung

Mode vorbei, Liebe aus, Platz für Neues: Die Tattoo-Entfernung ist oft teurer als das ursprüngliche Bild auf der Haut.

15.12.2017