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Hannover Woran krankt Hannovers Clubkultur?
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00:19 02.06.2019
Jan Sedelies (rechts) diskutiert in der Reihe Stadtgespräch des Freundeskreises Hannover mit Jürgen Grambeck vom Chez Heinz (von links), Gunnar Geßner (Fete de la Musique, Verein Klubnetz), dem Musikjournalisten Tom Ruthemann, DJ Demir Cesar, Claudia Wieschollek (Fake Empire) über Hannovers Partyszene. Quelle: Samantha Franson
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Linden

Jürgen Grambeck ist sich ziemlich sicher: „Das Chéz Heinz wird es in zehn Jahren nicht mehr geben.“ Der Eigentümer des Lindener Kellerclubs zieht beim Stadtgespräch des Freundeskreises Hannover zur Lage der hiesigen Clubszene am Dienstag ernüchtert Bilanz. „Wir sind enttäuscht vom Rat, der Stadt und dem scheidenden Oberbürgermeister“, sagt Grambeck. Bisher seien alle Bemühungen, sich mit den Entscheidern um die Rettung der alternativen Institution zu bemühen, gescheitert. Der engagierte Kampf der Mitarbeiter und Freunde des Chez Heinz, deren Banner mit dem Aufdruck #Heinzmussbleiben die Talkrunde flankiert, bleibt vorerst erfolglos. Voraussichtlich 2022, so der aktuelle Stand, wird der Kellerclub unter dem Fössebad im Zuge des Schwimmbadneubaus aufhören zu existieren. Die ungewisse Situation zehrt nicht nur an den Nerven der Mitarbeiter. Der Fall Chéz Heinz scheint Beobachtern der Szene symptomatisch für einen Wandel, der Hannovers Konzert- und Partyorte unter Druck setzt.

Talk im Keller. Das vom Abriss bedrohte Bei Chez Heinz in Linden war Schauplatz für das jüngste Stadtgespräch des Freundeskreis Hannover. Quelle: Samantha Franson

„Schließung eines Clubs bedeutet seinen Tod“

„Die Erfahrung zeigt, dass die Schließung eines Clubs in Hannover in aller Regel seinen Tod bedeutet“, sagt Gunnar Geßner, Szenekenner und Sprecher der Initiative Klubnetz. Der 2015 gegründete Verband ist eine Art Lobbyorganisation der niedersächsischen Konzertkulturschaffenden. Auch auf lokaler Ebene haben sich Clubs inzwischen zusammengetan, um ihre Sorgen und Bedarfe gegenüber Politik, Stadt und einer nicht selten lautstärkegeplagten Anwohnerschaft zu vertreten. Das von HAZ-Redakteur Jan Sedelies moderierte Stadtgespräch des Freundeskreises nutzen die Partymacher und Clubbesitzer, um auf ihre Nöte aufmerksam zu machen.

Partynacht beginnt vor dem Supermarkt

„Neugründungen gab es in den vergangenen Jahren in Hannover nur sehr wenige, das hat mit dem hohen Kostendruck zu tun, aber auch mit den Auflagen“, sagt Geßner. Silke Arp bricht, 3Raum, Bar Cumberland oder das Musiktheater Bad – die Liste der einst etablierten und dann geschlossenen Musikclubs ist so lang wie die Gründe für das Aus vielfältig. „Das Ausgehverhalten hat sich gewandelt, das spielt eine wesentliche Rolle“, sagt Heiko Seeger, Betreiber des Lux am Schwarzen Bären. Ladenöffnungszeiten bis Mitternacht führen dazu, dass besonders junges Publikum die Partynacht auf der Straße beginnt. „Vor 23 Uhr braucht man in keinen Club zu gehen, da ist keiner“, sagt Seeger.

Für einige Zuhörer war es der erste Besuch im Kellerclub. Quelle: SAMANTHA_FRANSON

Dass nicht allein die Anzahl der Clubs, sondern auch die Qualität des Programms eine Rolle spielt, betont der DJ und Partyorganisator Demir Cesar. „Für mehrere Zielgruppen fehlt schlichtweg das attraktive Angebot“, sagt er, mit Blick auf die Altersgruppe 30 plus. Der Blick der Kulturpolitik dürfe angesichts der unterschiedlichen Vorlieben auch nicht allein in Richtung Linden gehen. „Am Wochenende gehen Zehntausende in der Stadt feiern, da gab es früher auch einmal vernünftige Läden“, sagt er.

Lösungen wurden bei der Diskussion keine präsentiert. Ein stadtweites Konzept scheint hier längst überfällig. „Die Vielfalt der Clubszene ist am Ende im Interesse aller Hannoveraner“, sagt Klubnetz-Sprecher Geßner.

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Von Mario Moers

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