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Hannover So war das Sting-Konzert auf der Expo-Plaza
Nachrichten Hannover So war das Sting-Konzert auf der Expo-Plaza
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00:20 09.06.2019
Sting auf der Expo-Plaza. Quelle: Samantha Franson
Hannover

„Message in a?“, fragt der Sänger. Alle antworten: „Booooottle“. Expo-Plaza Hannover, auf einer riesigen Bühne, die noch 20 Stunden vorher von Kiss zwei Stunden lang in Showbrand gesetzt wurde, stehen Musiker und machen einfach Musik. In der Mitte: Sting. Popheld, Rockheld, Umweltaktivist. Und Vorsänger: „Sendin’ out an?“ „Essooess“. Gelernt ist gelernt.

Er war schon mal hier. 2004, da war die fest installierte Bühne auf der Expo-Plaza noch etwas weiter links und ragte schräg in den Platz hinein. Sting, 52, war auf einer ausgedehnten Tournee zu seinem Album „Sacred Love“ und erfreute 15000 Fans mit frischen Songs und sorgsam renovierten Hits aus der Police-Zeit und seiner eigenen Vergangenheit. 15 Jahre später steht er vor 10000 Fans wieder auf der nun mobilen Plaza-Bühne, sein Konzert am Donnerstag beschließt den Konzertreigen an dieser Stelle, eröffnet aber eine Reihe von Deutschland-Auftritten auf seiner Welttournee.

Stings Haare sind etwas kürzer, das Gesicht etwas altersgezeichneter und von einem Dreitagebart gesäumt, aber die Haltung ist wie immer: Leicht nach hinten gebeugt steht er da, den abgegrabbelten E-Bass zupfend und mit geschlossenen Beinen immer ein bisschen mitwippend, wenn er nicht gerade singt und dabei konzentriert die Stirn in Falten zieht. Es ist seine einzige Pose, seit er die Sache mit der wilden Hüpferei auf der Bühne gelassen hat, und das ist ja schon eine ganze Weile her. Wilde Zeiten. Würde jetzt wohl auch doof aussehen für einen 67-Jährigen. Stattdessen heute: Tischchen mit Wasserglas. Rock ‘n‘ Roll will zwar never die. Aber in die Jahre kommt er auch.

Stings Hitparade

Zumal Sting in den anderthalb Jahrzehnten zwischen diesen beiden Hannover-Auftritten viel dafür getan hat, bloß nicht in den Topf mit Show und Pop und Charts geworfen zu werden. Lautenmusik, Winterlieder, Musicalsongs oder die nächste Best-of-Sammlung – immer wieder mussten Sting-Fans auf das nächste Album hoffen. Viele warten bis heute vergeblich. Aber die Hoffnung ist nie geschwunden, dass er noch mal einen raushaut wie in den Achtzigern und frühen Neunzigern, als er Pop und Jazz zusammenführte und gleich reihenweise Platten voller Spiellust und Experimentierfreude gebar.

Nun spielt er „My Songs“, leicht veränderte, dem Sound der Zeit oder seinem eigenen Alter angepasste Versionen von Stings Sting-Playlist. Nach „Message in a Bottle“ zum Beispiel ein grooviges „If I ever lose my Faith in you“, eher runtergespielt dann „Englishman in New York“ und „If you love somebody set them free“. Es ist Stings Hitparade. Nach 20 Minuten kann man Lautenmusik oder ein musikalisches Brecht-Weill-Spezial ausschließen. Überraschungen anderer Art aber auch weitgehend. Ein Entertainer ist er nicht. „Hannover, alles klar?“, viel mehr Worte verliert er nicht. Dafür singt er wirklich großartig, nimmt mit rauheren Timbre alle hohen Töne. Da sind andere seines Alters bequemer.

Die Liedbearbeitungen sind nah an den Originalen, manchmal mit Spielwitz und Spaß musiziert wie das prächtig rollende „Seven Days“, manchmal mit weniger Dynamik. Dann covert er seine eigenen Songs. Man kann es auch so sagen: Die wirklich tollen Interpretationen hat er anderen überlassen. Der höfliche Brite.

Applaus für die Mitsänger

Was nichts mit seiner siebenköpfigen Band zu tun hat. Sie ist präzise, gut eingespielt, aber wird auch nicht so von der Leine gelassen, dass sie einzelnen Stücken ihren individuellen, nur für diesen Abend gültigen Stempel aufdrücken kann. Die Backgroundsänger haben aber feine Momente – und ernten viel Applaus.

Und so lauscht die Fanschar, nicht ganz so zahlreich wie damals, den bekannten Weisen, singt mit, gerät bei Klassikern wie „Fields of Gold“ oder „Shape of my Heart“ ins Schwelgen und kommt bei Police-Hits wie „Wrapped around your Finger“, „Every little Thing she does is magic“, „So lonely“ und „Walking on the Moon“ wieder in flottere Bewegung. Wie immer.

Neueres wie ein Stück aus der doch überraschenden, albumweiten Zusammenarbeit mit Shaggy werden freundlich zur Kenntnis genommen, aber es bleibt bei Kurzausflügen, der Pflicht geschuldet. Schnell ist Sting wieder auf sicherem Terrain. „Roxanne“, dieses kleine, große Stück Waverock aus den späten Siebzigern, beendet das reguläre Programm.

Aber es sind noch Hits übrig, sodass es weitergehen muss: „Can’t stand losing you“, „King of Pain“ und zuvor das obligatorische „Every breath you take“, das Sting an diesem Abend vermutlich zum 10000. und vermutlich nicht zum letzten Mal singt. Viel Jubel am Ende von zwei Hitstunden. Und das Hoffen geht weiter, dass er doch noch mal richtig einen raushaut.

Blick ins Archiv: Die Sting-Konzerte früher

Von Uwe Janssen

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