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Hannover Rund 120 Rechtsradikale demonstrieren in Hannover gegen Journalisten
Nachrichten Hannover Rund 120 Rechtsradikale demonstrieren in Hannover gegen Journalisten
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08:13 24.11.2019
Die Polizei begleitete den Demo-Zug der Rechtsradikalen mit einem großen Aufgebot an Einsatzkräften. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Mit Trommeln und Transparenten sind am Sonnabend rund 120 Rechtsradikale durch die Straßen Hannovers gezogen, um gegen Journalisten und den Rundfunkbeitrag zu protestieren. Dazu aufgerufen hatte die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Die Polizei begleitete den Demonstrationszug vom Bismarckbahnhof zum Landesfunkhaus des Norddeutschen Rundfunks am Maschsee und dann weiter zum Aegidientorplatz. Insgesamt verlief der Protest der Rechtsradikalen, vor allem wegen des großen Polizeiaufgebots, friedlich. Rund 8500 Menschen beteiligten sich gleichzeitig unter dem Motto „Bunt statt Braun“ am Protest gegen die NPD-Veranstaltung.

Die Rechtsradikalen hatten sich bis etwa 14 Uhr am Bismarckbahnhof versammelt. Unter den Teilnehmern war auch NPD-Bundesvorstandsmitglied Thorsten Heise. Er hatte bei einer Kundgebung im Verlauf der Demo eine Rede halten wollen. Dies war ihm allerdings untersagt worden. Er hatte auf einer anderen Veranstaltung mit Blick auf einen kritisch gegenüber der NPD berichtenden Journalisten gesagt: „Der Revolver ist geladen.“

Unter den Reportern, die am Sonnabend über das Treffen der Rechtsradikalen in Hannover berichtete, waren auch einige der Journalisten, gegen die sich der Protest der NPD namentlich richtete. Fotoreporter André Aden vom Netzwerk „Recherche Nord“ war ganz bewusst nach Hannover gekommen. „Es geht hier nicht um die zehn Namen im Aufruf zur Demo der NPD, es geht um alle, die in diesem Beruf arbeiten“, sagte er der HAZ. Auch Andrea Röpcke, Autorin zahlreicher Bücher zum Thema Neonazis und Rechtsextremismus berichtete ebenfalls am Sonnabend aus Hannover. „Ich wollte eigentlich nach Rügen, um von dort über die AfD zu berichten, aber heute ist es wichtig, vor Ort Solidarität mit den Kolleginnen und Kolleginnen zu zeigen“, sagte sie der HAZ.

Kreativer Protest in der Südstadt

Vom Bismarckbahnhof setzte sich der NPD-Zug gegen 14.30 Uhr in Bewegung. Immer wieder gelang es Gegendemonstranten, die Strecke zu blockieren. In einem Fall leitete die Polizei die NPD-Demo um die Blockade herum. In einem anderen Fall räumten die Beamte die Blockierer von der Straße.

Die Bewohner der Südstadt brachten ihren Protest entlang der Route der NPD-Anhänger durch zahlreiche Spruchbänder an den Hausfassaden, bunte Luftballons und Girlanden sowie auf Transparenten entlang der Strecke mit Aufschriften wie „Nazis essen heimlich Döner“ zum Ausdruck.

Rund 120 Anhänger der NPD sind am Sonnabend vom Bismarckbahnhof in Hannover Südstadt zum Aegi gezogen. Am Heinrich-Heine-Platz warteten Gegendemonstranten auf die Rechten. Die Polizei sicherte die Lage mit einem Großaufgebot.

Redner bezeichnet Journalisten als „Brunnenvergifter“

Am Maschsee stoppte der Zug der Rechtsradikalen für eine Kundgebung. Allerdings hielten die Teilnehmer nicht vor dem eigentlichen Landesfunkhaus, sondern vor dem Großen Sendesaal des NDR, der zurzeit umgebaut wird. Bei dem Stopp sprach unter anderem Sven Skoda von der Partei „Die Rechte“. Er bezeichnete Journalisten als „Brunnenvergifter“ und „Schädlinge“ – bei beiden Wörtern handelt es sich um antisemitische Stereotype. Die Polizei prüft, nach HAZ-Informationen, eine Anzeige gegen Skoda wegen Beleidigung. Wie viele weitere Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sind, ist bislang noch offen. Die Behörde will diese Zahlen am Sonntag vorlegen. Fest steht, dass bei der Demo zwei Demonstranten und zwei Polizeibeamte verletzt worden sind.

Vom Maschsee ging die NPD-Demo zum Aegidientorplatz. Dort beendete der Anmelder des Protestes gegen 18 Uhr die Veranstaltung. Mit großem Polizeiaufgebot wurden die Teilnehmer anschließend zum hannoverschen Hauptbahnhof gebracht. „Im weiteren Verlauf gab es keinerlei Komplikationen mehr“, sagte Martin Ackert, der Sprecher der Bundespolizei.

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Von Peer Hellerling und Tobias Morchner

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