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Hannover Verblichene Markierungen verwirren Autofahrer
Nachrichten Hannover Verblichene Markierungen verwirren Autofahrer
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00:16 05.02.2019
Hannover: Sperrflächen wie hier an der Ecke Tiestestraße/Geibelstraße behalten auch im abgefahrenen Zustand ihre Gültigkeit.
Hannover: Sperrflächen wie hier an der Ecke Tiestestraße/Geibelstraße behalten auch im abgefahrenen Zustand ihre Gültigkeit. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Südstadt

Die Parkplatznot in der Südstadt ist besonders groß. Jetzt sorgen auch noch stark verblasste Markierungen bei einigen Autofahrern für Irritationen. Denn offenbar gibt es Unsicherheit, ob auch auf kaum noch zu erkennenden Markierungen Autos abgestellt werden dürfen.

Wie Stadtanzeiger-Leser Stefan Wulff berichtet, wurden an vielen Straßenkreuzungen in der Südstadt neue Markierungen aufgetragen. Die neu markierten Flächen sind deutlich kleiner als die älteren und inzwischen weitgehend verblassten Sperrflächen. „Für mich – und offenbar sehr viele andere Autofahrer – suggeriert das, dass hier Parkraum geschaffen wurde und nur die neue Markierung gilt“, sagt Wulff.

Stadt: Auch alte Sperrflächen sind gültig

Er wundert sich darüber, dass nicht etwa nur ein Teil der alten Markierung nachgemalt wurde, sondern die neuen Markierungen ordentlich mit einer senkrecht zum Bordstein verlaufenden Linie als Abschluss enden. Es sei vielfach zu beobachten, dass viele Autofahrer diese neuen Markierungen genau einhielten und auf den alten Sperrflächen parkten, meint Wulff. Allerdings hat er für den seiner Meinung nach ordentlich abgestellten Wagen einen Bußgeldbescheid bekommen. Auf Nachfrage habe die Stadtverwaltung ihm mitgeteilt, dass auch die alten Sperrflächen gültig seien, auch wenn diese abgenutzt seien.

Wulff betont sein Verständnis für die Sperrflächen, die neu markierten und die alten. Für ein Parkverbot auf beiden Fläche habe er vollstes Verständnis. Angesichts der Parkplatznot in der Südstadt hat er aber kein Verständnis, dass hier eine art „bösartige Falle“ aufgestellt worden sei. Wulff denkt darüber nach, ob er die ganze Angelegenheit juristisch überprüfen lässt.

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Sache aber klar: Alte Markierungen dienten der Verdeutlichung des ohnehin im Bereich von Einmündungen oder vor Absenkungen bestehenden Halteverbots oder der Verbesserung der Sicht für Fußgänger, sagt Sprecherin Michaela Steigerwald. „Insofern darf hier – unabhängig davon, ob die Markierungen abgefahren oder verblasst sind –nicht geparkt werden“, betont sie. Die Markierungen sollen erneuert werden, einen Termin konnte Steigerwald aber nicht nennen. Priorität hätten Hauptverkehrsstraßen und besonders gefährliche Bereiche.

Kommentar: Verblichene Verbote

Wer nicht verstehen kann, wie problematisch das Parken in der Südstadt ist, sollte am Abend mal einen kleinen Spaziergang durch den schönen Stadtteil machen. Noch um 17 Uhr ist das Problem relativ klein, da finden die auch bei Städtern so beliebten SUVs noch ohne längere Suche einen Abstellplatz. Wer ab 17.30 Uhr sucht, dem sei ein Auto von den Ausmaßen, wie sie zum Beispiel ein Polo hat, wärmstens empfohlen. Und ab 18 oder 18.30 Uhr geht es nicht mehr um Autogröße, sondern nur noch um Glück: das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Nämlich, dass gerade dann eine Parklücke frei wird, wenn man kurz davor ist, diese Stelle zu erreichen. Und kein Konkurrent näher dran ist. Und dass dort nicht gerade ein Smart herausgefahren ist.

Deshalb ist es gut nachzuvollziehen, dass Parkverbotszonen, die schon vor einigen Jahren schraffiert wurden und bei denen die Farbe reichlich abgenutzt ist, dankbar als Abstellplatz genommen werden, weil in der Dunkelheit und vielleicht bei Regenwetter schwer zu erkennen ist, dass dort kein Auto abgestellt werden darf. Und zwar weder für den Autofahrer, noch für den Ordnungshüter, der vielleicht des Weges kommt.

Deshalb sollte die Stadt zügig nachdenken, ob es sinnvoll ist, neu schraffierte und kaum noch zu erkennende Parkverbotszonen direkt nebeneinander zu haben. Klare Regeln sind sicher bürgerfreundlicher als verblichene Verbote.

Von Mathias Klein