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Hannover Tarifstreit: Gilde-Brauerei in Hannover wird über Nacht zerschlagen
Nachrichten Hannover Tarifstreit: Gilde-Brauerei in Hannover wird über Nacht zerschlagen
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18:43 02.12.2019
Statt einer gibt es nun vier Gesellschaften bei der Gilde-Brauerei in der Südstadt. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Die Gilde-Brauerei in der Südstadt hat eine neue Unternehmensstruktur bekommen. Das älteste Unternehmen der Stadt wurde von der Geschäftsführung ihres Mutterhauses, der TCB Beverages in Frankfurt/Oder, in vier Gesellschaften aufgespaltet. Bei der Brauerei mit ihren 136 Beschäftigten läuft seit Monaten ein Tarifstreit; die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die Arbeitnehmer vermuten Zusammenhänge.

Beide wurden von der Aktion überrascht, denn die Umstrukturierung wurde in der Nacht zum vergangenen Freitag um 4 Uhr umgesetzt. „Das ist Willkür und greift die Gilde in ihren Grundfesten an“, kritisiert NGG-Sekretärin Lena Melcher.

„Kein Tarif, kein Bier“: Nach mehreren Warnstreiks, hier vor dem Landtag in Hannover, haben sich die Beschäftigten der Gilde in einer Urabstimmung mit 94 Prozent für unbefristete Streiks ausgesprochen. Quelle: Christian Behrens

Weil es bei der Gilde unterschiedliche Lohnniveaus gibt, streiten die Mitarbeiter für einen einheitlichen Haustarifvertrag. Nach mehreren Warnstreiks hatten sich die Beschäftigten am 25. November in einer Urabstimmung mit 94 Prozent für unbefristete Streiks ausgesprochen. Die TCB-Geschäftsführung mit Mike Gärtner und Karsten Uhlmann habe dann erneute Verhandlungsaufforderungen abgelehnt, sagt Melcher.

In der Betriebskantine stehen jetzt Trennwände

Stattdessen kam es dann zu der Nachtaktion am 29. November. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter müssen die Gilde verlassen und in die drei hinzugekommenen Gesellschaften für die Bereiche Logistik, Fass- und Flaschenabfüllung sowie Dosenabfüllung gehen.

Lesen Sie auch: Kommentar: Es braucht eine Schlichtung bei der Gilde

Die Begleitumstände waren ungewöhnlich. „Wir mussten unter Aufsicht eines Sicherheitsdienstes unsere Spinde räumen und die Schlüssel abgeben“, schildert ein Mitarbeiter. Man habe den Mitarbeitern dann neue Spinde zugeteilt, auch die Arbeitskleidung werde gewechselt. Die Kantine ist durch Stellwände in vier Bereiche unterteilt, auch Arbeitsbereiche in der Produktion sind jetzt auf diese Weise voneinander abgetrennt.

Künftig streng getrennt: Stellwände sollen die neuen Bereiche bei der Gilde auch optisch signalisieren. Quelle: NGG

Die Geschäftsführung hatte ihr Vorhaben schon vor einiger Zeit angekündigt. Gärtner verwies auf aufgelaufene Millionenverluste und darauf, dass im Augenblick kein Spielraum sei für die von der NGG angestrebten höheren Einheitslöhne. „Wir müssen das Unternehmen erst restrukturieren“, sagt er.

Betriebsräte dürfen nicht mehr zu Sitzungen

Das wiederum hält Gewerkschaftssekretärin Melcher für vorgeschoben: „Effizienz lässt sich durch Aufspaltung eines Unternehmens nicht steigern“. Sie vermutet, dass die Geschäftsführung die Belegschaft einschüchtern und einen weiteren Arbeitskampf verhindern wolle. „Außerdem wird Betriebsratsarbeit unrechtmäßig eingeschränkt“, sagt sie.

„Das greift die Gilde in ihren Grundfesten an“: Gewerkschaftssekretärin Lena Melcher. Quelle: Karl Doeleke

Dem bisherigen Betriebsratsvorsitzenden Julian Weinz und weiteren drei Mitgliedern des siebenköpfigen Gremiums sei die Teilnahme an Sitzungen untersagt worden, weil sie zu denjenigen gehören, die in einer der neuen Gesellschaften arbeiten. Die Arbeitnehmer wollen sich juristisch wehren.

Die Arbeitnehmer haben die neuen Gesellschaften zu Tarifverhandlungen aufgefordert, was diese am Montagmittag abgelehnt haben. „Das überrascht uns nicht“, sagt Melcher. Der Vorgang diene lediglich dazu, weitere Arbeitskampfmaßnahmen formell zu ermöglichen. Unbefristete Streiks seien allerdings derzeit nicht vorgesehen.

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Von Bernd Haase

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