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Hannover Live-Musik: Das läuft im Juni auf Hannovers Club-Bühnen
Nachrichten Hannover Live-Musik: Das läuft im Juni auf Hannovers Club-Bühnen
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11:26 05.06.2019
Kety Fusco spielt mit ihrer Harfe bei Feinkost Lampe. Quelle: KetyFusco.com
Hannover

Hier sind die Konzerttipps für den Juni in Hannover. Für ganz Hannover? Nein, nur für eine kleine Gemeinde von Clubkonzertenthusiasten, die das Nah-Dran den Verlockungen der Stadion-Open-Airs, der Plaza-Stars und der Tui-Arena-Multifunktionshallenshows vorziehen. Deshalb sind diese Tipps nerdisch by Nature, kein Qualitäts-TÜV und keine Zeitgeistweltrangliste, sondern vor allem das: Musik, die der Autor mag.

Diese „Musste Sehen!“-Liste gibt es auch wochenweise als Video-Kolumne. Einfach zu merken: haz.de/musstesehen. Interessiert? Hier entlang!

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Wang Wen, 1.6., Béi Chéz Heinz

Wang Wen ist Chinesisch für Tratsch oder Geschwätzt – hintersinnig für eine Band, die Instrumentalmusik macht. Ist ja tatsächlich in China immer noch ein bisschen so wie in der alten DDR: Da kannst du als Rockmusiker nicht einfach so singen, was du willst. Instrumental lässt sich nicht so leicht instumentalisieren. Aber das nur am Rande. Im Mittelpunkt steht diese Band aus dem nordchinesichen Dalian, die in satter Besetzung cineastischen Post-Prog-Avant-Soundtrack-Glam (und gänzlich ohne Ethno-Gefuddel) spielt. Wer sich dafür interessiert, wie Rock im Reich der Mitte heute geht: Hier ist die seltene Gelegenheit.

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JonZ, 1.6., Faust Warenannahme

Das israelische Duo Yenia Vasilenko und Yoav Or ist eine dieser Tel-Aviv-Entdeckungen: Sie erfinden auch Folk für sich neu, überspringen aber einfach das Müslihafte, die Weltretterpose, das Besserwisserische und machen – willkommnen im Neo-Folk! – einfach schöne Songkunstwerke. JonZ klingt irgendwie sogar noch frisch, wenn ein Lied wie „I Can't Be Perfect“ mal einen Schlenker in Richtung Mittelaltermusik macht.

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Still Corners, 3.6., Lux

Sängerin Tessa Murray und der Produzent und Songwriter Greg Hughes haben es perfektioniert: das Verträumt gucken. Das passt zur Musik des Duos Still Corners, die sich immer ein bisschen wie der Soundtrack zu einem Film anhört, in dem sprachlose Menschen in einem Cabrio ein sehr langes, sehr gerades Stück der Route 66 langsam im Cabrio heruntercruisen. Das klingt nach Downtempo, obwohl es das gar nicht ist. Und es stiftet zum Verträumtzuhören an. Manchmal fällt erst am Ende eines Songs auf, dass der Text nicht groß gestört hat, dass man eigentlich gar nicht mitgekriegt hast, worum es ging – nur das es schön war. Traumhaft halt.

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Young Chinese Dogs, 6.6., Lux

Es gilt die Bandregel: Bei den Young Chinese Dogs werden nur Instrumente gespielt, die die Münchener Musiker selbst auf die Bühne tragen können. Deshalb kommen neben Gitarren Mundharmonika, Ukulele, Spielzeugklavier und Rasseln zum Einsatz. Das Kleine, das Simple, das Unkomplizierte macht den Reiz aus bei den schönen Feld-, Wald- und Wiesensongs (read: Folk). Wer denkt: Kenne ich das Gesicht von der Sängerin nicht von irgendwo …? Birte Hanusrichter hat schon bei den TV-Serien „Rosenheim Cops“ und „Alarm für Cobra 11“ mitgespielt.

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Meretrio, 6.6., Jazz-Club

Emiliano Sampaios Meretrio ein Trio zu nennen, ist in gewisser Weise ein Untertreibung. Sampaio, Posaunist und Gitarrist, Komponist und Arrangeur, bedient auch digitale Effekte und Looper, nimmt also das eine Instrument auf, um dann mit dem zweiten dazuzuspielen. Das klingt funkiger als Jazz und jazziger als Funk. Es muss jederzeit mit Überraschungen gerechnet werden – was dem Jazz grundsätzlich gut tut, weil der Sog ins Museale so stark ist. Aber nicht bei Meretrio.

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Kety Fusco, 6.6., Feinkost Lampe

Die Italienerin Kety Fusco ist ausgebildete Harfenistin, hat sich aber nach dem Studium vom Klassikbetrieb abgewandt. Jetzt spielt sie als Solistin eine elektrische Harfe (Travel Size), Synthsizer und diverse digitale Effekgeräte wie ein integriertes Instrument. Sie entlockt ihm fließende, perlende, sphärische und spaceige Soundcollagen. Keine Sorge: Das Ganze hebt sich durch Fuscos Frische wohltuend von den klebrigeren Sounds von Andreas Vollenweider und Jean-Michel Jarre ab.

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UFO, 7.6., Musikzentrum

Eigentlich gehört Ufo hier nicht her. Alte Männer, alte Musik. Same Old Same. Aber das muss man auch mal ignorieren, wenn besondere Umstände es gebieten. Ufo ist auf Abschiedstour, 50 Jahre nach dem Bandstart, bei dem ja auch der Hannoveraner Michael Schenker, Bruder von Scorpions-Rudi, für einige Zeit eine Rolle spielte. Also: Wer UFO-Sänger Phil Mogg noch mal Bye-bye sagen will – hier ist die Chance.

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Shawn James, 9.6., Béi Chéz Heinz

Putziger Karrierestart: Shawn James stammt aus Chicago, war lange nur Toningeneur in diversen kleineren Studios, bevor er nach Arkansas zog, um selbst als Sänger den Durchbruch zu schaffen. Lang spielte er als Busker auf der Straße, dann griff sich Sony seinen Song „Through the Valley“ für den Soundtrack des Playstation-Horrorspiels „The Last of Us Part“, und BÄM! Ein Reddit- und Youtube-Hit und schließlich ein solider Plattendeal. Was für eine fantastische Stimme!

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Kasimireffekt, 13.6., Feinkost Lampe

Allseits bekannt, was der Kasimireffekt ist? Na, dann herzlich willkommen in der Nerd-Welt der Quantenphysik. Bei diesem Effekt (der Pionier hieß Hendrik Casimir) geht es darum, was da draußen im Weltraum los ist, wo mehr oder weniger gar nichts ist, aber eben doch eine erstaunliche Kraft wirkt: Vakuumfluktuationen. Die Hannoveraner Julius Martinek (Fender Rhodes, Elektronik), Johannes Keller (Kontrabass, Elektronik) und Tobias Decker (Schlagzeug) spiegeln das mit ihrem kraftvoll fluktuierenden Trance-Jazz. Hörenswert und tanzbar.

 

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Juse Ju, 15.6., Festival Contre le Racisme

Grönemeyers „Männer“ sind ja inzwischen ein Museumsstück, der Wirkmacht längst beraubt und nur noch im Programm von Halbkabarettisten zu finden. Keine Angst: „Männer“ von Juse Ju ist kein solches Cover, sondern eine eigenständige Nummer, die zwar Grönemyers Gedanken aufnimmt, aber ihn mit dramatisch viel Oomph! weiterspinnt. Ganz wichtig: Auch wenn das Video am Anfang befremdet, bitte unbedingt bis 1:35 (und danach sowieso) dranbleiben. Lohnt sich.

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Hazmat Modine,15.6., Pavillon

Die Roots-Blues-Band Hazmat Modine ist gerade 20 Jahre alt geworden – aber immer noch frisch und frech. Gravitationszentrum der Mischung aus Klezmer, Bluegrass, Funk und machnmal sogar etwas Reggae ist das Blues-Harp-Spiel von Kunstlehrer, Maler und Musiker Wade Schuman aus New York. Hazmat Modine hat bereits früher den Pavillon am Raschplatz besucht – Partyalarm der höchsten Warnstufe.

 

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Norbert Buchmacher, 15.6., Lux

Wenn die Legende stimmt, war Norbert Buchmacher einst nur Roadie, der Packesel, von Punk-Bands. Bühne aufräumen, abräumen, schwere Verstärker schleppen. Er hat es dann mal selbst mit einer eigenen Hardcore-Combo versucht, One on One hieß sie, es wurde aber nichts. Aber Buchmacher hatte diese Art, Songs zu schreiben –und schließlich Mitstreiter dafür gefunden. Mit „Laut geträumt“ siehe Video, hat er dann den „Rio Reiser Songschreiber Preis“ gewonnen. 2016 war das. Und jetzt will das Publikum mehr von diesen Liedern, diesen Geschichten und dieser Stimme, die sich – und das ist ein Lob! – immer auch so ein bisschen anhört, wie wenn man das Schwarze von einem leicht verkohlten Toast abkratzt.

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Robin Damm, 22.6., Der Nachbarin Café / Faust (Breakfast & Music)

Wer die Fête de la Musique am 21. Juni gut überstanden und am nächsten Morgen schon wieder Lust auf Lifemusik hat, sollte den Besuch beim Brunch im Der Nachbarin Café bei Faust erwägen. Zu Besuch ist Robin Damm aus Kassel. Kleine Besetzung, große Stimme. Damm bringt einen irischen Gitarristen, eigene Songs und ein paar Cover mit – wärmste Empfehlung. Der Eintritt ist frei, fürs Frühstück wird natürlich gezahlt.

 

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--- ABGESAGT! --- Marcus King Band, 24.6., Musikzentrum

Der Blues liegt in der Familie bei den Kings. Der Vater ist Profimusiker, der Sohn Marcus gilt jetzt als The next big Thing im Blues. Es reichen ein paar Sekunden von einem Song wie „Rita is Gone“, um zu erfassen, warum das so ist. Allerdings hat King sein Talent auch nicht allein dem Zauber der guten Kinderstube und dem Zufall überlassen, sondern ein solides Musikstudium hingelegt. Gute Sache, dass neben den den noch lebenden Gitarrengöttern endlich mal wieder ein Junior aufhorchen lässt. Leider urde das Konzert im Musikzentrum kurzfristig abgesagt – gekaufte Tickets bleiben gültig für einen Ersatztermin –der allerdings noch nicht angekündigt ist.

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Micah Erenberg, 25.6., Lux

Erenberg ist ein Multitalent aus dem kanadischen Manitobe. Seine Songs sind unkomplizierte Stücke über komplizierte Lebensumstände, Heimat, Freunde, Liebe und ein bisschen Melancholie. Aber zu sehr wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt. Den Abend im Lux teilt er sich mit An Horse. Das sind Kate Cooper und Damon Cox, die nach längerer Abstinenz wieder zusammengefunden haben, um ihre druckvollen Indie-Rock-Songs zu spielen.

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Ego Super, 28.6., Kulturpalast

Psycho-Rap-Rock von einem Lindener Trio. Mit ein bisschen Dada-Attitüde und H-Blockx-Anklängen: Pit, Daniel und Xaver perfektionieren die Imperfektion derart, dass das Krachige zuweilen das Geniale verschleiert. Lieder wie „LiebeLebensFrust“ zum Beispiel: Aus der Ferne wirkt das pubertär. Bei näherem Hinsehen scheint der Intellekt durch – und der schmutzige Groove ist zum Verlieben.

Von Volker Wiedersheim

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