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Hannover Der HAZ-Test: So schnell ist das neue 5G-Netz in der Wedemark
Nachrichten Hannover Der HAZ-Test: So schnell ist das neue 5G-Netz in der Wedemark
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09:45 31.07.2019
Youtube, Apps und Streaming: HAZ-Reporter Manuel Behrens hat die 5G-Technik in der Wedemark getestet. Quelle: Moritz Frankenberg
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Bennemühlen

Während sich Autos und Lastwagen zäh durch Bennemühlen-Elze schieben, jagen die mobilen Daten so schnell wie noch nie durch den Norden der Wedemark. Einer von deutschlandweit nur 25 Vodafone-Sendemasten mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G steht seit Mitte Juli in der kleinen Ortschaft.

Das Mobilfunkunternehmen hat einen bestehenden Mast in einem unscheinbaren Waldstreifen an der Robert-Koch-Straße mit drei neuen Antennen ausrüsten lassen. In einem Radius von bis zu 1000 Metern senden sie Daten in Hochgeschwindigkeit an Smartphone-Nutzer und Haushalte – in großen Teilen Elzes und Bennemühlens sind die Signale verfügbar.

Doch kann die Technik halten, was sie verspricht? Der Standard 5G gilt als Zukunft des mobilen Internets – vor allem Unternehmen in Industrie und Handwerk oder Landwirte sollen davon profitieren und in rasendem Tempo Daten austauschen können. Kann 5G auch Privatleuten im Alltag helfen? Das soll der Test zeigen.

Wie schlägt sich 5G beim Download?

Der HAZ-5G-Test beginnt auf einem Parkplatz, in etwa 250 Metern Entfernung zum Mast. Laut Vodafone ist das die ideale Distanz. Einmal im Netz geht alles sehr schnell. Apps für den Alltagsgebrauch wie Google-Maps, Youtube oder Fahrpläne der Deutschen Bahn sind zwischen 30 bis 50 Megabyte groß. Während der Download im Vorgängernetz 4G (LTE) etwa eine Minute braucht, lädt der Nachfolger die Programme in einem Wimpernschlag – in ein bis zwei Sekunden ist der Download beendet.

Um einen Film in Full-HD-Auflösung mit acht Gigabyte herunterzuladen, dauerte das laut Vodafone bei 3G noch rund 30 Minuten. 4G schafft den Download in zehn Minuten. 5G braucht nur eine Minute und 20 Sekunden – also deutlich zügiger.

Fazit: Im alltäglichen Gebrauch von Apps und Streamingdiensten wird 5G vor keine Probleme gestellt. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass etwa Musikhören im Internet auch schon mit der bestehenden Technik LTE reibungslos funktioniert.

Geschwindigkeitstest: Der 5G-Vorgänger LTE schafft in Bennemühlen gerade einmal 18 Mbit pro Sekunde. Mit der neuen Technik sind es in Bennemühlen bis zu 220 Mbit. Quelle: Moritz Frankenberg

Wie schnell ist 5G?

Mit einem Programm von Google messen wir als nächstes die Übertragungsgeschwindigkeit – also wie viele Daten das Smartphone pro Sekunde herunterlädt. Das Ergebnis für 5G: Im Schnitt sind es rund 220 Mbit pro Sekunde. Das ist mehr als viermal so schnell, wie die DSL-Hausanschlüsse in Bennemühlen. Die empfangen bis zu 50 Mbit pro Sekunde. Ein zweites Testsmartphone, das mit LTE funktioniert, schafft an der selben Stelle maximal 20 Mbit.

Wie ist die Reichweite?

Wir probieren auch, wie weit der Empfang mit 5G reicht: Solange wir uns im Senderadius des Masts befinden, können wir ruckelfrei Videos auf Youtube schauen. Die Geschwindigkeit bleibt auch bei Ortswechseln innerhalb des Gebiets so hoch, dass keine Unterschiede zu spüren sind. Tatsächlich schaltet das Netz aber auf LTE um, nachdem wir den Radius von gut einem Kilometer verlassen haben.

Was ist 5G eigentlich?

Immer wieder fragen Passanten aus Bennemühlen, warum wir denn gleichzeitig mit mehreren Handys herumhantieren. Zunächst sind einige Versuche nötig, um zu erklären, was 5G überhaupt ist: In Zukunft soll der neue Standard für mobiles Internet nicht nur die Datenübertragung für Streamingdienste wie Spotify und Netflix beschleunigen.

Mobilfunk-Historie von 1G bis 5G

Handynetze mit analoger Sprachübertragung bezeichnet man rückblickend als die erste Generation oder 1G. Sie wurden in Deutschland bis Anfang der Neunzigerjahre genutzt. Mit GSM oder 2G wurde Sprache erstmals digital übertragen, was Störungen minimierte. Zu Beginn des Jahrtausends gingen Handys über GSM auch ins Internet, allerdings nur mit 55 Kilobit pro Sekunde.

Die Versteigerung der Frequenzen für das schnellere UMTS oder 3G brachte dem Fiskus im Jahr 2000 spektakuläre 100 Milliarden Mark ein. Aufgrund der Lizenzkosten bauten die Provider das Netz aber langsam aus und verlangten viel Geld für die Tarife.

Aktuell surfen die meisten Smartphone-Nutzer über 4G (LTE). Theoretisch sind Datenraten von einem Gigabit pro Sekunde möglich. In der Praxis erreicht man eher ein Zehntel, aber das ist immer noch schneller als an typischen DSL-Anschlüssen.

Vodafone aktivierte im Juli ein kommerzielles 5G-Netz. Auch die Telekom betreibt inzwischen entsprechende Antennen. Mitte Juni hatten vier Provider in Deutschland mehr als 6,5 Milliarden Euro für die Frequenzen der fünften Mobilfunkgeneration gezahlt.

In der Industrie sollen Maschinen in Echtzeit kommunizieren – damit könnten Roboterstraßen unterbrechungsfrei betrieben werden. Landwirte könnten 5G nutzen, um Daten von Drohnen oder Sensoren auf Anbauflächen reibungslos zu übertragen. In Fußballstadien sollen viele Tausend Menschen gleichzeitig schnell und zuverlässig surfen können. So soll 5G zur neuen Bundesligasaison in der Arena des VfL Wolfsburg verfügbar sein. Und auch für das vernetzte und autonome Fahren von Autos gilt 5G als Voraussetzung.

Bennemühlen ist bisher einer von nur 25 Standorten in ganz Deutschland, in denen 5G verfügbar ist. Quelle: Moritz Frankenberg

So viel kostet ein 5G-Handy

Doch zurück nach Bennemühlen: Was bringt 5G für die Einwohner von kleinen Dörfern? Scheinbar noch nichts. Denn wer 5G nutzen möchte, braucht ein entsprechendes Smartphone. Mit dem „Mate20 X 5G“ des chinesischen Herstellers Huawei ist bislang erst ein funktionierendes Gerät auf dem Markt. Und das ist nicht günstig: Die Telekom verlangt eine einmalige Zahlung von 119,95 Euro und lässt sich den Vertrag mit 56,95 Euro monatlich kosten.

Bei Vodafone wartet eine Einmalzahlung von 159,90 Euro und 59,99 Euro monatlichen Kosten für den „Red S“-Vertrag. Der Preis für beides variiert je nach Vertragsmodell. Wer bereits Kunde ist, kann 5G zu seinem Tarif hinzubuchen. Man kann sich 5G auch in die eigenen vier Wände zu holen, dafür wird ein entsprechender Router benötigt.

Vodafone hat einen bestehenden Mast mit neuen Zellen aufrüsten lassen, damit er in 5G funken kann. Quelle: Moritz Frankenberg

Anwohner fragen: „Was bringt das?“

„Ich glaube nicht, dass sich hier jemand ein neues Handy kauft, um das zu nutzen“, sagt eine Passantin auf dem Kioskparkplatz, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „An einigen Stellen in der Wedemark hat man überhaupt keine Verbindung“, sagt ein anderer. „Was bringt das dann in einem so kleinen Radius?“ Eine Seniorin gesteht: „Ich habe gar kein Handy.“

Ähnliches ist bei den im 5G-Radius ansässigen Unternehmen zu hören. Die Mitarbeiterin eines Autohauses habe erst vor ein paar Tagen vom neuen Mobilfunkstandard erfahren – von einem Kamerateam, das extra angereist war, um einen Beitrag über den modernen Sendemast zu drehen. Ob sie oder ihr Kollegen jemanden kennen, der sich ein 5G-Gerät angeschafft hat? Kopfschütteln. Und auch bei der Gemeinde Wedemark hat man erst mit der Einführung des neuen Standards davon erfahren.

Bisherige Nutzer: Vor allem Vodafone-Techniker

Derzeit ist Bennemühlen eine von zwei Pionierstationen in Niedersachsen. Wie in der Wedemark wird die neue Technologie auch in der Nähe von Leer unter Bedingungen im flachen Land getestet. Warum der Mast ausgerechnet in Bennemühlen aufgestellt wurde? Vodafone äußert sich dazu nicht im Detail. Andere stehen in den Bergen, an der Küste oder in der Stadt, um die geografischen Eigenheiten zu testen. Das Unternehmen will damit unterschiedliche Erfahrungen sammeln.

In der Wedemark nutzen bisher also vor allem die Vodafone-Techniker das neue Netz. Sie testen die Neigung der Antennen, die Reichweite und die Qualität. Die Mitarbeiter des Telekommunikationsunternehmens sind damit noch eine recht exklusive Gruppe von 5G-Empfängern. Die Anwohner zu beteiligen und vorübergehend entsprechende Smartphones zu verleihen, stehe nicht zur Debatte, heißt es bei Vodafone.

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Von Manuel Behrens

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