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Hannover „Cloudi und Smarten“: Zwei Kitas in Hannover testen den Einsatz von Tablets
Nachrichten Hannover „Cloudi und Smarten“: Zwei Kitas in Hannover testen den Einsatz von Tablets
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20:08 25.07.2019
Spielen mit dem Tablet: Kinder bauen durch Programmierbefehle mit digitalen Bauklötzen. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Hannover

Da ist der Papa, der schon dem Dreijährigen beim Spielen ein Video auf dem Handy zeigt. Oder die Mama, die der Vierjährigen statt Papier und Bleistift ein Malprogramm auf dem Tablet reicht. Spiele-Apps, Computerspiele, der Chat mit den Großeltern per Skype: Digitale Medien sind aus dem Alltag von Kleinkindern nicht mehr wegzudenken. Aber gehören sie auch in die Kita? Oder sollte die Kita nicht eher ein „Schutzraum“ sein, der Fähigkeiten aus analogen Zeiten fördert: mi Klötzchen bauen, mit der Schere schneiden oder draußen spielen?

Pilotkitas in Groß-Buchholz und Mittelfeld

Zwei neue digitale Kitas in Hannover sollen in einem städtischen Modellprojekt jetzt Antworten liefern. Das Projekt „Cloudi und Smarten“ ist auf vier Jahre angelegt. Pilot-Einrichtungen sind das städtische Familienzentrum Rote Kreuzstraße 23 a in Groß-Buchholz und das Familienzentrum des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) für inklusive Begabungsförderung in Mittelfeld. Praktisch alle Haushalte mit Kindern zwischen 3 und 19 Jahren verfügten heute über mindestens ein Mobiltelefon, nahezu jedes Kind habe dazu auch Zugang, argumentiert die Stadtverwaltung. Darüber hinaus kämen schon ganz kleine Kinder mit einer Vielzahl von digital steuerbaren Geräten in Berührung.

So funktioniert die digitale Kita

Die beiden Pilotkitas in Groß-Buchholz und Mittelfeld entwickeln in der ersten Projektphase ein Konzept für die digitale Kita. Dann folgen Schulungen, auch thematische Elternabende. Grundlage der pädagogischen Arbeit mit den Kindern ist der sogenannte Making-Ansatz, ein Lernprinzip, das unter anderem auf Mitmachwerkstätten und Aktivitäten mit digitalen Werkzeugen basiert. Die Aktivitäten der Kinder werden in der Regel von Erwachsenen angeregt und begleitet. Wissenschaftlich verfolgt und evaluiert wird das Projekt durch das Niedersächsische Institut für frühe Bildung und die Leibniz-Universität.

Die beiden digitalen Kitas können sich für die pädagogische Arbeit einen Medienkoffer im Wert von jeweils maximal 4195 Euro zusammenstellen: Inhalt können nach Angaben der Verwaltung beispielsweise mobile 3-D-Drucker, Laptops, Tablets, interaktive Whiteboards, Taschenbeamer oder programmierbare Roboter sein. Nach einer Qualifizierungsphase von zwei Jahren stellen die beiden Kitas ihre Erfahrungen anderen Einrichtungen als Konsultationskitas zur Verfügung. Finanziert wird das Projekt mit je 10050 Euro zu gleichen Teilen durch die Landesmedienanstalt Niedersachsen und den städtischen Fachbereich Jugend und Familie.

Medienkonsum für kleine Kinder ist umstritten

In immer mehr Haushalten gehörten Smarttoys wie intelligent reagierende Kuscheltiere oder Lerntablets für Kinder zum Alltag. Manche Eltern überwachten zudem schon Babys mit smarten Schnullern, die auch die Körpertemperatur messen, oder später mit GPS-Trackern, die die Kinder orteten. Eltern, aber auch Erzieher seien mit ganz neuen Fragen zum Schutz der Privatsphäre konfrontiert, wenn Kinder mit Überwachungs- und Kontrollfunktionen sozialisiert würden. Medienbildung sei folgerichtig für Kinder, aber auch Eltern und Erzieher eine der verbindlichen Aufgaben in Kindertagesstätten, heißt es vonseiten der Verwaltung, gerade weil die Möglichkeiten digitaler Medien und Technologien so vielfältig, aber gerade für Kinder unter sechs Jahren nicht unumstritten seien.

Tablets, Handys, Apps bestimmen den Alltag

Es sei sehr zeitgemäß, dieses Thema in die Kita zu bringen, sagt der jugendpolitische Sprecher der SPD, Christopher Finck. Eltern versuchten oft, Kinder so groß werden zu lassen wie sie selbst in ihrer Kindheit: in einer analogen Welt. Das könne im Prinzip aber nur scheitern, denn überall lauerten Tablets, Smartphones, Apps. „Es nutzt nichts, sich der digitalen Wirklichkeit zu entziehen“, sagt Finck, „es geht darum, einen produktiven Umgang damit zu finden.“ Wichtig sei jedoch, dass die digitalen Medien nicht Schwerpunkt, sondern begleitender Teil der Arbeit in der Kita blieben, schränkt der jugendpolitische Sprecher der CDU, Lars Pohl, ein. Die klassische Pädagogik, Bewegung, Interaktion in Gruppen, das gemeinsame Spiel, müsse weiter im Vordergrund stehen. Eltern müssten zudem beispielsweise weiterhin den entscheidenden Einfluss darauf haben, wann ihr Kind ein Smartphone bekomme. „Kinder sollen an das Thema herangeführt, aber nicht zu Medienabhängigen gemacht werden“, sagt Pohl.

Die Antwort auf Kinderfragen gibt meist Google

Carsten Prante, Geschäftsführer der Kinder- und Jugendhilfe GmbH des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Region Hannover, verweist darauf, dass Eltern, wenn Kinder sie etwas fragten, heute nicht mehr im Brockhaus, sondern bei Google nachschauten. Das sei in den Kindergärten wegen der oft unzureichendentechnischen Ausstattung nicht möglich. Tatsächlich gibt es in vielen Einrichtungen überhaupt nur einen Computer, und der steht im Büro der Kita-Leitung. Deshalb will das DRK ab Herbst in vier Kitas in der Region Tablets anschaffen, die die Erzieher dann gemeinsam mit den Kindern nutzen könnten. Frei zugänglich würden sie den Kindern aber nicht sein, wichtig sei, dass die Nutzung der neuen Medien pädagogisch begleitet werde, sagt Prante. Die Kita als Schutzraum vor Smartphone und Ipad? „Das braucht man nur, wenn die Kinder ansonsten ungeschützt den digitalen Medien ausgeliefert wären“. Und das liege ja meist in der Hand der Eltern.

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Von Jutta Rinas und Saskia Döhner

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