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Hannover Teresa Enke: „Es hat sich viel verändert“
Nachrichten Hannover Teresa Enke: „Es hat sich viel verändert“
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20:24 23.10.2019
„Das Beispiel im Kopf“: Teresa Enke und Mirko Slomka in der HDI-Arena. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

„Wir blicken in die Gesichter, wir sprechen mit den Spielern.“ Sagt 96-Trainer Mirko Slomka, und er sagt auch, dass er „das Beispiel im Kopf“ habe. Das Beispiel ist der Suizid des unter Depressionen leidenden Torhüters Robert Enke, der sich am 10. November zum zehnten Mal jährt. Wie zu solchen Anlässen üblich, wird im Vorfeld an die Ereignisse erinnert, es gibt öffentliche Veranstaltungen und mediale Aufbereitung. Und über all dem die immer wieder gestellte Frage: Hat sich etwas verändert im Milliardengeschäft Profifußball seit der öffentlichen Trauerfeier und den entsprechenden Willensbekundungen von höchster Stelle?

Einblicke in den Gemütszustand von Depressiven

Teresa Enke kann das heute bejahen. „Ich bin stolz darauf, was wir in diesen zehn Jahren geschafft haben“, sagt sie. Die Witwe des National- und 96-Torhüters und Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung ist am Mittwoch in die HDI-Arena gekommen, um unter anderem das Projekt „Impression Depression“ vorzustellen. Mittels einer Virtual-Reality-Brille und einer Bleiweste soll dabei der Gemütszustand von unter Depressionen leidenden Menschen annähernd nachvollziehbar gemacht werden.

„Es hat sich viel geändert. Wir haben ganz unerfahren angefangen, es war auch bei uns Bestandteil der Überforderung. Wir haben ein Netzwerk geschaffen, wir haben 70 Sportpsychiater in ganz Deutschland, wir betreiben Aufklärungsarbeit.“ Sie selbst habe auch bei Journalisten einen offeneren Umgang mit dem Thema bemerkt, sagt Teresa Enke. Es werde nicht mehr so „draufgehauen“ – zumindest, wenn sich ein Sportler zu der Krankheit bekenne. „Ich hoffe, dass irgendwann Depression im Fußball, in Unternehmen, in der Gesellschaft genauso behandelt wird wie ein Fußbruch. Das ist mein großes Ziel, und das war auch Robbies Ziel.“

Uli Hoeneß diskutiert im Aegi über Depressionen

Mit auf dem Podium sitzt auch Andreas Käckell vom NDR, der den Film „Robert Enke – Auch Helden haben Depressionen“ vorstellt, der am 10. November ausgestrahlt wird. Unter dem gleichen Titel gibt es bereits am 4. November eine – bereits ausverkaufte – Podiumsdiskussion im Theater am Aegi, an der auf Einladung der Enke-Stiftung unter anderem Bayern-Präsident Uli Hoeneß teilnimmt.

Slomka hatte kurz nach dem Tod Enkes 2010 die damals völlig verunsicherte 96-Mannschaft übernommen und binnen zwei Jahren nicht nur stabilisiert, sondern auch in die Europa League geführt. Heute spricht er von einem „Geflecht eines Hochglanzproduktes“, in dem Profifußballer sich befänden, er spricht von einer „anderen Ebene des Drucks“, die die sozialen Medien auf die Beteiligten ausübten, „und nicht jeder kann damit umgehen“.

Kein Sportpsychologe direkt bei der 96-Mannschaft

96 habe derzeit keinen Sportpsychologen direkt an der Mannschaft. „Ich würde es mir aber wünschen“, sagt Slomka. Es gebe Spieler, die über ihre Berater individuell den Kontakt zu Fachleuten suchten. „Viele wollen das nicht öffentlich machen, das ist nach wie vor ein großes Problem.“ Von einer Enttabuisierung des Themas, gegen die Teresa Enke und ihre Mitstreiter kämpfen, ist die Fußballbranche trotz aller Fortschritte noch ein weites Stück entfernt.

Im virtuellen Tunnel

Ein unaufgeräumter, halbdunkler Raum, eine Stimme spricht. Es geht um Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Angst, Zweifel. Aufmunternde Textnachrichten von Kollegen bleiben unbeantwortet. Dann sackt buchstäblich der Boden unter den Füßen weg – und mittels einer Virtual-Reality-Brille sitzt man nicht mehr in einer Wohnung, sondern blickt in einen düsteren Tunnel, in dem die Selbstzweifel immer stärker werden.

Natürlich kann das Projekt „Impression Depression“ nicht annähernd vermitteln, wie ein depressiver Mensch tatsächlich empfindet. Es soll inklusive einer zehn Kilo schweren Bleiweste lediglich Rahmenbedingungen aufzeigen, unter denen Menschen im Leistungssport oder im Alltag – je nach gewählter Szenerie – in ihr Leben blicken. Anfang der Woche hat Teresa Enke das Projekt mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin vorgestellt. „Es kann nur Facetten aufzeigen“, sagt sie.

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Von Uwe Janssen

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