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Hannover Wie die Thomas-Cook-Pleite die Silberhochzeit von Ehepaar Kollosky aus Hannover platzen ließ
Nachrichten Hannover Wie die Thomas-Cook-Pleite die Silberhochzeit von Ehepaar Kollosky aus Hannover platzen ließ
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20:09 24.10.2019
Drama einer geplatzten Reise mit Thomas Cook: Karsten Kollosky ist nach dem Jahresurlaub urlaubsreif. Quelle: Navid Bookani
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Hannover

Es sollte eine ganz besondere Reise sein, voller Überraschungen für seine Frau. Besonders ist der Jahresurlaub von Karsten Kollosky dann auch geworden, allerdings ganz besonders mies. Dem gestandenen Mann aus Hannover kommen jetzt noch die Tränen, wenn er an die Zeit auf den Kanaren denkt, die wegen der Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook zum Albtraum für seine gesamte Familie geworden ist – ein Albtraum, der auch Wochen nach der Landung noch anhält.

Auf Fuerteventura sind die Kolloskys im Hotel „Princess“ Stammgäste. „Wir fliegen da seit Jahren sehr gerne hin, man kennt uns, und wir fühlen uns wie zu Hause“, erzählt Kollosky. Diesmal sollte es nicht einfach nur Sonne, Sand und Meer werden: Die Kolloskys wollten Silberhochzeit feiern. „Die größte Überraschung für meine Frau war, dass an dem besonderen Tag unsere beiden erwachsenen Söhne einfliegen und plötzlich am Tisch sitzen sollten“, sagt der Familienvater. Er wusste, für seine Frau wäre dies das allergrößte Geschenk.

Gerüchteküche am Strand

Die Anreise am 21. September sei noch problemlos verlaufen, tags drauf habe es jedoch bereits Getuschel am Strand gegeben. „Das Unternehmen Thomas Cook und damit Teile von der Tochter Neckermann sollen pleite sein, das hat meine Frau auf ihrer Liege aufgeschnappt.“ Kollosky hat dem Strandklatsch keine Bedeutung beigemessen, „das konnten nur Fake News sein“. Trotzdem hat er in seinem Hotelzimmer ein bisschen im Internet gestöbert, „da lief das Thema schon rauf und runter.“ Am 25. September war es dann Fakt: Die Insolvenz bei Thomas Cook trifft auch die deutschen Tochterunternehmen.

„Wir sind schon ziemlich nervös geworden, konnten uns aber nicht vorstellen, einen bezahlten Urlaub nicht mit allen Leistungen bis zu Ende durchziehen zu können“, sagt Kollosky. Ein Irrtum, wie sich noch vor Mitternacht herausstellte, als dem Ehepaar ein Zettel unter der Zimmertür hindurchgeschoben wurde. In sehr ungelenkem Deutsch stand da, dass das Unternehmen Cook zahlungsunfähig sei und man die Gäste am nächsten Morgen an der Rezeption erwarte, wo die Rechnung für den Aufenthalt in Bar zu entrichten sei. „Natürlich habe ich den gesamten Reisepreis von rund 3000 Euro bereits im Voraus bezahlt“, betont der Hannoveraner. Und er habe nicht vorgehabt, doppelt zu berappen.

Nachricht im Hotelzimmer: Das Hotel will Geld von den Urlaubern sehen. Quelle: privat

Das haben Kollosky und rund 150 andere Gäste aus Deutschland am kommenden Morgen auch dem Hotelmanager erklärt. Das Hotel habe kein Geld erhalten und müsse daher abkassieren, habe der Hausherr argumentiert. „Ich habe aber keinen Vertrag mit dem Hotel, sondern mit dem Reiseveranstalter geschlossen“, betont Kollosky. Eine Reiseleitung sei nicht mehr ansprechbar gewesen, die sei gleich gekündigt worden. Tags darauf lag dann die zweite Nachricht des Hotels auf dem Bett der Eheleute: „Zweite Warnung – bitte sofort an der Rezeption melden zwecks Bezahlung.“

Aggressive Stimmung

Karsten Kollosky ist stur geblieben, wie viele andere Urlauber auch. „Einige haben sich einschüchtern lassen, das Hotel wollte nur Bargeld, Belege gab es auch nicht.“ Für Kollosky aber war am schlimmsten, dass mit der Cook-Pleite auch seine Silberhochzeits-Überraschung geplatzt war. „Das Reisebüro hat unseren Söhnen, die am 30. September nachkommen sollten, gesagt, dass der Flug nicht stattfinden werde. Bezahlt war er natürlich schon, und jetzt sollten sie für den Ausfall noch einmal zahlen.“

Die Tage ohne die Kinder im Hotel waren dann alles andere als gemütlich. „Wir haben unsere Wertsachen und Papiere immer bei uns getragen aus Angst, irgendwann nicht mehr aufs Zimmer zu dürfen.“ Die Stimmung sei miserabel gewesen, die Hotelanlage sei zu 95 Prozent mit Gästen belegt gewesen, die über Thomas Cook und Töchter gebucht hätten. „Eine vorzeitige Abreise auf eigene Kosten hätte noch einmal 800 Euro pro Person gekostet, das haben wir nicht eingesehen“, sagt der Hannoveraner.

Schlechte Stimmung und Aggressionen

Jeden Tag sei das Hotel leerer geworden, Bereiche wurden geschlossen, Mitarbeiter entlassen – ein Geisterhaus. „Es gab zwar noch Sonne und Strand, aber vor allem schlechte Stimmung und Aggressionen auf Seiten von Personal und Urlaubern“, so Kollosky. Der Hotelmanager habe plötzlich nur noch Spanisch gesprochen, Polizeikräfte seien angerückt, alle hätten Angst vor einer Eskalation gehabt. „Aber wir haben in der schwierigen Lage auch nette Leute kennengelernt.“ Ein Jurist habe sich als Sprecher der Gestrandeten angeboten und mit dem Konsulat Kontakt aufgenommen. „Dort hieß es: Bloß nicht bezahlen und durchhalten.“

Das haben die Kolloskys dann auch getan, ohne Feier, ohne Söhne und mit einem dauerhaft unguten Gefühl. „Eigentlich sind wir jetzt urlaubsreif.“ Der Transfer zum Flughafen hat noch einmal eine Stange Geld gekostet. Als der Flieger endlich Richtung Hannover gestartet war, haben die Eheleute zum ersten Mal richtig aufgeatmet. „Wenn der Manager von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht hätte, wären wir rausgeflogen und alles hätte noch mehr Geld gekostet.“

Teuer genug war die Reise in dem gehobenen Ressort ohnehin, genießen konnten die Kolloskys nichts. Die Familie bleibt zudem vermutlich auf den 2000 Euro für die Reisekosten der Söhne sitzen – obwohl die beiden gar nicht abgehoben sind.

Erstattung ist Glücksache

„Es ist von der Zurich Versicherung, die die Ansprüche von Cook-Kunden abwickelt, signalisiert worden, dass wir mit 20 Prozent Erstattung rechnen könnten – wenn es gut läuft.“ Karsten Kollosky glaubt da nicht mehr dran, und wenn, würde es Jahre dauern, bis Geld fließen könnte.

In Hannover haben die Kolloskys jetzt im Kreise der Familie ihre Silberhochzeit nachgefeiert. „Das war auch schön, aber es hätte eben alles anders laufen sollen“, betont der Ehemann. Er hat sehr viel Geld für sehr wenig Entspannung und Leistung ausgegeben, das schmerzt ihn neben der vermasselten Überraschung sehr.

„Wir fahren da wieder hin“

Eigentlich ist es ja schön in der Ferienanlage auf Fuerteventura: Die Kolloskys würden trotz allem gern wieder ihren nächsten Urlaub dort verbringen – wenn das Hotel wieder öffnet. Quelle: privat

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