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Hannover Neue Hühnerrasse: Beendet sie das Töten männlicher Küken?
Nachrichten Hannover Neue Hühnerrasse: Beendet sie das Töten männlicher Küken?
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00:20 28.03.2019
So sieht der Zweinutzungshahn aus. Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hannover

Der Name ist Programm: Zweinutzungshühner – so haben Forscher der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) die Tiere genannt, mit denen sie sich dreieinhalb Jahre intensiv beschäftigt haben. Diese Hühner haben eine zweifache Bestimmung: Die Hennen legen Eier, die Hähne werden gemästet und kommen schließlich in den Kochtopf oder die Bratpfanne. Ein nachhaltiger Trendwechsel im Hühnerstall: Denn noch werden männliche Küken meist nach dem Schlüpfen getötet, weil sie zu wenig Fleisch ansetzen würden und es daher keine Verwendung für sie gibt. 45 Millionen tote Küken sind es Jahr für Jahr in Deutschland.

Vorrangiges Ziel des vom Bund mit 1,8 Millionen Euro geförderten Projekts war es, Alternativen aufzuzeigen und auch den männlichen Küken aus Legehennenzuchtlinien ein längeres Leben zu ermöglichen. Dabei spielten wirtschaftliche Aspekte der Zuchtbetriebe ebenso eine Rolle wie die Sicht der Verbraucher. Aber auch bessere Haltungsbedingungen und eine gesündere Aufzucht standen im Fokus der Forscher. Rund 6000 Zweinutzungshühner haben die TiHo-Wissenschaftler auf dem Forschungsgut Ruthe von 2015 bis 2018 in ihre Untersuchungen einbezogen, hinzu kamen zum Vergleich Tiere konventioneller Züchtungen.

Zweinutzungshuhn steht im Fokus der TiHo

Für Studienleiterin Silke Rautenschlein steht fest: Die weiß gefiederten Zweinutzungshühner, die aus einer Zuchtlinie stammen, die manche Ökobauern bereits einsetzen, haben Potenzial. „Sie sind gesundheitlich stabiler“, erklärte die TiHo-Professorin am Montag bei einer Tagung in Ruthe. Die Tiere hätten weniger Infektionen gehabt, sodass weniger Medikamente nötig waren, sie seien im Stall deutlich weniger gestresst gewesen und hätten im Laufe des vorgegebenen Zyklus länger gelebt.

Allerdings wachsen die für die Mast vorgesehenen Zweinutzungshähne langsamer als etablierte Masthuhnrassen und müssen mit 63 bis 75 Tagen etwa doppelt so lange ihr Futter picken, bis sie das geeignete Schlachtgewicht von zwei Kilogramm auf die Waage bringen – so wird die Produktion teurer. Jede Legehenne aus der neuen Züchtung bringt es auf 250 bis 270 Eier jährlich, rund 50 weniger als die konventionelle „Konkurrenz“. Zudem sind die Eier in der Regel kleiner.

Noch werden Küken getötet

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) setzt sich dafür ein, das Töten männlicher Eintagsküken aus Legehennenlinien zu beenden. Allerdings sei ein Ausstieg noch nicht bis Ende 2018 möglich gewesen, heißt es aus dem Ministerium. Es laufen Projekte, um die Geschlechtsdifferenzierung bereits im Hühnerei zu testen und Eier mit männlichen Embryonen vorab auszusortieren. Der Einsatz solcher Geräte in Großbrütereien sollte Ende 2018 beginnen, verzögert sich aber. Das Schreddern von Küken ist in Niedersachsen seit Jahren nicht mehr zulässig. Das Töten nach Betäubung mit Kohlendioxid ist – als Übergangslösung – nur solange erlaubt, bis die Früherkennung im Ei oder das Zweinutzungshuhn praxistauglich sind. Dieses Vorgehen ist mit dem Tierschutzbeirat des Landes Niedersachsen abgestimmt. jk

Für Wiebke Icken, Mitarbeiterin des in Cuxhaven ansässigen, weltweit tätigen Unternehmens Lohmann Tierzucht, sind diese Ergebnisse problematisch. „Die Zweinutzungshühner bedeuten wirtschaftliche Verluste für die Betriebe“, sagte sie bei der Tagung. Nach mehrjährigen Vermarktungsversuchen stelle ihre Firma diese Züchtungen inzwischen fast nur noch für „Kleinstabnehmer“ und Forschungsprojekte zur Verfügung – so auch für die TiHo.

Verbraucher würden auch kleinere Eier kaufen

Rautenschlein zeigte sich mit dem Ergebnis einer deutschlandweiten Online-Befragung im Zuge der Studie zufrieden: Etwa ein Viertel der 1500 Befragten gab an, für die kleineren Eier auch mehr Geld zahlen zu wollen; etwa 16 Prozent erklärten, dass sie das Brustfleisch des Zweinutzungshahns kaufen würden. Dieser müsste aufgrund der Produktionskosten für etwa 14 Euro verkauft werden, während ein konventionelles Masthuhn einen Preis von 4 Euro habe, gibt Christian Sürie, Leiter des Forschungsguts Ruthe, zu bedenken. Entscheidend sei darum eine Vermarktungsstrategie, die das Tierwohl und die Nachhaltigkeit in den Vordergrund stelle. Rautenschlein kündigte an, in mögliche Folgeprojekte auch den Einzelhandel einzubeziehen –und für die neue Züchtung einen Namen zu suchen, der die Verbraucher mehr anspricht.

Professor Peter Kunzmann von der TiHo-Arbeitsgruppe Ethik hat indes einen spezifischen Konflikt ausgemacht: Zwar plädierten viele Menschen grundsätzlich für den Tierschutz, doch als Konsumenten im Supermarkt verhielten sie sich am Ende doch anders – und griffen zum billigeren Produkt.

Von Juliane Kaune

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