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Hannover Zähne zu lang: Kaninchen muss eingeschläfert werden
Nachrichten Hannover Zähne zu lang: Kaninchen muss eingeschläfert werden
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00:21 26.04.2019
Kaninchen Blacky musste eingeschläfert werden – die herausgewachsenen Schneidezähne haben ihn abmagern lassen. Quelle: Conrad von Meding
Hannover

Dass der Halter von den Qualen des Kaninchen Blacky nichts bemerkt hat, hält Tierärztin Karin Kaufmann-Jansen für unwahrscheinlich: Über Monate sind dem Zwergkaninchen die oberen Schneidezähne zentimeterlang aus dem Maul gewachsen, normale Futteraufnahme sei so nicht mehr möglich gewesen, sagte die Sachverständige vor Gericht. Weil der 39-jährige Halter auch auf Anordnungen des Veterinäramts, die Zähne schleifen zu lassen, über Wochen hinweg nicht reagierte, musste er sich jetzt im Strafprozess wegen Tierquälerei verantworten. Richter Burkhard Littger brummte ihm schließlich ein Strafgeld von 1200 Euro auf – zu zahlen an den Tierschutzverein.

Tierschützer aus Hannover haben den Kaninchenhalter angezeigt

Wirklich reumütig gab sich der angeklagte Straßenbauer vor Gericht nicht. Dem Tier seien die Zähne schon oft sehr lang gewachsen, das Problem habe sich dann aber immer wieder von selbst erledigt. Offenbar hatten ihn Tierschützer beim Tierschutzverein angezeigt – was ihn wundert: „Das Grundstück ist eigentlich nicht zugänglich.“ Doch weder die Ansprache durch Vereinsmitglieder noch ein Besuch des Veterinäramts brachten den Vater zweier Kinder zur Einsicht. Mehrfach habe man seinen Zusicherungen geglaubt, er wolle sich kümmern, sagt Kaufmann-Jansen. Als nichts passierte, habe man Strafanzeige erstattet.

Normales Futtern bei diesen Zähnen kaum möglich

Bei einer angeordneten Untersuchung stellte sich heraus, dass das Tier abgemagert war, von einer „beginnenden vollständigen Auszehrung“ der Fettreserven ist im Gutachten die Rede. Zwar hatte das Kaninchen Futter im Magen, doch Tierärztin Kaufmann-Jansen vermutet, dass ihm die Nahrung kleingeschnitten zugeführt wurde: Normales Futtern sei bei diesen Zähnen, die teils in die Oberlippe eingewachsen waren, kaum noch denkbar. Der Angeklagte sagt, er habe ihm stets frisches Grün und zum Kurzhalten der Zähne ein Kirschholz zugeführt. Die Sachverständige zweifelt an ordentlicher Ernährung: „Ich habe es ja in der Hand gehabt, es war sehr leicht.“ 1,76 Kilo wog das Tier am Ende, zwei bis drei Kilo wären normal gewesen. Es wurde eingeschläfert.

Weil der Halter zwar wegen etlicher Delikte wie Schwarzfahren oder Betrug vor Gericht stand, aber noch nicht wegen Tierquälerei, stimmte Antonina Hermann von der Staatsanwaltschaft schließlich der Einstellung des Verfahrens mit einer Geldauflage von 30 Tagessätzen zu.

Strafrichter Littger ist beim Amtsgericht für Verfahren um Tierquälerei zuständig. Er kann durchaus auch weniger milde urteilen. Im März verurteilte er einen 43-Jährigen, der einen Hund die Treppe heruntergetreten hat, zu 150 Tagessätzen. Anfang April musste sich ein Obdachloser verantworten, der in der Innenstadt eine Taube erwürgt hat –er muss 300 Euro abstottern.

Von Conrad von Meding

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