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Hannover Tod auf Limmerstraße: Staatsanwältin fordert knapp sechs Jahre Haft
Nachrichten Hannover Tod auf Limmerstraße: Staatsanwältin fordert knapp sechs Jahre Haft
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12:25 29.04.2019
Muharrem C. soll nun laut Staatsanwaltschaft nicht mehr wegen Totschlags, sondern nur noch wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesverletzung verurteilt werden. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Im Prozess gegen einen Radfahrer, der in der Limmerstraße im Streit einen Fußgänger mit Faustschlägen tötete, hat Staatsanwältin Kathrin Heuer am Montag vor dem Schwurgericht Hannover eine Haftstrafe von fünf Jahren und acht Monaten gefordert. Der 28-jährige Muharrem C. hatte zum Prozessauftakt die Tat gestanden und diese mit seiner Drogensucht und seiner angespannten persönlichen Situation erklärt. Die Staatsanwältin plädierte für eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge in einem minderschweren Fall, nicht wegen Totschlags wie ursprünglich angeklagt. Außerdem soll C. einen Teil der Haftstrafe bei einer Entziehungskur im Maßregelvollzug verbringen.

Streit wegen Lappalie

Der Radfahrer hatte am 8. Oktober 2018 einen 40 Jahre alten Fußgänger attackiert, nachdem dieser unvermittelt auf die Fahrbahn der Limmerstraße gelaufen war und C. zu einem Ausweichmanöver gezwungen hatte. Die beiden Männer gerieten in Streit, die verbale Auseinandersetzung endete mit gegenseitigen Schlägen. Schließlich führte C., der zwischen 2013 und 2015 in einer Kampfsportschule trainiert hatte, fünf wuchtige Fausthiebe gegen den Kopf von Ilja T. aus, einen Schlag davon auf das schon am Boden liegende Opfer. Der 40-Jährige starb drei Tage später aufgrund einer Hirnschwellung an einer zentralen Lähmung.

Laut der Anklagevertreterin musste der 28-Jährige den Tod seines Kontrahenten durchaus für möglich halten. Schließlich sei er in der Kampfsportschule darauf hingewiesen worden, die dort erlernten Techniken niemals auf der Straße anzuwenden. Allerdings sei es C. in der Limmerstraße eher darum gegangen, so Heuer, mit dem anderen „zu boxen wie ein Mann“ und diesen vielleicht auch erheblich zu verletzen, aber nicht darum, diesen umbringen zu wollen. Berücksichtigen müsse man bei der Bewertung der Tat zudem, dass auch das Opfer den Täter provoziert habe und dieser aus einer affektiven Erregung heraus zugeschlagen habe.

Tod in Kauf genommen?

Eine Verurteilung von C. wegen Totschlags forderte Harald Lemke-Küch, der Anwalt des Bruders des Getöteten. Der Angeklagte habe den Tod von Ilja T. durchaus billigend in Kauf genommen. Er habe sich im Anschluss an die Tat nicht um das Opfer gekümmert, auch später weder Reue oder Mitleid mit den Familienangehörigen von T. gezeigt. Sollte der 28-Jährige nur wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, treffe das nicht nur die Familie von T., sondern verletze auch das Rechtsempfinden der Öffentlichkeit.

Rechtsanwalt Fritz Willig vertritt die Eltern des Opfers, das gemeinsam mit seinem Bruder gewerbsmäßig Ferienwohnungen vermietete. Als Nebenklage-Vertreter wies Willig darauf hin, dass die Provokationen eindeutig von dem Angeklagten, nicht von T. ausgegangen seien – unabhängig davon, ob der Ältere tatsächlich gegen das Rad von C. getreten habe oder dessen Kopfhörer beim Herunterfallen beschädigt worden seien. Entscheidend sei, dass der Angeklagte als Kickboxer habe wissen müssen, dass seine Faustschläge tödliche Folgen haben können – spätestens, als er dem schon wehrlos am Boden liegenden 40-Jährigen einen weiteren mächtigen Schlag verpasste.

Arbeitstag absolviert

Zu Beginn des Verhandlungstages hatte der psychiatrische Sachverständige Prof. Here Folkerts erklärt, dass er eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit aufgrund von Cannabis- oder Kokainkonsum nicht völlig ausschließen könne. Allerdings gebe es auch keine Beweise, dass C. in der Limmerstraße tatsächlich in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sei; immerhin hatte dieser am Nachmittag des 8. Oktober bereits einen Arbeitstag in seiner Firma absolviert. Aufgrund des langjährigen Drogenkonsums von C. hielt der Gutachter eine Unterbringung des Angeklagten im Maßregelvollzug aber durchaus für sinnvoll.

Die Plädoyers der Verteidiger des 28-Jährigen folgen am Dienstag. An diesem Tag möchte das Schwurgericht unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch auch das Urteil verkünden.

Von Michael Zgoll

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