Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Das Rammstein-Gefühl
Nachrichten Hannover Das Rammstein-Gefühl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 27.06.2019
Heiße Sache: Florian Arp (r.) mit Feuerengel. Quelle: Thomas
Hannover

Neun Jahre kein Album, als Live-Künstler nicht gerade Akkordarbeiter – da werden Bands normalerweise vergessen. Nicht so bei Rammstein. Das Berliner Sextett macht sich rar, versteht es aber wie keine zweite Band, durch Abwesenheit und immer wieder mal kryptische Andeutungen den Mythos nähren. Das Konzert in der hannoverschen HDI-Arena am 2. Juli war wie die anderen Konzerte der aktuellen Tournee quasi binnen Minuten ausverkauft.

„Wir sind auch Fans“

Die Praxisarbeit dieser geheimnisvollen Heldenwolke übernehmen eine ganze Reihe von sogenannten Tribute-Bands. Sie versuchen, so gut, wie es geht, das Rammstein-Konzertgefühl zu erzeugen. Die sechs Herren von Feuerengel, neben Völkerball und Stahlzeit die bekanntesten Vertreter dieser Gattung, spielten bereits im hannoverschen Capitol, sie füllen das Hamburger Docks mehrfach und werden auch jenseits der Grenzen wie just in Holland gebucht. Der skurrilste Auftritt fand 2005 in Berlin statt, in den Katakomben des Olympiastadions spielte die Band auf einer Party. Interessierte Beobachter: die Rammstein-Musiker. Das Original schaut den Kopisten zu – und spendet Applaus. Wenn das kein Ritterschlag ist für die Band, die ihre Basis im Kreis Rothenburg/Wümme hat, mittlerweile seit 20 Jahren existiert und aus dem Hobby nie einen Beruf gemacht hat. „Wir sind auch Fans“, sagt Gitarrist Florian Arp, der im richtigen Leben Fotograf in Hannover ist und auf der Bühne den Part von Richard Kruspe übernimmt.

Ein Rocktheater mit Schall und Rauch

Es ist ein anspruchsvolles Hobby. Denn wer Rammstein spiegeln will, der hat es deutlich schwerer als Covertruppen von Status Quo oder AC/DC, wo vor allem Musik gemacht wird. Rammstein ist ein Rocktheater, eine Mischung aus Konzert, Comic und Pyroshow, eine Inszenierung wagnerianischen Ausmaßes, kurz: Rammstein ist eine höchst präsente Form von Schall und Rauch.

Wenn man da mithalten will, muss man aufrüsten. Gitarrist Arp formuliert es so: „Man muss schon aufpassen, wo man auf der Bühne steht.“ Denn der Bandname ist kein leeres Versprechen, auch bei Feuerengel ist der Boden mit Spezialeffekten gepflastert. Neben Ton- und Lichttechnikern gehört auch ein Feuerwerksexperte zur Crew. Flammensäulen sind Standard, bei Open-Airs können sie schon mal acht Meter in die Höhe züngeln, in einer Halle eher die Hälfte, damit die Bude hinterher noch steht. „Eigentlich ist das absolut sicher“, sagt der Gitarrist. „Aber zur Not gibt es den Notaus-Knopf.“

„Wir sind keine Schauspieler“

Billig ist das alles nicht, aber alles soll dem Original so nah wie möglich sein. Trotzdem sagt Arp. „Wir sind keine Schauspieler. Wir bringen auch unsere Note rein, wir sprechen von der Bühne aus mit den Fans.“ Und zwar egal, ob diese nun wegen Feuerengel oder Rammstein da sind. Denn der entscheidende Vorteil ist: Zwischen Anhängern und Tribute-Bands entsteht ein Kontakt, der Draht ist das gemeinsame Fansein. Das fällt bei Rammstein aus, was angesichts der Dimensionen kein Wunder ist. Statt 40.000 Fans sind es bei den Niedersachsen auch mal 400. Und für zwei Stunden Show einmal quer durch die Republik und dann am nächsten Tag zurück, weil die Arbeit ruft – da muss man auch manchmal stark sein. Aber es sind Fans. Und es gibt wohl in diesem Fall keine erfüllendere Form des Götzendiensts, als vom fachkundigen Publikum für die Hits der gemeinsamen Helden bejubelt zu werden.

Das Programm: Die großen Hits

Klar ist aber auch: keine eigenen Songs. Nicht der Illusion hingeben, als eigeninitiative Künstler wahrgenommen zu werden. Der Auftrag ist eindeutig. „Die Leute wollen die Hits von Rammstein hören“, sagt Arp, „manchmal kramen wir auch eine B-Seite raus. Aber das ist selten.“ Lieber will das Publikum zu Songs wie „Sonne“, „Engel“, „Du hast“ oder „Du riechst so gut“ die Köpfe schütteln. Oder zu „Deutschland“, dem ersten veröffentlichten Song des neuen Albums, das im April erschienen ist. „Als wir es angespielt haben, fingen die Leute an zu jubeln“, sagt der Gitarrist fast erleichtert. Denn Sonderbehandlung gibt es trotz der Begegnung im Jahr 2005 nicht. Die Feuerengel kaufen die Musik, hören ihre Parts raus, lernen sie. Sie schauen die Shows, entweder auf Youtube oder bei den seltenen Live-Gigs und versuchen Kostüme, Bühnendetails und Effekte nachzubauen. Gerade gibt es wieder Futter. Arp ist beim Konzert am 2. Juli in Hannover. Auf Einladung der Band? „Ne, ich habe morgens beim Vorverkaufsstart am Rechner gesessen und gebetet, dass ich Karten für Hannover bekomme.“

Mehr zu Feuerengel: www.feuerengel.de Nächster Gig in der Nähe: 31. August beim Heidebeben in Ebstorf.

Lesen Sie auch

Anreise, Parkplätze, ÖPNV und mehr: So kommen Sie zum Rammstein-Konzert in Hannover

Von Uwe Janssen

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die jüngsten Querelen rund um die Kulturhauptstadtbewerbung sind beigelegt, der Kulturetat ist beschlossen. Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf über finanzielle Spielräume, Hannovers Aussichten auf den Titel und die Vorfreude auf die nächste Präsentation.

27.06.2019

Grünen-Ratsherr Daniel Gardemin hat einen Streit über Hannovers traditionellen Schützenausmarsch ausgelöst. Auf Facebook bezeichnete er das Schützenwesen als „Ort der Rechten“ und zog eine Verbindung zum rechtsterroristischen Mord an Walter Lübcke. Andere Politiker zeigten sich fassungslos.

30.06.2019

Der Streit um den Finanzplan für Hannovers Kulturhauptstadtbewerbung ist nun endgültig beigelegt. Der Rat hat am Donnerstag sowohl dem Budget für das Kulturhauptstadtprogramm über 80 Millionen Euro zugestimmt, als auch einem Anstieg des städtischen Kulturetats um jährlich 1,5 Prozent.

30.06.2019