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Hannover „Nichts ist besser geworden“: Der Weißekreuzplatz bleibt ein Ärgernis
Nachrichten Hannover „Nichts ist besser geworden“: Der Weißekreuzplatz bleibt ein Ärgernis
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00:18 15.06.2019
Trinkerszene am Weißekreuzplatz: Sobald der erste Supermarkt öffnet, fließt der Alkohol. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Es ist kurz nach 9 Uhr morgens am Weißekreuzplatz in der Oststadt. Ein dürrer Mann, zotteliger Bart und abgewetzte Kleidung, kriecht aus seinem Schlafsack auf dem Rasen und schlurft in Richtung öffentlicher Toilette am Nordende. „Na, wenigstens pinkelt er nicht gegen einen Baum“, sagt Erkan Degirmenci, der das Geschehen zwischen Pavillon und Lister Meile von seinem Kiosk aus fast immer im Blick hat. „Wenn die Toilette besetzt ist, machen die das.“ Die, damit meint er die Trinkerszene am Weißekreuzplatz, überwiegend Männer.

„Nichts ist besser geworden“, sagt er. Anwohner beschweren sich schon lange über Trinkergruppen, die sich hier versammeln, über den Lärm und Dreck und Kot in den Büschen. Auf dem Weißekreuzplatz ist es sonnig und hübsch, Rosenstöcke und Bäume säumen den Rasen. Schöne Oststadt-Häuser drumherum. Man kann den Trinkern ihre Platzwahl kaum verübeln.

Es gibt einen Regelkatalog für den Platz

Doch das tun die Nachbarn, und das kann man andererseits ihnen nicht verübeln. Nach etlichen Runden hatten sich Anwohner, Geschäftsleute und Stadt im vergangenen Jahr auf einen Regelkatalog für die Nutzung des Platzes geeinigt – lautstarke Musik und Ruhestörungen sollten unterbleiben, der Müll auf dem Platz endlich eingedämmt werden. Selbstverständlichkeiten im menschlichen Miteinander eigentlich. Die Regeln sollten fortan aber auch kontrolliert werden. Große Hoffnungen setzten die Anwohner darum in den neuen Ordnungsdienst der Stadt.

Gewohntes Bild am Weißekreuzplatz: Trinker auf den Bänken unter den Rosenstöcken. Quelle: Samantha Franson (Archiv)

Doch wirklich besser sei es nur vorübergehend gewesen, sagt Degirmenci. Als der Ordnungsdienst seine Arbeit aufnahm und in der kälteren Jahreszeit. Jetzt, wo das Wetter wieder schöner ist, geht der Ärger von Neuem los. „Das fängt schon morgens um 7.30 Uhr an, wenn der Penny-Markt öffnet.“ Dann besorgten sich die ersten ihren Alkohol und begännen zu trinken, sagt er. Auch an diesem Morgen sitzen mehrere Männer mit Flaschen in der Hand in kleinen Gruppen auf den Bänken in der Sonne. Einige liegen noch in Schlafsäcken auf dem Rasen.

Die Stadt gelobt Besserung

Die Stadt weiß das und teilt die Einschätzung der Anlieger. Leider fielen einige „unangenehm durch Ruhestörungen, Verunreinigung des Platzes und Verrichten der Notdurft außerhalb der vorhandenen Toilettenanlage“ auf. Der Ordnungsdienst sei täglich vor Ort und erteile notfalls Platzverweise, sagt ein Sprecher. Er verspricht: Der Ordnungsdienst werde „die Kontrollen an den kommenden wärmeren Tagen weiter intensivieren und deutlich machen, dass eine Nutzung des Platzes nur unter Einhaltung der Regeln geduldet wird“.

Dabei gibt es neuerdings sogar Schilder mit Bildern zu den Regeln, aber „auch die Schilder bringen nichts“, stellt Kioskbetreiber Degirmenci fest. Er meint damit Tafeln mit erklärenden Piktogrammen, die seit April am Platz aufgestellt wurden. Nicht alle der Trinker beherrschen Deutsch, darum sollen die Bilder eine klare Sprache sprechen. Geändert hat sich trotzdem wenig.

Dirk Tinius und Marco Brinkmann vom städtischen Ordnungsdienst und Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kupsch (von links) mit einem der neuen Schilder auf dem Weißekreuzplatz. Quelle: Clemens Heidrich

Ein Alkoholverbot gibt es am Weißekreuzplatz nicht, obgleich sich die Anwohner dafür stark gemacht hatten. Holger Jongen ist ohnehin enttäuscht vom Ergebnis der Bürgerbeteiligung. „Wir haben drei Jahre lang mit sämtlichen Institutionen zusammengesessen, und fast alle unsere Vorschläge wurden abgelehnt.“ Zum Beispiel, einen Kinderspielplatz zu bauen – Trinken wäre damit automatisch verboten. So aber, sagt Jongen, habe sich nichts geändert, „auch durch den Ordnungsdienst nicht“.

„Das sind aggressive Leute“

An diesem Morgen verhalten sich die Trinker ruhig. Noch, sagt Kioskbesitzer Degirmenci. Mit jeder Stunde und mit steigendem Alkoholpegel werde es lauter. Bis 22 Uhr haben die Ordnungskräfte der Stadt beruhigende Wirkung – doch wenn sie Feierabend machen, „dann geht es los“. Laute Musik, bierselige Diskussionen, Streit. Nachts, wenn er in seiner Wohnung ist, sagt Degirmenci, sei es fast so laut, als wäre er mitten unter den Trinkern. Aber auf den Weißekreuzplatz selbst mag er sich nicht mehr setzen. „Das sind aggressive Leute.“

Von Karl Doeleke

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