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Hannover Herbst im August? Bäume in Hannover werfen schon jetzt ihre Blätter ab
Nachrichten Hannover Herbst im August? Bäume in Hannover werfen schon jetzt ihre Blätter ab
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11:56 07.08.2019
„Anfang August habe ich das noch nie erlebt“: Vielerorts sind Straßen und Wege mit Laub übersäht (hier Hans- Böckler- Allee). Quelle: Franson
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Hannover

Es ist ein irritierender Anblick. Unter den Linden in der Hans-Böckler-Allee hat sich ein dichter Teppich verdörrter brauner Blätter gebildet. Laubabwurf wie im Herbst, meint HAZ-Leserin Christa Wilpers, die die herbstliche Allee gleich im Bild festgehalten hat. Ganz ähnlich sieht es in der Herrenhäuser Allee aus, am Altenbekener Damm und in vielen Gärten. Wo man auch hinblickt: Hannovers Bäume leiden unter Hitzestress und Dürre. Und manche Arten wehren sich als letztes Mittel, indem sie ihre Blätter vorzeitig abwerfen.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha schickt sogar bereits Straßenreiniger mit Laubpustern los. Sie sammeln etwa 40 bis 60 Kubikmeter Laub pro Tag ein. In regenreicheren Sommern wie im Jahr 2017 kommen nur 5 bis 10 Kubikmeter zusammen.

Herbst im Sommer im Kleingartenverein Bischhofshol. Quelle: FRANSON

Apfelbäume werfen Laub und Früchte ab

„Bereits Ende Juli, Anfang August habe ich das noch nie erlebt“, betont Kleingärtner Michael Stöckel, der das Laub unter seinen Apfelbäumen zusammenharkt. Auch die Äpfel sind zu früh zu schnell gewachsen. „Sie fallen wegen der Trockenheit runter“, bedauert Stöckel.

Im Kleingartenverein Bischofshole macht es sich deutlich bemerkbar, dass der Grundwasserspiegel gesunken ist. Auch Oberflächenwasser gebe es kaum. Der 60-Jährige gießt Bohnen, Zwiebeln, Kartoffeln, Salat und Radieschen auf seiner Parzelle an warmen Tagen jetzt sogar zweimal. Die Bäume spart er aber aus. „Sie müssen sich selbst das restliche Wasser aus dem Boden holen. Beim Wässern verflüchtigt sich zu viel.“

„Bereits Ende Juli, Anfang August habe ich das noch nie erlebt“: Kleingärtner Michael Stöckel. Quelle: Franson

Im Schrebergarten von Petra Harloff hat der Pflaumenbaum fast alle Blätter verloren, auch die Trauerweide verliert ihr Laub. „Das ist schon extrem früh und auch beunruhigend“, meint die 59-Jährige aus der Südstadt. Britta Wiese wundert sich beim Spaziergang am Maschsee über das trockene Laub. „Das ist schade. Der Klimawandel macht sich bemerkbar.“ Die 50-Jährige glaubt jedoch, dass auch verdichtete Bebauung und die Versiegelung des Bodens ihren Anteil haben. „Das Wasser kann gar nicht mehr richtig in den Boden eindringen.“

Der Regen der vergangenen Tage hat zwar ein wenig Erleichterung gebracht. Aber das kann die Verluste durch Hitze und Regenmangel nicht ausgleichen. „Die trockenen Böden erlauben kein schnelles Versickern. Deshalb fließt das meiste Wasser oberflächlich ab“, erklärt Stadtsprecherin Michaela Steigerwald. Wichtig wäre ein anhaltender, gleichmäßiger Landregen ohne nennenswerten Wind.

Im Winter fiel zu wenig Regen

„Die Straßenbäume haben ein Problem, weil der vergangene Winter zu wenig Wasser gebracht hat. Sie leben eigentlich von den Winterniederschlägen“, sagt Gerd Wach von Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hannover. Dazu kam der trockene Sommer 2018, der dieses Jahr eine Fortsetzung erlebt.

Dass der Grundwasserspiegel stark gesunken ist, sieht Wach, selbst Kleingärtner, beim Blick in den Brunnen. Die Bäume verdursten regelrecht, erklärt der Umweltexperte. Als Notfallmaßnahme werfen sie Blätter ab, damit kein Wasser über die Blattoberflächen mehr verdunstet. „Die meisten Bäume verlieren aber nicht gleich alle Blätter. Die Frage ist nun, ob sie sich wieder erholen.“

Hufen auf Herbstlaub: Emily (13 Jahre) mit Pflegepferd "Shorty" beim Ausritt in der Tiefenriede. Quelle: Franson

Besonders die Hainbuchen im Stadtgebiet machen Gerd Wach Sorgen. Als heimische Bäume sollten sie eigentlich gut angepasst sein. „Es ist auffällig, dass sie voller Früchte hängen. Das ist ein Zeichen, dass es den Bäumen schlecht geht.“ Denn unter normalen Bedingungen vermehren die Großpflanzen sich meist über Wurzeln. Wach hat außerdem einige Rosskastanien entdeckt, die offenbar absterben. „Sie sind durch die Miniermotten vorgeschädigt. Bisher hatten sie das gut weggesteckt“, berichtet der Bund-Fachmann. Nun wird die Doppelbelastung den Bäumen zu viel.

Straßenbäume leiden besonders stark

Auch in der Eilenriede sind die Grundwasservorräte nahezu verbraucht. Die meisten Gräben in Hannovers Stadtwald sind ausgetrocknet. Darunter leiden Buchen und Eichen. Die Bedingungen für die rund 50.000 Straßenbäume in Hannover sind allerdings besonders schlecht, denn sie stehen an Stellen, an denen die Flächen über den Wurzeln zum Großteil versiegelt sind. Wasser kann dort nur schlecht versickern und der Wurzelraum in der Erde ist beschränkt.

Deshalb versorgt der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün vor allem junge Bäume an den Straßen und in den Grünanlagen mit Wasser. Sie bekommen einmal in der Woche zusätzlich 150 und 200 Liter Wasser, weil ihre Wurzeln noch nicht weit genug ausgebildet sind. Bei extremer Trockenheit wie diesen Sommer werden die Jungbäume oft sogar zweimal pro Woche gewässert. Die Mitarbeiter greifen dafür auf Grundwasserbrunnen auf ihren Werkhöfen zurück.

Anwohner zum Gießen eingeladen

Aktuell bekommen rund 1100 Bäume im ersten bis dritten Standjahr zusätzlich Wasser. Auf Grund der Trockenheit versuchen die Grünflächenmitarbeiter außerdem, rund tausend Bäume im vierten und fünften Jahr zu wässern.

„Die Straßenbäume brauchen jetzt generell Wasser“, sagt Bund-Mann Wach. Deshalb sei es gut, wenn sich Anwohner um Bäume in der Nachbarschaft kümmern. Er rät dazu, jeden Tag 20 bis 30 Liter direkt an die Wurzeln zu gießen. Gerd Wach denkt jedoch bereits weiter. Er wünscht sich, dass die Stadt vorausschauend mehr Wasser speichert als bisher und dazu Rückhaltebecken anlegt. „Wir werden in Zukunft mehr Starkregen haben. Dieses Wasser darf nicht einfach so verschwinden.“

Von Bärbel Hilbig

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