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Hannover Aufpolierte grüne Stadtbahnen: So lässt die Üstra die alten Wagen herrichten
Nachrichten Hannover Aufpolierte grüne Stadtbahnen: So lässt die Üstra die alten Wagen herrichten
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14:38 09.06.2019
Viele Bahn-Fans lassen sich eine Probefahrt mit der frisch aufpolierten grünen Stadtbahn nicht entgehen. Quelle: Andreas Schinkel
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Hannover

Besonders stolz ist der ältere Herr im hellbraunen Anzug auf die Sitze. „Sie gehören zu den bequemsten, die man in öffentlichen Verkehrsmitteln finden kann“, sagt Herbert Lindinger. Der Designprofessor weiß, wovon er spricht, schließlich hat er den Zug entworfen, in dem er gerade fährt. Anfang der siebziger Jahre war das, und jetzt rumpeln die grünen Stadtbahnen noch immer durch Hannover. „Das hätte ich auch nicht für möglich gehalten“, sagt Lindinger. Da fühle er sich noch älter, sagt der 85-Jährige.

Bahn-Fans knipsen jedes Detail

Frisch aufpoliert sind die Oldtimer jetzt. Ein renoviertes Exemplar können die Hannover an den beiden Pfingsttagen testen. Von 10 bis 18 Uhr geht die Rundfahrt alle 20 Minuten von der Haltestelle ZOB/Hauptbahnhof bis zum Goetheplatz und zurück.

Glänzt wie neu: In den kommenden Jahren sollen insgesamt 40 Wagen des Typs TW 6000 rundumerneuert werden. Quelle: Tim Schaarschmidt

Tatsächlich lassen sich Bahnfans die Gelegenheit nicht entgehen. Mit Teleobjektiven lichten sie jedes Detail im Innenraum ab. Viel hat sich jedoch nicht verändert. Der Schmutz in den Ecken ist weg. Wände, Decken und Sitze sind frisch lackiert. In Fensterrahmen und Türen wurden neue Dichtungen eingezogen. Man hat den Eindruck, das typische Gerumpel der grünen Bahnen ist etwas leiser geworden.

„Mein Herz schlägt für die grünen Stadtbahnen“, sagt Bahn-Fan Daniel Schmeling. Er sei mit den Zügen groß geworden, und sie seien noch immer deutlich bequemer als die anderen Modelle der Üstra. „Insbesondere in den neuesten Zügen sitzt man beengt“, sagt Schmeling.

Sitzpolster wurden anfangs beschädigt

So etwas hört der Entwickler des Zugs gern. „Die Sitze sind dreidimensional geformt und daher so bequem“, sagt Lindinger. Dennoch will er nicht verhehlen, dass es anfangs Probleme mit den Sitzen gab. Die Polsterung bestand zunächst aus einem gummiartigen Schaum. Fahrgäste seien auf die Idee gekommen, kleine Stücke aus dem Polster herauszuschneiden, erzählt der Designprofessor. Daraufhin habe er sich entschieden, die Sitzauflage aus hartem Kunststoff herzustellen.

Präsentieren die überarbeiteten Bahnen: Üstra-Vorstandsvorsitzender Dr. Volkhardt Klöppner, Vorstand Betrieb und Personal Denise Hain und Designprofessor Herbert Lindinger. Quelle: Tim Schaarschmidt

Bahn-Fan Frank Herrmann kann sich noch an die ganz alten Stadtbahnen erinnern. Die mit den rundlichen Formen und der beigen Lackierung. Inzwischen findet er die Silberpfeile, das zweitneueste Modell der Üstra, am komfortabelsten. „Die Sitze sind bequem, anders als im neuesten Modell“, sagt er.

Designprofessor sollte frische Farbe in die Stadt bringen

Alle Modelle überdauern wird vermutlich die Farbe – das charakteristische Üstra-Grün. Auch sie stammt aus der Feder von Designprofessor Lindinger. „Ich hatte Ende der sechsziger Jahre einen Brief an die Stadt Hannover geschrieben und darauf hingewiesen, dass Hannover ein eher tristes Stadtbild abgibt“, erzählt Lindinger. Damals habe er noch in Ulm gelehrt. Zwei Jahre später bekam er einen Ruf an die Uni Hannover. Der damalige Oberstadtdirektor Martin Neuffer habe ihn beim Wort genommen und gebeten, mehr Farbe in die Stadt zu bringen und den Stadtbahnen einen neuen Anstrich zu geben. Nach langer Suche hat Lindinger seine Farbe ausgerechnet beim Mobilitätskonkurrenten Opel gefunden. Das kräftige Lindgrün mancher Automodelle gefiel ihm so gut, dass er damit Hannovers Bahnen ausstattete.

Von Andreas Schinkel

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