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Hannover Wie eine Frau aus Hannover seit 40 Jahren nach Ufos sucht
Nachrichten Hannover Wie eine Frau aus Hannover seit 40 Jahren nach Ufos sucht
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00:18 27.06.2019
Ruth Bäger leitet die Ufo-Studiengruppe Hannover. Quelle: Manuel Behrens
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Hannover

Sollten morgen Außerirdische auf die Erde kommen, dann hofft Ruth Bäger, dass es die Neuankömmlinge mit den Menschen besser meinen als die Aliens in Roland Emmerichs Weltuntergangsszenario „Independence Day“. Im Film legen die Ankömmlinge binnen kürzester Zeit sämtliche Weltmetropolen von ihren Raumschiffen aus in Schutt und Asche. „Kann sein, dass es so passiert“, sagt Bäger. „Wenn es hoch entwickelte Außerirdische gibt, ist es nicht zwangsläufig so, dass sie uns gegenüber positiv sind.“ Science Fiction findet Bäger allerdings „langweilig“. Die Rentnerin hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, nach Ufos zu forschen – und sie meint es ernst. Egal, was andere sagen. Dieses Jahr feiert sie ihr 40. Jubiläum als Leiterin der Gruppe, die sich seit den Fünfzigerjahren einmal im Monat im Lister Turm trifft.

Bäger ist 72 – und sie ist wohl eine der letzten ihrer Art: Außer in Hannover gibt es deutschlandweit keine Ufo-Gruppe mehr. Zumindest keine, die sich in der analogen Welt trifft. Die Hobbyforscher sind vielfach in die unendlichen Weiten des Internets ausgewandert, wo sie die Suche nach Beweisen in Foren, sozialen Netzwerken oder Blogs fortsetzen. Wie lange es die hannoversche Gruppe noch geben wird, ist unklar: „Gerade sehe ich niemanden, der das in meinem Sinne weiterführen könnte“, sagt Bäger.

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So weit ist es aber noch nicht. Und so organisiert die Seniorin weiter Treffen mit Gleichgesinnten. Dann studieren sie gemeinsam Zeitschriften und Bücher, regelmäßig halten Autoren Vorträge – etwa über das Wirken von Außerirdischen in der Vorgeschichte. „Prä-Astronautik im alten Israel“ heißt eine dieser Veranstaltungen. Für seinen Vortrag ist der Autor und Parawissenschaftler Hartwig Hausdorf aus dem Süden Bayerns angereist, um vor rund 25 Zuhörern Fotos von antiken Stätten zu zeigen. Hausdorf hat 30 Bücher geschrieben mit Titeln wie „Ufo-Begegnungen der tödlichen Art: Verstrahlte und verbrannte Augenzeugen“ oder „Todesflüge von Piloten; die grausamen Übergriffe der Außerirdischen“. Für Hausdorfs Vortrag in Hannover nimmt Ruth Bäger 5 Euro Eintritt pro Person. Die Einnahmen gehen an den Referenten. Der Vortrag wirkt wie ein Urlaubsbericht mit Mystery-Einschlag. Seine Fotos zeigt Hausdorf auf einem Diaprojektor, der mittlerweile ebenfalls ein antikes Alter erreicht hat.

Die Faszination am Unerklärlichen

Und auch Bägers Materialsammlung scheint aus der Zeit gefallen: In mehreren Ordnern hat sie Berichte über Ufo-Sichtungen und Fernsehdokumentationen gesammelt, auch Magazine wie die „Ufo-Nachrichten“ befinden sich darin – nebst dem Austausch mit anderen Ufologen. Bäger arbeitet komplett ohne Anschluss ans Internet: „Auf vielen Seiten sind mir zu viele Weltverschwörungstheoretiker“, sagt sie. Dazu kommen jede Menge verfälschter Bilder von Ufo-Sichtungen und – wie sie zugibt – eigenes technisches Unvermögen.

Ruth Bäger leitet seit 40 Jahren die Ufo-Studiengruppe, sie hat auch Zeitungsartikel über sich gesammelt. Quelle: Manuel Behrens

Geht es nach Ruth Bäger, soll Ufologie in Zukunft nicht mehr belächelt, sondern eine anerkannte Wissenschaft werden. Was Ufologen rund um den Globus fehlt: Beweise. Hinweise auf Sichtungen von Ufos, Raumschiffen oder den berühmten fliegenden Untertassen gibt es seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Die US-Air-Force etwa stellte ab 1947 im Project Sign Untersuchungen über Hunderte von nicht identifizierten Flugobjekten an. In den meisten Fällen gab es eine ganz normale Erklärung, andere Sichtungen wurden als glaubwürdig eingestuft und nie geklärt. Der Roswell-Zwischenfall von 1947, bei dem angeblich ein unbekanntes Flugobjekt samt Insassen nahe der US-Kleinstadt abgestürzt war, oder die Ufo-Welle über Belgien, als Tausende Menschen zwischen 1989 und 1992 unerklärliche Objekte am Himmel sahen, sind nur zwei Beispiele für die große Faszination am Unerklärlichen.

Wer derartigen Grenzwissenschaften mit einem solchen Eifer, wie Bäger ihn an Tag legt, nachgeht, hat es nicht immer leicht: „Freunde und Kollegen hatten viele Vorurteile. Und ich bekam natürlich auch viele Sprüche zu hören“, sagt Bäger. Bevor sie als kaufmännische Assistentin in Rente ging, leitete sie die Ufo-Studiengruppe – aber unter einem anderen Namen.

Ein Ufo über dem Weserbergland?

Bäger berichtet auch von einem eigenen Erlebnis im März 1967: Sie war damals gerade 20 Jahre alt und arbeitete in der Kleinstadt Dassel im Weserbergland. „Ich schaute aus dem Bürofenster und sah über einem Berg am hellblauen Himmel ein matt-silbernes Objekt in Form eines Dreiecks stehend“, erzählt sie. Knapp drei Stunden habe es über dem Berg gestanden – und gemeinsam mit einem Kollegen habe sie beobachtet, wie das Objekt schließlich zu einem Punkt wurde und verschwand. Bäger erinnert sich noch, was sie damals gesagt haben will: „Das war kein Flugobjekt der Erde. Das war aus dem Weltall. Und wenn wir ein normales Lebensalter erreichen, werden wir mit denen Kontakt haben, die das fliegen.” Dazu ist es bisher nicht gekommen, mehr als 50 Jahre sind vergangen. Doch die 72-Jährige hat die Hoffnung nicht verloren, doch noch eines Tages handfeste Beweise präsentieren zu können.

„Matt silber“: Ruth Bäger hat gezeichnet, wie das Ufo, dass sie 1967 beobachtet haben will, aussah. Quelle: Manuel Behrens

Ufo-Forscher aus aller Welt treffen sich in Hannover

Die hannoversche Ufo-Studiengruppe wurde bereits 1955 vom Ehepaar Veit gegründet. Im selben Jahr hatte sich kurz zuvor der deutschlandweite Dachverband Ufo/Ifo zusammengetan, aus dem in mehreren Großstädten Ableger entstanden. Streng wissenschaftlich ist die Bezeichnung Studiengruppe allerdings nicht, da es kein klassisches oder anerkanntes Studium in diesem Bereich gibt. Ufologie gehört zu den sogenannten Protowissenschaften: Gebiete, die sich in einem vorwissenschaftlichen Stadium befinden.

Familie Veit holte früh Menschen aus aller Welt nach Hannover, die davon berichteten, Kontakt mit Ufos oder Außerirdischen gehabt zu haben. Außerdem organisierten sie Kongresse mit bis zu Tausend Besuchern, die es auch noch heute gibt: Am 26. Oktober treffen sich Ufologen aus aller Welt zu einem Kongress im Maritim Airport Hotel am Flughafen in Langenhagen.

Von Manuel Behrens