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Hannover Heißt die Hindenburgstraße bald Loebensteinstraße?
Nachrichten Hannover Heißt die Hindenburgstraße bald Loebensteinstraße?
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00:16 09.06.2019
Die Umbenennung der Hindenburgstraße bleibt umstritten. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Die geplante Umbenennung der Hindenburgstraße erregt weiter die Gemüter – das zeigt die rege Teilnahme an einer Anwohnerbefragung zu möglichen Straßennamen. 549 Namensvorschläge und Meinungen hat die Stadtverwaltung insgesamt eingesammelt. Mehr als die Hälfte der Befragten (298 Personen) hält am alten Namen fest. 251 Ideen für einen anderen Straßennamen sind im Rathaus eingegangen. Noch wertet die Stadt die Vorschläge aus, doch schon jetzt zeichnen sich Favoriten ab.

Erste Favoriten: „Am Zoo“ und „An der Eilenriede“

Die Tendenz geht nach Angaben der Stadt in Richtung neutrale Straßenbezeichnung, etwa „Am Zoo“, „Zum Zoo“ sowie „An der Eilenriede“ und „Eilenriedeallee“. Aber auch Personennamen bringen Anwohner ins Gespräch, etwa Gertrud von Hindenburg, die Ehefrau des derzeitigen Namensgebers Paul von Hindenburg. Damit würde sich am Straßenschild voraussichtlich nichts ändern. Genannt wurde auch der Name der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg.

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Idee mit prominenter Unterstützung: Loebensteinstraße

Die Debatte um einen neuen Namen für die Hindenburgstraße beschäftigt auch Menschen, die nicht in der Straße wohnen. „Ich habe einen eigenen Vorschlag bei der Stadt eingereicht“, sagt die Hannoveranerin Yvonne Dannull. Sie plädiert für das jüdische Mädchen Lotte-Lore Loebenstein als Namensgeberin. Unterstützung bekommt Dannull von der Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf.

Loebenstein lebte Anfang der Dreißigerjahre in der Hindenburgstraße Nummer 34, bis sie im August 1937 zusammen mit ihren Eltern vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam floh. Im Mai 1943 wurde die Familie Loebenstein ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und ermordet. Lotte-Lore wurde zehn Jahre alt.

Der wissenschaftliche Beirat der Stadt hat empfohlen, der nach ihm benannten Straße einen neuen Namen zu geben: Paul von Hindenburg Quelle: AP

Anwohner dürfen abstimmen, Bezirksrat entscheidet

Der Bezirksrat Mitte hatte im August vergangenen Jahres mehrheitlich auf Antrag der SPD beschlossen, dass die Hindenburgstraße einen anderen Namen tragen soll. Grundlage für den Beschluss war ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats der Stadt, der Hannovers Straßennamen systematisch unter die Lupe nimmt. Der Beirat empfahl, die Hindenburgstraße umzubenennen. Der Beschluss des Bezirksrats rief in der Anwohnerschaft heftigen Protest hervor. Eine Bürgerinitiative bildete sich und warb dafür, den Namen Hindenburg zu behalten.

Die Stadt wird demnächst eine Liste mit sieben möglichen Straßennamen erstellen, basierend auf den Ideen der Anwohner. Im nächsten Schritt werden die Bewohner der Hindenburgstraße erneut angeschrieben und dürfen aus der Liste ihren Favoriten wählen. Das Ergebnis der Abstimmung wird dem Bezirksrat vorgestellt. Für welchen Namen sich das Gremium entscheidet, liegt in seinem eigenen Ermessen. Das Ergebnis der Befragung ist nicht bindend.

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Von Andreas Schinkel