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Hannover Kein einziges Roma-Kind hat einen Platz in der Kita
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00:18 28.04.2019
Florentina hat durch den Umzug in die neue Unterkunft ihre Cousine Elena wieder gefunden. Quelle: Villegas
Hannover

Zumindest Florentina strahlt. Die freundliche Zwölfjährige ist erst diese Woche mit ihren Eltern und sechs Geschwistern von der Obdachlosenunterkunft im Burgweg 5 in die List gezogen. Die kurzfristige Umsiedlung von insgesamt neun Romafamilien in die neue Unterkunft an der Podbielskistraße steht aus vielerlei Gründen in der Kritik.

Doch Florentina fühlt sich vom ersten Tag an wohl. Sie hat ihre Cousine Elena wiedergefunden, mit der sie schon in Rumänien Haustür an Haustür lebte. „Alle meine Freundinnen wohnen hier“, verkündet Florentina zufrieden. Und: Ihre Familie, die zuvor im Burgweg in einem Raum lebte, hat nun viel mehr Platz. „Ich kann allein in meinem Zimmer schlafen“, berichtet das Mädchen, das bisher auf die Integrierte Gesamtschule Stöcken geht. Ob sie an der IGS bleiben kann, weiß Florentina noch nicht. „Jetzt wechseln wir vielleicht die Schule.“ 

Anwohnerin Eva Maria Hahn plaudert mit Kindern in der Obdachlosenunterkunft an der Podbielskistraße. Quelle: Villegas

Der Betreiber der Unterkunft, die Firma Living Quarter, hat Donnerstag Nachbarn zum Kaffee im Freien eingeladen. Heimleiterin Annette Meyer will Vorbehalten schnell begegnen, den Nachbarschaftstreff will sie künftig jeden letzten Donnerstag im Monat anbieten. Rund um Wohnanlage, die erst im Januar eröffnete, spielen Kinder. Nur ein knappes Dutzend Anwohner schlagen den Weg zur Kaffeetafel im Innenhof ein. Eva Maria Hahn findet sich plötzlich auf einer Bank neben einigen quirligen Jungs wieder, reicht den Kindern lächelnd Teller mit Schokokeksen an und plaudert freundlich.

Dennoch ärgert die Listerin sich über die Stadtverwaltung. „Es war beim Tag der offenen Tür nie die Rede davon, dass noch einmal so viele Roma dazukommen.“ Sie hätte den Verantwortlichen gerne Fragen gestellt, doch die sind beim Treffen nicht dabei. Auch die 68 Roma aus dem Burgweg fehlen größtenteils. Die Familien sind noch mit dem Umzug beschäftigt, noch längst nicht alle sind eingezogen. Als Heimleiterin Annette Meyer die Einladung für die Nachbarn festlegte, ahnte sie noch nichts von der Einquartierung der neuen Bewohner.

Nachbarn fragen nach Sauberkeit

Bisher leben 10 Erwachsene und 23 Kinder an der Podbi, die zuvor unter schlechten Bedingungen an der Alten Peiner Heerstraße wohnten. „Katastrophe dort, Kakerlaken“, sagt der 13-jährige Nikolai auf der Suche nach Worten. Sein Vater Cezar Stan ist sehr froh über die neue Lebenssituation. Er zeigt Fotos auf dem Smartphone, die ihn beim Putzen zeigen. Stan hat Arbeit in einer Kirchengemeinde gefunden, freut sich, dass seine Kinder zur Schule gehen.

Manche Nachbarn treibt die Frage um, ob mit Müll und Verwahrlosung im Umfeld der Unterkunft zu rechnen ist. Heide und Diethard Schulz sind nach dem Besuch entspannt. „Am Burgweg sah es schlimm aus. Aber hier haben wir einen guten Eindruck. Wenn die Leute sich vernünftig benehmen, warum nicht.“ An der Podbi gelten strengere Regeln als am Burgweg. Besuch ist nur von 10 bis 18 Uhr erlaubt, Übernachtungen von Gästen gar nicht. Heimleiterin Annette Meyer akzeptiert nur kleine Teppiche, die in eine Waschmaschine passen. „Hier können keine Teppiche über dem Zaun hängen, das würde die Nachbarn stören.“ Die bisherigen Bewohner akzeptieren das klaglos, sie halten auch die Anlage sauber.

Kein Romakind hat einen Kitaplatz bekommen

Allerdings machen sich die Anwohner Sorgen, wie es mit der Integration klappen kann, wenn viele Roma-Kinder sich in wenigen Schulen konzentrieren. Aus dem Burgweg kommen 18 Erwachsene und 50 Kinder dazu. „Die Schulen hätten sofort Sozialarbeiter bekommen müssen. Da sind Kultusministerium und Stadt gefragt“, kritisiert Meyer. Ein Großteil der Jungen und Mädchen ist jedoch noch gar nicht schulpflichtig – und das birgt ein neues Problem.

In der Unterkunft laufen gleich mehrere Angebote zur Vorbereitung auf die Schulzeit und zur Betreuung der kleineren Kinder. Aus der Not heraus, denn Meyer hat bisher für kein einziges Romakind in ihrer Unterkunft einen Kitaplatz bekommen können. Für die Integration sei das denkbar schlecht, sagt Nachbarin Sabine Hedderich. „Die Kita-Phase ist die Zeit, in der alle Familien Verbindungen knüpfen und die Kinder sich vorurteilsfrei kennenlernen.“ Hedderich ärgert sich richtiggehend. „Wenn jede Kita hier im Umkreis ein Kind aufnehmen würde, wäre schon was geschafft.“

Von Bärbel Hilbig

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