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Nachrichten Hannover Zu Gast in Hannover: Der Besuch der Affenretterin
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21:40 12.08.2019
Drillexpertin Liza Gadsby beim Zoobesuch in der Themenwelt Afi Mountain. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Das Drill-Männchen in der Themenwelt Afi Mountain im Zoo lässt Liza Gadsby zunächst ein wenig warten. Dann aber stromert es, angelockt von Apfelschnitzen, doch zu der Scheibe, vor der die 60-jährige Biologin wartet. Es kommt zu Blickkontakten und einem Foto.

Hätte der Affenmann eine Ahnung davon, wer sein Gegenüber ist, hätte er sich beflissener gezeigt. Man weiß es nicht hundertprozentig, aber ohne die gebürtige Amerikanerin und ihren Partner Peter Jenkins würde es seine Artgenossen in freier Wildbahn vermutlich nicht mehr geben. Die beiden leiten die Pandrillus-Foundation in den echten Afi Mountains in Nigeria, die Schutzstationen für die Tiere eingerichtet hat.

Markenzeichen: Gefärbtes Hinterteil

Drills mit ihrem markantem Kopf, dem mächtigen Oberkörper und dem rot-bläulich gefärbten Hinterteil gehören neben den ebenfalls bedrohten Schimpansen und Gorillas zu den drei großen Affenarten Afrikas, erregen aber international weniger Aufmerksamkeit. „Sie sind den Menschen nicht so ähnlich, das ist der Grund“, sagt Gadsby. Die Biologin wiederum kann sich nicht nur für die Tiere an sich begeistern, sondern auch für die Art, in der sie in Horden zusammenleben. „Die Gemeinschaft ist gut organisiert und sehr diszipliniert“, findet sie.

Wilderei und verlorener Lebensraum bedrohen die Affen

Das hat die Drills jedoch nicht davor bewahrt, in ihrem Stammgebiet, das in den westafrikanischen Ländern Nigeria und Kamerun liegt und von der Fläche her kleiner ist als die Schweiz, von der Ausrottung bedroht zu sein. „Vielleicht sind es noch 3000 von ihnen, vielleicht auch weniger“, sagt Gadsby. Der Grund liegt wie bei so vielen Tierarten in der Zerstörung des Lebensraums, dem Regenwald. Dazu kommt der leider immer noch nicht versiegte Appetit der Einheimischen und mancher Menschen außerhalb Afrikas auf Bushmeat, also dem Fleisch wilder Tiere, und die damit verbundene Wilderei.

Drills leben in einem westafrikanischen Gebiet, das kleiner ist als die Schweiz Quelle: Haase

In den Zoos stehen die Drills, was Verbreitung und Beliebtheit angeht, ebenfalls etwas im Schatten der Schimpansen und Gorillas. Für Hannover gilt dies nicht, ganz im Gegenteil: Der Tierpark in der Eilenriede spielt zusammen mit weiteren deutschen Zoos eine weltweit führende Rolle in diesem Segment. Außerhalb Deutschlands gibt es die Affenart nach Angaben von Kathrin Paulsen, Vorsitzende des Vereins „Rettet den Drill“, nur noch in wenigen europäischen Tierparks sowie in je einem in den USA und Japan.

Früher große Zuchterfolge, aktuell Flaute

„Dass gerade Deutschland dem Drill so viel Aufmerksamkeit gewährt, hängt vermutlich damit zusammen, dass Kamerun deutsche Kolonie war“, sagt Paulsen. Aktenkundig ist, dass der erste Drill 1904 nach Hannover kam. Gezüchtet werden sie dort seit 1962, und zwar mit durchschlagendem Erfolg. „Von den aktuell rund 100 Drills in den Zoos weltweit sind 70 gebürtige Hannoveraner“, erklärt Paulsen.

Zum Leidwesen des Zoos herrscht allerdings aktuell beim Drill-Männchen und seinen zwei Gefährtinnen eine Fruchtbarkeitskrise, obwohl sich die Rahmenbedingungen in der im August 2017 eröffneten Themenwelt Afi Mountain im Vergleich zur trostlosen vorherigen Unterkunft im Tropenhaus spürbar verbessert haben. „Es könnte am Alter der Tiere liegen“, vermutet Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff.

Neuzugänge kommen im Herbst

Noch im Herbst soll deshalb Auffrischung in Form von vier bis fünf Drills aus anderen Tierparks her, die nach Hannover umziehen. „Wir haben es eilig, weil auch Tiere aus England kommen sollen und wir Ärger durch den Brexit vermeiden wollen“, sagt Casdorff. Ein Männchen wird unter den Zugängen sein, was aber laut Casdorff keine Probleme bereiten wird: „Bei den Drills gibt es nicht nur den einen Chef auf dem Affenhügel“.

Katrin Paulsen vom Verein „Rettet den Drill“, Zack Schwenneker und Liza Gadsby von der Pandrillus-Foundation und Zoo-Geschäftsführer Andeas Casdorff (von links) bei der Scheckübergabe. Quelle: Tim Schaarschmidt

Für Liza Gadsby war es der erste Besuch an der Eilenriede seit 1998. „Es ist faszinierend, was sich seitdem getan hat“, befand sie. Es war allerdings nicht nur eine Besichtigungstour. Casdorff überreichte ihr einen Spendenscheck in Höhe von 5000 Euro – bei weitem nicht das erste Mal, dass der Zoo und der Verein „Rettet den Drill“ die Pandrillus-Foundation unterstützen. Hannover fühlt sich diesen speziellen Tieren eben traditionell verbunden.

So wurden Gadsby und Jenkins zu Drill-Schützern

Im Jahr 1988 brachen die gebürtige Amerikanerin Liza Gadsby und ihr Partner Peter Jenkins von Großbritannien aus auf, um im Süden Afrikas über Schimpansen zu forschen. „Wir sind dort nie angekommen“, sagt die Biologin. Der Grund: Auf der Reise sahen sie auf einem Markt in Calabar im Süden Nigerias ein verwaistes junges Drillweibchen, das als Haustier zum Verkauf angeboten wurde. Die beiden erwarben es, und damit begann die Geschichte der Drillrettung.

Gadsby und Jenkins blieben in Nigeria, gründeten die Pandrillus-Foundation und bauten im Laufe der Jahre drei Schutzstationen auf. Dort kamen verwaiste oder beschlagnahmte Drills unter, die zu Sozialverbänden zusammengefügt wurden. Heute leben 700 Drills in dem Gebiet an den Afi Mountains – 25 Prozent der weltweiten Gesamtpopulation. Einheimische, unter ihnen frühere Wilderer, arbeiten als Pfleger, Fahrer, Gärtner oder Tierarzt.

Zuletzt gab es Rückschläge. 2013 zerstörte eine Schlammlawine Teile des Gebiets, 2017 wütete ein Tropensturm. Die nigerianische Regierung hat vor vier Jahren die finanzielle Unterstützung eingestellt. 2018 stürzte ein riesiger Tropenbaum auf das Stationsgebäude. Die Pandrillus-Foundation ist deshalb dankbar für Spenden. Mit den aktuellen 5000 Euro aus Hannover will sie einen Geländewagen kaufen – einen gebrauchten. Die acht Fahrzeuge im Bestand sind sämtlich kaputt.

Von Bernd Haase

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