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Hannover 10 Millionen Euro abgezweigt? Anklage gegen Ex-ASB-Geschäftsführer
Nachrichten Hannover 10 Millionen Euro abgezweigt? Anklage gegen Ex-ASB-Geschäftsführer
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17:21 30.07.2019
Der ehemalige ASB-Geschäftsführer soll mit fünf Komplizen 10,2 Millionen Euro veruntreut haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage gegen sie erhoben. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Hannover erhoben. Dem 46-Jährigen und fünf weiteren Beschuldigten werden Untreue, Betrug und Bestechung in besonders schwerem Fall zur Last gelegt. Sie sollen während der Flüchtlingskrise zwischen Januar 2016 und März 2017 Rechnungen gefälscht haben. Insgesamt geht es demnach um 26 Fälle mit einem Gesamtschaden von 10,2 Millionen Euro. Der Ex-Geschäftsführer befindet sich seit Februar in Untersuchungshaft.

Laut Oliver Eisenhauer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, sind zusätzlich zum früheren Geschäftsführer zwei ehemalige ASB-Fachbereichsleiter angeklagt, die Ehefrau eines dieser Assistenten sowie der Inhaber einer Sicherheitsfirma aus Rehburg Loccum (Landkreis Nienburg) und ein Berater des Unternehmens.

Scheinrechnungen abgerechnet?

„Wir freuen uns sehr, dass wir dieses komplexe Verfahren jetzt zum Abschluss bringen konnten“, sagt Eisenhauer. „Den Beschuldigten werden drei Tatkomplexe zur Last gelegt.“ In zehn Fällen sollen der Ex-ASB-Geschäftsführer und der Firmeninhaber Scheinrechnungen über 3,4 Millionen Euro mit der Landesaufnahmebehörde abgerechnet haben, „ohne dass tatsächliche Leistungen erbracht wurden“, sagt Eisenhauer.

Millionenbeträge auf schwarzen Konten

Darüber hinaus wird dem Ex-ASB-Geschäftsführer vorgeworfen, 6,7 Millionen Euro von korrekt erbrachten Leistungen auf ein Schwarzkonto umgeleitet zu haben. „Weitere 140.000 Euro sollen auf das Konto der beschuldigten Ehefrau gegangen sein“, sagt Eisenhauer. Darüber hinaus ist die Staatsanwaltschaft der Überzeugung, dass der Geschäftsführer private Klaviertransporte und den Kauf einer privaten Küche über den ASB abgerechnet hat. „Hier geht es aber nur um ein paar Tausend Euro“, sagt Eisenhauer.

Die Beschuldigten hatten offenbar die Wirren der Flüchtlingskrise ausgenutzt, als zu Spitzenzeiten rund 2000 Schutzsuchende täglich nach Niedersachsen kamen. Damals zahlte das Land jede Rechnung, erst im Nachhinein sollte alles überprüft werden. Allein zwischen September 2015 und Oktober 2016 flossen relativ unkontrolliert mehr als 100 Millionen Euro an die Hilfsorganisationen, damit die Menschen schnellstmöglich untergebracht werden konnten. Die falschen Abrechnungen sollen für den Betrieb und die Absicherung von zehn Flüchtlingsunterkünften des ASB Hannover ausgestellt worden sein.

ASB-Betrug laut Ministerium ein Einzelfall

„Ein geordnetes Verwaltungshandeln“ sei damals „nur bedingt möglich“ gewesen, urteilte der Landesrechnungshof in einem späteren Bericht. Die Johanniter erwirtschafteten damals einen Gewinn in Höhe von 8,5 Millionen Euro, die Malteser 3,5 Millionen und das Deutsche Rote Kreuz 2,3 Millionen. Das Geld soll in den nächsten Jahren in den Katastrophenschutz fließen. Das Landesinnenministerium teilt jedoch mit, dass es sich beim ASB-Betrug um einen Einzelfall handle. Nach Bekanntwerden des Skandals kündigte die Hilfsorganisation an, ihre Kontrollmechanismen zu optimieren.

Auf die Spur der Angeklagten kamen die Strafverfolger durch eine Kontrolle bei der Sicherheitsfirma. „Bei einer Betriebsprüfung gab es Ungereimtheiten“, sagt Eisenhauer. „Die Zahl der Beschäftigten passte nicht zur Höhe der erbrachten Arbeitsstunden.“ Darüber hinaus habe es mehrere Geldwäsche-Hinweise durch Banken gegeben, weil immer wieder große Bargeldbeträge abgehoben wurden – darunter einmal 1,3 Millionen Euro. Zwar hätten die Beschuldigten laut Eisenhauer zudem „durchaus geschickt agiert“ und nicht eine größere Summe eingezahlt, allerdings seien auch die Stückelungen auffällig gewesen.

3,6 Millionen Euro ins Ausland transferiert

Von dem Geld sollen der ehemalige ASB-Geschäftsführer und einer seiner Assistenten 1,2 Millionen Euro für den Aufbau eines Krankentransportunternehmens samt Grundstück und Fuhrpark in Bad Münder investiert haben. Doch die Firma meldete bereits im Mai 2019 Insolvenz an, weshalb das Geld nun beim Insovenzverwalter liegt. Weitere 3,6 Millionen Euro soll der Ex-ASB-Geschäftsführer auf ein Firmenkonto im Libanon transferiert haben, so seine familiären Wurzeln liegen. Im Rahmen der Untersuchungen beschlagnahmten die Strafverfolger bei den Beschuldigten fünf Immobilien, fünf Fahrzeuge, eine Rolex-Uhr und 170.000 Euro in bar.

Die Anklage ist der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hildesheim zugestellt worden, die für solche Fälle zuständig ist. Einen Termin für den Prozessbeginn gibt es noch nicht.

Die Geschichte des ASB

Die Wurzeln des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) liegen im Jahr 1884. In Berlin gibt es damals einen schweren Unfall, bei dem drei Zimmerleute ums Leben kamen. Als Folge organisieren zwei Ärzte 1885 den ersten Erste-Hilfe-Kurs, daraus entsteht drei Jahre später der Verein „Lehrkursus der Berliner Arbeiter zur Ersten-Hilfe bei Unglücksfällen“. Er ist der Ursprung des späteren ASB, der seit 1909 seinen heutigen Namen trägt.

Der ASB Hannover entsteht 1910 und ist die erste Samariter-Kolonne auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens. 1926, als sich der Typhus in der Stadt ausbreitet, organisieren 56 Samariter Krankentransporte mit Autos und mehreren fahrbaren Tragen. 128 Helfer engagieren sich auf zwei Typhusstationen und in drei Schulen. Heute hat der ASB Hannover 8500 Mitglieder. Hinzu kommen mehr als 130 Samariter, die haupt- und nebenberuflich überwiegend im Rettungsdienst aktiv sind.

1933 beginnt mit der Machtübernahme Hitlers ein dunkles ASB-Kapitel. Er stellt die Hilfsorganisation unter nationalsozialistische Leitung, Standorte werden aufgelöst und Mitglieder mundtot gemacht. Noch im selben Jahr wird der ASB aufgelöst und das Eigentum vor allem ins Deutsche Rote Kreuz überführt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs entschließen sich ehemalige ASB-Angehörige, die Hilfsorganisation in Westdeutschland neu zu gründen. Hauptsitz wurde ab 1952 zunächst Hannover, erst 1965 wechselte die Zentrale nach Köln. In der sowjetisch besetzten Zone wurde eine Neugründung allerdings unterdrückt, sodass der ASB auch zu DDR-Zeiten im Osten nicht existierte. Erst nach dem Mauerfall entsteht 1990 wieder ein bundesweiter Arbeiter-Samariter-Bund.

Von Peer Hellerling

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