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Hannover Urteil: 15 Meter hohe Linde darf nicht gefällt werden
Nachrichten Hannover Urteil: 15 Meter hohe Linde darf nicht gefällt werden
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07:00 17.09.2019
Muss nicht gefällt werden: Die rund 15 Meter hohe Linde vor einem Mehrfamilienhaus an der Rudolfstraße in Hannover-Wettbergen. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Ist eine 15 Meter hohe Linde, deren Wurzeln auf der Suche nach Wasser möglicherweise unter das Fundament eines Mehrfamilienhauses in Hannover-Wettbergen gewachsen sind, allein Schuld daran, dass sich der Giebel des Gebäudes abgesenkt hat? Mit dieser Frage musste sich am Montag das Verwaltungsgericht Hannover befassen.

Geklagt hatte der Spar- und Bauverein, dem das Mehrfamilienhaus gehört. Er wollte von der Stadt eine Ausnahmegenehmigung erhalten, um die Linde fällen zu können. Die Verwaltung verweigerte diese Genehmigung, weil aus Sicht der Stadt nicht ausreichend geklärt ist, dass tatsächlich allein die Baumwurzeln den Schaden verursacht haben.

Betroffenes Gebäude steht direkt auf einer Tonschicht

Die Risse in der Fassade des Gebäudes und die leichte Absenkung des Giebels waren im Sommer 2018 entdeckt worden, als die Temperaturen regelmäßig die 30 Grad Marke überschritten und die Böden sehr trocken waren. Nach der Ablehnung der Stadt, die Linde fällen zu dürfen, schaltete der Spar- und Bauverein einen Gutachter ein. Der Experte kam zu dem eindeutigen Schluss, dass nur der Baum, der in etwa 3,50 Metern Abstand von dem Gebäude steht, die Schäden verursacht haben können. „Das Gebäude steht direkt auf einer Tonschicht, die Wurzeln des Baumes entziehen dem Boden unter der Schicht Wasser, sodass sich der Baugrund absenkt“, erklärte der Gutachter vor dem Verwaltungsgericht. Die Linde müsse deswegen gefällt werden.

Schäden durch Arbeiten am Haus?

Die Stadt vertritt eine andere Auffassung. In Zeiten des Klimawandels senke sich der Grundwasserspiegel, insbesondere in heißen Sommer, von alleine ab. Das könne zu einer Absenkung des Baugrundes geführt haben. Zudem seien an dem Gebäude mehrere Kellerzugänge neu gestaltet worden und ein Regenwasserschacht sei ebenfalls gebaut worden. „Es ist nicht auszuschließen, dass diese Arbeiten zu der Absenkung des Giebels geführt haben“, sagte die Vertreterin der Stadt. Der Baum müsse auch deswegen stehen bleiben, weil er ja durch die CO2-Produktion zum Klimaschutz beitrage und die Blätter der Linde den Boden beschatten und so vor Austrocknung schützen würden.

Richter: „Baum soll regelmäßig gegossen werden.“

Die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts versuchte im Verlauf der Verhandlung, einen Kompromiss herbeizuführen. Ob man nicht eine Wand, eine sogenannte Wurzelsperre, in den Boden vor dem Gebäude einziehen könne, damit die Wasserversorgung an dieser Stelle des Baumes gekappt werde, schlug Verwaltungsrichter Andreas Kleine-Trebbe vor. Zu kostspielig und möglicherweise zu gefährlich für die Linde, lautete die Antwort von Rechtsanwalt Martin Berkemeier, der den Spar- und Bauverein vertritt. „Kann man den Baum nicht einfach regelmäßig bewässern, wenn wir über Möhren oder Radieschen reden würden, würde sich die Frage gar nicht stellen“, sagte Richter Kleine-Tebbe. Das könne man, sagte der Gutachter, allerdings müsse dann sichergestellt werden, dass die Linde auch in trockenen Sommern, in denen die Trinkwasserreserven knapp zu werden drohten, trotzdem Gewässer werden dürfe.

Klage abgewiesen – Eigentümer prüft weitere rechtliche Schritte

Am Ende wies das Verwaltungsgericht die Klage des Spar- und Bauvereins ab. Es sei zum einen nicht zweifelsfrei bewiesen, dass allein die Linde für die Schäden an dem Gebäude verantwortlich sei. Zum anderen verbiete die Baumschutzsatzung der Stadt eine Fällung, wenn es Alternativen dazu gebe. Die seien in diesem Fall vorhanden. Die Linde kann also vorerst in der Rudolfstraße stehen bleiben. Der Spar- und Bauverein prüft unterdessen weitere rechtliche Möglichkeiten.

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Von Tobias Morchner

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