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Hannover Senioren feiern eine besondere Gala
Nachrichten Hannover Senioren feiern eine besondere Gala
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00:20 01.02.2019
Die Gala der goldenen Generation im Cavallo. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Die weiße Bluse mit den schwarzen Ornamenten hat Marlies Batz noch nie angehabt. Schon ein paar Jahre hängt das schicke Kleidungsstück in ihrem Schrank. Doch bisher hat sich nie die Gelegenheit ergeben, es zu tragen. Am Dienstag ist so eine Gelegenheit. Marlies Batz ist Gast bei der „Gala der goldenen Generation“. Die 78-Jährige ist gespannt, was sie an diesem Abend erwartet. Jedenfalls hatte sie nicht damit gerechnet, dass sie ausgerechnet neben Hannovers ehemaligem Bürgermeister Herbert Schmalstieg an einem der vorderen Tische Platz nehmen wird. Aber das bringt sie nicht aus der Ruhe. „Ich lasse immer alles auf mich zukommen.“

Schmalstieg, 75 Jahre alt, ist der Schirmherr der Veranstaltung, zu der rund 120 Seniorinnen und Senioren ins Cavallo gekommen sind. In den Räumen der früheren königlichen Reithalle in der Dragonerstraße hat auch die Werbeagentur Steindesign ihren Sitz. Die hat sich die Gala ausgedacht und spendiert als Gastgeber Drei-Gang-Menü plus vierstündiges Showprogramm. Zuvor hatten Agenturchef Andreas Stein und sein Geschäftspartner Thorsten Mengele den Seniorenbeirat der Stadt gebeten, ältere Menschen auszuwählen, die sonst wohl nicht zu einer solcher Veranstaltung eingeladen würden. Ein Dankeschön an die Vertreter der Kriegs- und Nachkriegsgeneration, die in ihrem Leben viel erlitten, aber immer kräftig zugepackt haben.

Marlies Batz hat sich sehr gefreut über die Einladung. Seit ihr Mann vor 17 Jahren gestorben ist, lebt sie allein. Einsam, sagt sie, sei sie nicht. Häufig besucht sie Veranstaltungen des Seniorenbeirats, und neulich hat sie in einem Kino in Langenhagen auf der Leinwand ein Konzert von André Rieu verfolgt. Im Cavallo tritt Marc Masconi auf, Hannovers Antwort auf Frank Sinatra. Das Jazzquartett The Ellingtons steuert „Bel Ami“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“ bei, und das Leibniz-Theater spielt kurze Episoden. Auf Gagen haben die Künstler verzichtet.

Marlies Batz genießt es, bedient zu werden. Ihr Leben lang habe sie gearbeitet, berichtet sie. Bei der Bahn war sie im Rechnungswesen. „Durch meine Finger sind Millionen gegangen“, erzählt sie schmunzelnd. Seit 1978 lebt sie in ihrer 65 Quadratmeter großen Wohnung in Leinhausen, die erst der Bahn gehörte und nun der Baugesellschaft Vonovia. Sie befürchtet, dass bald eine Modernisierung ansteht und die Miete steigen wird. Viel brauche sie nicht zum Leben, betont sie. „Ich habe mein Auskommen – und mehr als satt essen kann ich mich ja nicht.“ Das Menü im Cavallo schmeckt ihr: Rinderkraftbrühe mit Maultaschenpralinen, Schmorbraten mit Apfelrotkohl, Schokoladenmousse auf Himbeerspiegel. „Hauptsache kein Fisch, den mag ich nicht.“

Am Nachbartisch zückt Ernst-Wolf Kleinwächter sein Smartphone und filmt eine Videobotschaft, die Ministerpräsident Stephan Weil an die Senioren sendet. Die Gala sei eine gute Gelegenheit, andere Menschen kennenzulernen, meint der agile 89-Jährige, der früher Pastor im Henriettenstift war. Langeweile habe er aber nie, versichert er: „Mein Terminkalender ist voll.“ Erika Ziez gefallen vor allem die Musikeinlagen – die 84-Jährige ist sehr musikalisch, sie singt in vier Chören. Und sie erzählt voller Stolz von ihren fünf Kindern und vier Enkeln. Nur leider sind die meisten nicht mehr in der Nähe, sie leben in Westdeutschland.

Die Stimmung unter den Senioren ist gut. Es wird viel geklatscht, geplaudert und gelacht. Auch Marlies Batz gefällt der Abend. Und die Entscheidung, die weiße Bluse mit den schwarzen Ornamenten anzuziehen, war genau die richtige.

Von Juliane Kaune

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