Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover So denkt Hannover über ein Verbot von Plastikgeschirr
Nachrichten Hannover So denkt Hannover über ein Verbot von Plastikgeschirr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:34 05.05.2018
Plastikgabeln könnten durch Holzspieße ersetzt werden: Imbissbetreiber Iladan Erdogan vom Schwarzen Bären macht sich über Alternativen Gedanken. Quelle: Villegas
Hannover

 Ob Einweggeschirr aus Plastik tatsächlich eines Tages aus dem Alltag verschwindet, ist noch nicht ausgemacht. In Hannover fände die Europäische Union allerdings viel Zustimmung, falls sie ein Verbot für das umweltschädliche, ewig haltbare Material durchsetzt. Auf dem Maschseefest ist Plastik bereits tabu. „Wir haben das vor einigen Jahren verbannt. Das Zeug trieb im See“, berichtet Hans-Christian Nolte, Chef der Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft. Die Gastronomen servieren auf Porzellan und im Glas, Imbisse verpacken ihre Speisen in Pappe, Papier, Bambus und nehmen Essspieße aus Restholz. Dennoch ist das Müllproblem insgesamt damit nicht gelöst. „Auf dem Maschseefest entstehen unglaubliche Mengen an Restmüll. Allein an Papier und Einweggeschirr haben wir jeden Tag 5 bis 6 Tonnen“, erzählt Nolte

Händler suchen Alternativen

Supermarktbetreiber sehen einem Verbot entspannt entgegen. „Für uns ist das kein großes Geschäft“, berichtet Edeka-Wucherpfennig Mitinhaber Thorsten Wucherpfennig. In der Südstadt wird Einweggeschirr kaum nachgefragt, an der Limmerstraße allerdings schon. „Studenten finden es schön bequem, weil sie es nach dem Grillen gleich wegwerfen können“, schätzt Wucherpfennig. Das Unternehmen hat sich deshalb nach nachhaltigen Alternativen umgesehen. Einweggeschirr aus Bambus oder Bananenblätterresten gibt es in ausreichend guter Qualität. „Aber das kostet fast das Fünffache wie Plastik. Und Holzbesteck gibt es nicht aus zertifizierter nachhaltiger Forstwirtschaft.“  Wucherpfennig hat das Sortiment deshalb nicht umgestellt. Dafür können Kunden in den zehn Edeka-Wucherpfennig-Märkten ihr Grillgut sowie alle anderen Produkte an der Frischetheken in eigene Behälter packen lassen. Auch das spart Verpackungsmüll.

Stadt vermeidet Plastik

Die Stadt versucht, bei verschiedenen Gelegenheiten den Verzicht auf Plastik und Verbundstoffe voranzutreiben und steuert das über Verträge und Ausschreibungen. Das betrifft die Gastronomie in Freizeitheimen oder jüngst die neuen Pächter am Maschsee-Kiosk. „Wir achten auch als Veranstalter von Festen in den Stadtteilen darauf, Plastik-Einweggeschirr zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Bei Schützenfest und Weihnachtsmarkt setzt die Stadt vorwiegend auf Glas- und Keramikgefäße. Auch der wiederverwendbare Hannoccino-Becher soll eine Alternative zu Einwegbechern für Bier oder Kaffee bieten. Der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha sorgt sich allerdings, dass die EU sich nur um Plastik kümmert, Einweggeschirr mit Plastikbeschichtung aber womöglich außen vor lässt. Bisher landet der Einweg-Plastikmüll als Restmüll im Verbrennungsofen. Ein kleiner feinerer Teil wandert wahrscheinlich mit dem vorbehandelten organischen Abfall auf der Deponie Kolenfeld

Unter Imbissbetreibern rufen die Pläne der EU-Kommission ein geteiltes Echo hervor. Iladan Erdogan würde das Verbot von Plastikutensilien nicht hart treffen. Der Geschäftsführer von „Happy Döner“ am Schwarzen Bären hat zwar noch Plastiktüten, die er Kunden mitgibt, die ihren Döner unterwegs aus der Box essen möchten. Ansonsten setzt der 43-Jähre auf nachhaltige Pappe und Papier. „Die Plasiktüte benutzen wir, damit das Essen länger warm bleibt“, erklärt er. Diese könnte aber schnell durch eine Papiertüte ersetzen, so der Imbissinhaber. Eine Alternative zur Plastikgabel wüsste Erdogan auch schon. „Wir würden Holzgabeln verwenden, allerdings haben wir noch keinen Anbieter gefunden.“

 Das alles sieht Juan Hassan ganz anderes. Der Mitarbeiter von „Istanbul Kebap“ auf der Limmerstraße kann sich zur Zeit keine Alternative zu Plastikstrohhalm und -gabel vorstellen. „Das große Problem besteht darin, dass viele ihre Dönerboxen und Salate mitnehmen und daher eine Gabel brauchen“, meint der 30-Jährige. Passantin Anja Cahmen-Markus aus Linden dagegen begrüßt ein eventuelles Verbot: „Plastikbesteck ist eh unnötig, da kann man genauso gut normales aus Edelstahl benutzen." 

Interview: Grillen ohne Plastikzubehör – wie geht das?

Peer Höcker Quelle: privat

Peer Höcker vom Bund für Umwelt und Naturschutz Hannover organisiert Aktionen, bei denen mit Ehrenamtliche Plastikmüll einsammeln.

Herr Höcker, Sie sammeln mit anderen Ehrenamtlichen Plastikmüll. Was beobachten Sie dabei? 

Wir finden häufig in winzige Teile zertretene Plastikgabeln und Trinkhalme. Für Tiere ist das der Tod. Auf dem Engelbosteler Damm haben wir neulich in kürzester Zeit zwölf Gelbe Säcke gefüllt.

Wenn ich spontan am Imbiss esse, bleibt viel Müll übrig. Haben Sie Tipps?

Ich habe immer eine leichte Bambusgabel im Rucksack dabei. Und wenn ich auf dem Wochenmarkt Suppe essen will, bringe ich Teller und Löffel mit. Im Jahr spare ich damit 50 Plastikteller.

Das mag vielen Menschen skurril erscheinen, oder zumindest umständlich.

Es haben sich schon ein paar Nachahmer gefunden, die jetzt auch ihr eigenes Geschirr benutzen. 

Was nehmen Sie statt Plastik-Strohhalm?

Es gibt tolle Halme aus Metall oder Glas. Ich kann auch direkt aus der Flasche oder dem Glas trinken. 

Beim Grillen im Park entstehen oft riesige Müllberge. Wie machen Sie das?

Mit etwas Vorbereitung. Ich nehme kleine Porzellanteller, einfache Gläser und Metallbesteck mit. Zutaten lassen sich in Dosen und Schraubgläsern transportieren. Meinen kleinen tragbaren Grill nehme ich komplett wieder mit nach Hause und entsorge die Grillkohle dort.

Von Bärbel Hilbig und Laura Ebeling

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Staus in Hannovers Innenstadt und in den Parkhäusern bereiten den City-Händlern große Sorgen. Sie fordern eine bessere Ampelschaltung. Die Stadt denkt über Lösungen nach.

05.05.2018

Autofahrer muss laut Strafbefehl mit sechs Monaten Bewährungsstrafe  und einem Fahrverbot rechnen. Der Angeklagte erscheint nicht zum Verhandlungstermin – ohne akzeptable Begründung.

05.05.2018

Die Staatsanwaltschaft Hannover wird keine Ermittlungen gegen den Linken-Politiker Diether Dehm einleiten. Dieser hatte Mitte März während der Newroz-Kundgebungen ein Bild von PKK-Chef Abdullah Öcalan gezeigt.

05.05.2018