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Hannover Neue Verkehrs-App für Hannover – So können Radler beim Ausbau der Radwege helfen
Nachrichten Hannover Neue Verkehrs-App für Hannover – So können Radler beim Ausbau der Radwege helfen
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19:05 08.07.2019
Der Bereich am Peter-Fechner-Ufer wird von Radlern gern genutzt, das ist auch ohne App bekannt. Aber wie sieht es auf anderen Routen aus? Quelle: dpa
Hannover

Rund 16 Prozent Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen in der Region Hannover entfallen auf das Fahrrad, in der Landeshauptstadt selbst sind es 19 Prozent. Diese Zahlen sind bekannt. Weniger weiß die Region darüber, auf welchen Wegen die Radler unterwegs sind. Beim Schließen dieser Wissenslücke können Fahrradfahrer der Behörde nun helfen – indem sie die kostenlose App „Bike Citizens“ auf ihr Smartphone laden und nutzen.

„Über den Radverkehr wissen wir so gut wie nichts“

„Wir kennen fast alle Daten über den Bus- und Bahnverkehr, wissen vieles über den Autoverkehr. Über den Radverkehr wissen wir so gut wie nichts, vor allem nicht über den in der Fläche“, sagt Klaus Geschwinder, Leiter für Verkehrsentwicklung und -management bei der Regionsverwaltung.

Hilfreiche Datensätze

Umfangreichere Datensätze wären aber hilfreich. Mit ihnen ist zum Beispiel in Erfahrung zu bringen, welche Routen Pendler und Freizeitradler nutzen, ob Planungen für neue Radwege oder aktuell für das sogenannte Veloroutennetz in Hannover dem Bedarf entsprechen. Es ließe sich beantworten, ob die Fahrradstraßen bei den potenziellen Nutzern ankommen, wo idealerweise Radschnellwege entlangführen sollen. „Am Ende können diese Erkenntnisse Grundlage für den Ausbau und die Sanierung von Radwegen sowie für Ampelsteuerungen sein“, erläutert Geschwinder.

Den Startpunkt ermittelt die App per GPS. Danach zeichnet sie die Route mit allen Details auf. Quelle: Bernd Haase

Kosten betragen 200.000 Euro

Deshalb ist vor einigen Wochen das Projekt „Bike Citizens“ an den Start gegangen. Es läuft zunächst für zwei Jahre und wird vom Bundesverkehrsministerium mit 100.000 Euro gefördert. Die Region steuert ebenfalls 100.000 Euro bei. Dafür können die Regionsbewohner die App im Großraum Hannover kostenlos nutzen; außerdem übernimmt die Firma „Bike Citizens“ die Projektbetreuung.

Gegründet wurde das Unternehmen 2011 in Graz in der Steiermark von ehemaligen Fahrradkurieren. Damals dabei war Andreas Stückl, heute zuständig für Deutschland. „Es ging zunächst einmal um eine ganz normale, GPS-basierte Navigations-App“, sagt der 36-jährige gebürtige Allgäuer.

Das leistet „Bike Citizens“ auch heute noch. Mit der Variante für die Region können Radler im Raum Hannover navigieren oder die Tourismusrouten der Fahrradregion wie den Grünen Ring oder den Julius-Trip-Ring abfahren. Die App misst Tempo, zurückgelegte Strecke und Fahrzeit. Wer einen Start- und Zielpunkt eingibt, kann auch wählen, ob er eine naturnahe, normale oder sportliche Route fahren will.

Vielseitige Analysen sind möglich

„Vor einigen Jahren haben wir dann ein Analyse-Tool hinzugefügt, weil bei den Städten und Verkehrsplanern der Bedarf da war“, sagt Stückl. Dieses Tool sammelt anonymisiert die Daten der Nutzer und überträgt sie auf eine „Heatmap“, zu deutsch Verkehrsmengenkarte. Je häufiger Radler einen Straße, einen Weg oder einen Platz befahren, desto heller erscheinen diese Abschnitte auf der Karte, die sich bis auf Detailansichten zoomen lässt.

Das Programm kann aber noch mehr. Es zeichnet nach, wo Radler von der kürzesten Strecke abweichen und lieber Umwege als einen Engpass in Kauf nehmen. Es misst Wartezeiten etwa an Ampeln oder stark befahrenen Kreuzungen. Auch lassen sich Verkehrsströme simulieren. „All diese Daten erhalten wir über GPS-Tracking. Sie bleiben bei uns, wir stellen sie nur den Auftraggebern zur Verfügung“, betont Stückl.

Erfolg hängt mit der Nutzerzahl zusammen

So sieht die mit der App gewonnene Verkehrswegekarte für Hannover derzeit aus. Quelle: Bike Citizens

„Bike Citizens“ funktioniert umso besser, je mehr Nutzer mitmachen. Die Region will deshalb zum Entdeckertag im September eine Kampagne starten, um die Sache richtig in Gang zu bringen. Vorbild ist zum Beispiel Bremen, das die App ebenfalls nutzt. Unter anderem sind Bonusprogramme geplant, an denen die Organisatoren derzeit feilen.

Aktuell sind in der Region 1300 Radler „Bike Citizens“, wobei sich die Behörde spätestens mit Einsetzen der Kampagne einen drastischen Schub erhofft. Immerhin lassen sich auf der Heatmap für Hannover schon leuchtende Spuren entdecken. Am hellsten strahlen sie, wenig überraschend, im Bereich der City.

Die App „Bike Citizens“ für die Region Hannover lässt sich kostenlos im Apple-Store oder bei Google-Play herunterladen. Weitere Informationen gibt es hier.

Hier wird an Hannovers Radwegen gebaut

500 einzelne Maßnahmen wie Wegeführungen, Ausbesserungen und Beschilderungen an Radwegen hat die Stadt vor drei Jahren beschlossen. „300 sind umgesetzt. Es waren die einfacheren“, sagt Kai Kaminski, Verkehrskoordinator im Fachbereich Tiefbau. Im April hatte die Stadt etwa ein Stück des Radweges am Friedrichswall zwischen ehemaligem Hotel und Karmarschstraße wieder in Schuss gebracht.

Die fehlenden folgen nach und nach. Zu den größeren Projekten zählt der Wolfgang-Besemer-Weg am Ihme-Ufer, den die Stadt möglichst bald verbreitern und asphaltieren will. Umfangreichere Baustellen an Radwegen sind an der Bornumer Straße, der Kugelfangtrift und dem Sahlkamp geplant. Chancen bietet das Grundsanierungsprogramm für Straßen. Bei allen anstehenden Maßnahmen will die Stadt den Radverkehr stark berücksichtigen.

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Von Bernd Haase

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