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Hannover AfD-Fahne gestohlen: Dieb zu Geldstrafe verurteilt
Nachrichten Hannover AfD-Fahne gestohlen: Dieb zu Geldstrafe verurteilt
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00:15 23.12.2017
Marcel H. (l.) stahl nahe dem Kröpcke ein AfD-Sonnensegel. Anwalt Michael Tusch verteidigte ihn vor dem Amtsgericht. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

 Ein 22-Jähriger ist am Mittwoch vom Amtsgericht wegen Diebstahls und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 10 Euro verurteilt worden. Marcel H. hatte einem AfD-Mitglied an einem Infostand in Kröpcke-Nähe eine großformatige Flagge –eine Art Sonnensegel –entrissen und war mit seiner Trophäe weggelaufen. Allerdings wurde er von dem 63-Jährigen, der die Fahne just aufhängen wollte, bis hinunter in die U-Bahn-Station Kröpcke verfolgt und dort mithilfe von zwei weiteren Passanten festgesetzt. Als der derzeit arbeitslose H. später in der Polizeistation Waterloostraße für ein paar Stunden in eine Gewahrsamszelle gesperrt werden sollte, wehrte er sich mit Händen und Füßen gegen eine Durchsuchung und ein vollständiges Entkleiden. Zwei Polizisten mussten einige Kraft aufwenden, um ihn zu bändigen. 

Der Angeklagte äußerte sich in der Verhandlung unter Leitung von Amtsrichter Michael Siegfried nicht zu der Tat, gab auch keine politischen Statements ab. Ob der in Kirchrode lebende junge Mann der linken Szene angehört, blieb insofern offen. 

Fahne hatte Wert von 30 bis 40 Euro

Der Vorfall hatte an einem Sonnabendmorgen im Juli 2017 in der Georgstraße begonnen. „Er riss mir die Fahne einfach aus der Hand“, sagte der Zeuge von der AfD aus. Diese besitze einen Wert von 30 bis 40 Euro. Die anschließende Verfolgungsjagd erstreckte sich über mehrere Ebenen der U-Bahn-Station Kröpcke, immer wieder rief der 63-Jährige „Haltet den Dieb“. Als der schwarz gekleidete H. in eine Stadtbahn flüchten wollte, kamen dem Älteren zwei Fahrgäste zur Hilfe. Mit vereinten Kräften gelang es den drei Männern, den sich heftig wehrenden und fluchenden Fahnendieb zu Boden zu bringen und zu fixieren, bis Protec-Mitarbeiter und wenig später die Polizei eintrafen. Dass H. irgendwann gerufen hatte: „Nimm Deine Scheiß-Fahne“, half ihm wenig –sie wurde wenig später unter seinem Hemd gefunden.

Ernsthaft verletzt wurde sowohl in der U-Bahn-Station wie auf der Polizeiwache niemand; allerdings zog sich einer der zupackenden Passanten eine Schürfwunde am Knie zu und hatte ein Loch in der Hose zu beklagen. Für ihn sei es Ehrensache gewesen, einen mutmaßlichen Dieb dingfest zu machen, erklärte der 34-Jährige. Dass der Flüchtige eine AfD-Fahne gestohlen habe, sei ihm nicht klar gewesen, hätte aber auch nichts geändert. Wie ein Protec-Mitarbeiter und ein Polizeibeamter aussagten, habe H. irgendwann geweint und sich wie „ein bockiges Kleinkind“ verhalten –offenbar hatte der 22-Jährige nicht damit gerechnet, was für Folgen der Fahnendiebstahl nach sich ziehen sollte.

„Das war ein politisches Statement“

Verteidiger Michael Tusch sprach davon, dass sein Mandant mit der Aktion gegen die rechtspopulistische Partei habe demonstrieren wollen: „Das war ein politisches Statement.“ Tusch plädierte für eine Verwarnung mit Strafvorbehalt, während die Staatsanwältin eine Geldstrafe von 55 Tagessätzen à 10 Euro forderte. „Es ist völlig uninteressant, ob die Tat politisch motiviert war oder nicht“, stellte der Richter in der Urteilsbegründung klar. Wenn man Vorbehalte gegen die AfD habe, könne man sie gerne politisch bekämpfen, aber nicht mithilfe von Straftaten. 

Siegfried wies darauf hin, dass der Prozess möglicherweise mit einer Einstellung gegen Auflagen hätte enden können. Da H. aber kein Geständnis abgelegt und keinerlei Einsicht an den Tag gelegt habe, sei eine Verurteilung unvermeidlich gewesen. Ein ausdrückliches Lob sprach der Strafrichter den Passanten aus, die am Festhalten des Diebs beteiligt waren: „Sie haben die Zivilcourage gezeigt, die heutzutage immer wieder gefordert wird.“

Von Michael Zgoll

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