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Hannover Droht diesen 35 Wohnungseigentümern wegen Brandschutzsanierung der finanzielle Ruin?
Nachrichten Hannover Droht diesen 35 Wohnungseigentümern wegen Brandschutzsanierung der finanzielle Ruin?
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09:46 27.11.2019
Sie gehören zu den Leidtragenden des Hochhaus-Verfahrens: Die Eigentümer Elisabeth Kleine (l.) und Gerold Kleine (3.v.l.) haben zwei Wohnungen vermietet, die Eigentümer Thorsten Kuhn (2.v.l.) und Heidelore Holtz (r.) leben selbst in der Brandenburger Straße. Juristisch beraten wird die Empelder Wohnungseigentümergemeinschaft von Anwalt Michael Bauer (2.v.r.) Quelle: Michael Zgoll
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Hannover/Ronnenberg

Für die 35 Wohnungseigentümer eines Hochhauses im Ronnenberger Stadtteil Empelde brechen harte Zeiten an: Im schlimmsten Fall sind ihre Wohnungen nichts mehr wert und sie sind finanziell ruiniert, im allerschlimmsten Fall müssen sie ihre Immobilie aufgeben. Weil die Fassadenverkleidung des zwölfgeschossigen Baus nicht mehr den gültigen Brandschutzanforderungen entspricht und der Ausbruch eines Feuers Menschenleben kosten könnte, erließ die Stadt Ronnenberg eine Verfügung, nach der die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) die alte Außenhaut bis zum 30. Juni 2020 entfernen und bis zum 30. Juni 2021 eine neue aufbringen lassen muss. Doch viele Eigentümer wären nicht imstande, ihren Teil zu einer millionenschweren Sanierung des Hauses in der Brandenburger Straße 2 beizusteuern. Und darum beschäftigte sich das Verwaltungsgericht Hannover am Dienstag mit einem Eilrechtsantrag der WEG gegen die Stadt Ronnenberg.

In dem Hochhaus in der Brandenburger Straße in Empelde muss der Brandschutz verbessert werden - nur das Ausmaß ist noch offen. Quelle: Uwe Kranz

Die Verwaltung hatte im Nachgang zu der Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower im Juni 2017, bei der 72 Menschen ums Leben kamen, alle Hochhäuser in Ronnenberg überprüft. Dabei wurde das gut 35 Meter hohe Gebäude in der Brandenburger Straße mit seinen 48 Wohnungen als Risikoimmobilie ausgemacht: Die Fassade – bestehend aus Schichten von Beton, Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL), Waschbeton und asbesthaltigen Glasalplatten – könnte die Ausbreitung eines Feuers von innen nach außen nicht verhindern. Besonders die HWL-Platten, im Volksmund auch Sauerkrautplatten genannt, würden den Flammen im Zusammenspiel mit der Hinterlüftung keinen ausreichenden Widerstand entgegensetzen; durch den Kamineffekt könnte sich das Feuer schnell ausbreiten. Zudem wären Löschversuche und eine Evakuierung der Bewohner nur bis zu einer Höhe von rund 27 Metern möglich.

Abnahme war unzulässig

Was das Ganze aus Sicht der Eigentümer besonders ärgerlich macht: Die Stadt Ronnenberg hatte das Hochhaus nach der Fertigstellung 1974 ohne Auflagen abgenommen. Doch laut den Hochhausrichtlinien von 1958, erläuterte Andreas Kleine-Tebbe als Vorsitzender der 4. Kammer, seien die als „schwer entflammbar“ geltenden Holzwolleplatten schon damals unzulässig gewesen – zu verwenden war bereits in den Siebzigern „nicht brennbares“ Material. „Eine Katastrophe der gleichen Art wie in London wäre in Deutschland zwar ausgeschlossen, weil am Grenfell Tower völlig ungeeignetes Dämmmaterial verbaut wurde“, sagte der Sachverständige Professor Nabil Fouad. Doch brandgefährlich sei auch die Empelder Konstruktion mit ihren Sauerkrautplatten und der durchgängigen Hinterlüftung.

Sollte die Fassade des Hochhauses komplett erneuert und das asbesthaltige Material aufwendig entsorgt werden müssen, sagte Michael Bauer als Anwalt der WEG, könnten nach groben Schätzungen bis zu 8 Millionen Euro fällig werden. Doch leben in der Immobilie viele ältere Menschen, denen schon ein erster anstehender Sonderumlagen-Anteil von knapp 3000 Euro schwer zu schaffen macht.

Hilft verbessertes Brandschutzkonzept?

Am Ende einigten sich die Verfahrensbeteiligten auf eine Zwischenlösung. Der Gutachter wird bis zum 31. März 2020 aufschlüsseln, ob sich eine bauliche Sanierung des Hochhauses mithilfe eines ausgeklügelten Brandschutzkonzepts vermeiden lässt; dessen Vorgaben müssten dann binnen sechs Monaten umgesetzt werden. Sollte dies nicht möglich sein, tritt die Verfügung der Stadt Ronnenberg erneut in Kraft – mit einer Verzögerung von einem Jahr.

Kommunen überprüften ihre Hochhäuser

Der verheerende Brand im Londoner Grenfell-Tower war auch für das Land Niedersachsen und seine Kommunen ein Anlass, alle Hochhäuser ab Sommer 2017 nochmals genau unter die Lupe zu nehmen: Hätte sich solch eine Katastrophe auch hier ereignen können? Großteils fielen die Ergebnisse positiv aus, da die Brandschutzbestimmungen in Deutschland strenger sind als ehedem in England.

Doch fanden sich auch in der Region Hannover ein paar Problemfälle. So ergab eine Untersuchung der Stadt Garbsen, dass vier Fassaden – von neun überprüften Hochhäusern – nur mit schwer entflammbaren Baustoffen versehen waren statt mit nicht brennbaren. Die Stadt Hannover dagegen teilte im September 2017 mit, dass sie die rund hundert Hochhäuser im Stadtgebiet alle fünf Jahre überprüfe und bislang keine gravierenden Mängel festgestellt habe. Und auch in Laatzen verwies man ein halbes Jahr später darauf, bis dato nur nicht brennbare Dämmmaterialien registriert zu haben.

Von Michael Zgoll

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