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Hannover Nach drei Monaten Wartezeit: Mara findet Schulplatz
Nachrichten Hannover Nach drei Monaten Wartezeit: Mara findet Schulplatz
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00:15 21.04.2019
Nach drei Monaten gibt es Hoffnung für Erkan und seine Tochter Mara (Namen geändert). Für die 16-Jährige wurde jetzt ein Schulplatz gefunden. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Der Fall der 16-jährigen Mara, die seit drei Monaten ohne Schulplatz ist, großen Wirbel ausgelöst. Die Pattenser Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD) bot spontan an, der Jugendlichen einen Platz an der Ernster-Reuter-Schule, einer Kooperativen Gesamtschule, zur Verfügung zu stellen. Aber das dürfte nicht mehr nötig sein. Denn die 16-Jährige kann nach den Osterferien wieder zur Schule gehen. Zwar nicht ihre Wunschschule, aber eine andere weiterführende Schule nimmt das Mädchen auf. Das teilte das Kultusministerium am Mittwoch überraschend auf Nachfrage mit. Die Schule werde in ihrer achten Klasse ein Kind mehr aufnehmen als eigentlich zulässig, hieß es vonseiten der Landesschulbehörde. Maras Vater Erkan (Name geändert), der offiziell von der positiven Nachricht noch nichts gehört hatte, zeigte sich zufrieden: „Hauptsache, meine Tochter geht endlich wieder zur Schule.“

Die 16-Jährige war Ende Januar zu ihrem Vater nach Hannover gezogen, zuvor hatte sie bei ihrer Mutter in Hessen gewohnt. Maras Eltern sind getrennt.

Maras Geschichte ist kein Einzelfall. Nach Auskunft des Kultusministeriums gibt es in Hannover insgesamt 24 Schüler, die über längere Zeit keinen Schulplatz hatten. Mittlerweile seien allerdings alle untergebracht worden, in einigen Fällen stehe wegen der Ferien noch die Rücksprache mit den Schulen aus, sagte eine Sprecherin der Landesschulbehörde. In allen Fällen ging es um fehlende Plätze an Gesamt- oder Oberschulen, in denen die Klassen seit zwei Jahren verstärkt gerade in den Jahrgängen sechs bis acht voll seien. Dass ein Schüler aber drei Monate ohne Schulplatz bleibt wie Mara, sei eine Ausnahme.

Massive Kritik aus der Politik

In der Politik gab es massive Kritik an dem Fall, nicht nur auf kommunaler, sondern auch auf landespolitischer Ebene. Julia Willie Hamburg, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, nannte es „absolut inakzeptabel, völlig unverständlich und rechtlich fragwürdig“, dass der 16-Jährigen drei Monate ihr Recht auf Bildung versagt worden sei. Sie will eine Unterrichtung im Kultusausschuss des Landtages verlangen.

Stefan Politze, Bildungsexperte der SPD, sagte, Stadt und Land hätten ihre Hausaufgaben nicht gemacht, die Stadt müsse eine bessere Schulentwicklungsplanung machen, das Land noch einmal bei der Sprachförderung nachsteuern. Dadurch, dass die Sprachlernklassen weitgehend aufgelöst und die Schüler auf die regulären Klassen verteilt worden seien, seien diese voll und Kinder, die neu nach Hannover zögen, fänden oft nur mit Mühe einen Schulplatz. Björn Försterling (FDP) sagte, so werde der Jugendlichen ein Jahr Lebenszeit geraubt. Schulpflicht müsse auch für den Staat gelten.

Ampelbündnis will neue weiterführende Schule

Das Ampelbündnis will sich laut Afra Gamoori (SPD) für eine neue weiterführende Schule neben dem 18. Gymnasium stark machen. Es könne nicht sein, dass aufgrund der Raumkapazitäten die Schulpflicht nicht eingehalten werden könne. Man brauche einen genauen aktuellen Zahlenstand der belegten Schulen, im Zweifel müssten übervolle Klassen übergangsweise geteilt werden. In kleineren Gruppen lerne man ohnehin besser, so die Bildungspolitikerin. Andreas Bingemer (FDP) sprach von Fehlern der Vergangenheit, die sich rächten. Die Stadt habe früher zuwenig in Schulen investiert und es gebe einen Investitionsrückstau. Andererseits mache es sich das Land zu einfach, wenn es für die Gymnasien die Rückkehr von G8 zu G9 beschließe und die Städte die Räume dafür schaffen müssten.

CDU: Stadt vernachlässigt Real- und Oberschulen

Kai Seefried, Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, warf der SPD vor, die Real- und Oberschulen zu vernachlässigen, weil sie von einem „Gymnasium für alle träume“. Die CDU in Hannover hatte im Schulausschuss die Gründung einer neuen Realschule gefordert, war aber gescheitert. Die Stadt sei als Schulträger in der Pflicht, die Schulplätze sicherzustellen. Stefanie Matz, Bildungsexpertin der Union in Hannover, nannte es ein „Armutszeugnis“, dass Bildungsbüro und Landeschulbehörde über einen so langen Zeitraum keinen Schulplatz gefunden hätten.

Adam Wolf (Piraten), Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt, fordert kein „abgehobenes Bildungsbüro“, sondern ein Schulbüro mitten in der Stadt, das als Anlaufstelle für Eltern und Schüler zugänglich sei und in dem man sich auch über andere Fragen etwa zu Austauschprogrammen und Auslandsaufenthalten zentral informieren kann.

Von Saskia Döhner

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