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Hannover Was bedeutet die grüne Welle für die OB-Wahl in Hannover?
Nachrichten Hannover Was bedeutet die grüne Welle für die OB-Wahl in Hannover?
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11:57 12.08.2019
Belit Onay will in Hannover der erste grüne Oberbürgermeister Niedersachsens werden. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Die überraschende Wahl der Grünen-Politikerin Anna Kebschull zur Osnabrücker Landrätin hat nach Ansicht der Parteiführung auch Signalwirkung für die Oberbürgermeisterwahl in Hannover. „Anna Kebschulls Wahl gibt uns Auftrieb für weitere kommunale Erfolge; gerade auch für die Oberbürgermeisterwahl in Hannover haben wir jetzt sehr gute Chancen“, sagte die niedersächsische Landesvorsitzende Anne Kura am Montag. Kebschull habe den Willen der Bevölkerung zur Veränderung gut aufgenommen und sei regional auf ähnliche Weise wie Belit Onay – der OB-Kandidat der Grünen in Hannover – gut verankert.

Sieg in der Stichwahl: Anna Kebschull wird in Osnabrück erste grüne Landrätin. Quelle: Michael Gründel/Neue Osnabrücker Zeitung

So sehen es auch die Grünen in Hannover. „Der Rückenwind für grüne Politik ist da“, sagte der Vorsitzende des Stadtverbands, Ludwig Hecke, am Montag in Hannover. „Die Wahl von Anna Kebschull zur Landrätin in Osnabrück zeigt, dass sich die große Zustimmung zu grüner Politik auch in Kommunalwahlergebnissen niederschlägt.“

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Am Sonntag war die Unternehmerin Anna Kebschull (45) nach Parteiangaben als bundesweit erste Politikerin der Grünen an die Spitze eines Landkreises gewählt worden. Kebschull setzte sich gegen Amtsinhaber Michael Lübbersmann (CDU) durch.

Grüne „schärfster politischer Wettbewerber“ der CDU

Die Niederlage ist bitter für die CDU. „Das Ergebnis schmerzt“, sagte CDU-Landeschef Bernd Althusmann am Montag, „zumal unter Michael Lübbersmann nachweislich sehr gute CDU-Politik für den Landkreis gemacht worden ist“.

Für die CDU sind die Grünen nun „unser schärfster politischer Wettbewerber“, wie Althusmann sagte. Auch andernorts im eigentlich schwarz geprägten Westen haben die Grünen der CDU zuletzt Stimmen abgejagt. In der Kreisstadt Vechta etwa erreichten die Grünen 23 Prozent der StimmenVechta ist eine Uni-Stadt. Aber selbst im Landkreis kam die Ökopartei auf 18 Prozent. Noch bitterer für die CDU: In Osnabrück war der Landrat seit Kriegsende bisher stets ein Christdemokrat.

„Bereitschaft zum Wechsel“

In Hannover stellte den Oberbürgermeister nach Kriegsende bisher immer die SPD. Die Parallele macht den Grünen Hoffnung, mit Belit Onay in Zukunft den ersten grünen Oberbürgermeister zu stellen. „Auch dort, wo es jahrzehntelange Abos einer Partei auf ein Amt gab, gibt es inzwischen durchaus Bereitschaft zum Wechsel“, sagte Hecke. „Die Wähler schauen nicht nur, welche Partei den OB bisher gestellt hat. Sie schauen auch auf die aktuelle Situation und wer zu Wahl steht.“

In Hannover wird am 27. Oktober ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Eine mögliche Stichwahl würde am 10. November stattfinden. Die vorgezogene Neuwahl wurde nötig, weil der bisherige Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) wegen der Affäre um illegale Gehaltszulagen sein Amt aufgegeben hatte. Gegen ihn und weitere Führungskräfte im Rathaus hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen des Verdachts der schweren Untreue erhoben.

Breite Kandidatenriege

Die SPD hat den ehemaligen Kämmerer und derzeitigen Enercity-Finanzvorstand Marc Hansmann vorgeschlagen, die Parteibasis hat ihn noch nicht offiziell nominiert. Die CDU will den ehemaligen Volkswagen-Nutzfahrzeuge-Chef Eckhard Scholz ins Rennen schicken. Auch hier bedarf es noch der Zustimmung der Partei. Für die Piraten soll Ratsherr Adam Wolf in den Wahlkampf ziehen, die Partei muss noch ein Votum abgeben. Die Linke schickt Jessica Kaußen ins Rennen. Die AfD-Ratsfraktion will den hannoverschen AfD-Bundestagsabgeordneten Jörn König aufstellen, doch es bedarf der Zustimmung der Mitglieder. Bewerben um das höchste Amt im Rathaus will sich auch die parteilose Kulturmanagerin Iyabo Kaczmarek.

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Von Karl Doeleke, Michael B. Berger und Ralf Krüger

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