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Hannover Werden die Conti-Ruinen in Limmer doch zu Wohnungen umgebaut?
Nachrichten Hannover Werden die Conti-Ruinen in Limmer doch zu Wohnungen umgebaut?
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19:57 26.08.2019
Die Stadt hat den Abriss der denkmalgeschützten Altbauten auf dem ehemaligen Conti-Gelände im Stadtteil Limmer verboten. Weil sie einen Käufer hat? Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

In den alten Conti-Ruinen in Limmer könnten womöglich doch Wohnungen gebaut werden. Eine Firma hat dem Eigentümer Günter Papenburg ein Kaufangebot für die Altbauten unterbreitet, um sie zum Wohnen umzubauen.

Bisher galten die Gebäude wegen der jahrzehntelangen Gummireifenproduktion als schwer vergiftet. Mehrere Gutachten haben ergeben, dass die Räume auch nach Sanierungen zum dauerhaften Aufenthalt von Menschen nicht geeignet seien.

Die Stadt nimmt das neue Wohnungsbauvorhaben offenbar sehr ernst: Das Kaufangebot soll der Grund sein, dass sie kürzlich Papenburgs Antrag auf Abriss abgelehnt hat. Denn es handelt sich um Denkmale – und die dürfen nur abgerissen werden, wenn ihr Erhalt wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Sobald es aber einen realistischen Kaufinteressenten gibt, zieht das Wirtschaftlichkeitsargument nicht mehr.

Wasserstadt-Altbauten: Als Parkhäuser unwirtschaftlich

Wie jetzt bekannt wurde, hat Papenburg den Abrissantrag begründet, indem er vorgerechnet hat, dass ein Stadtteilparkhaus in den Gebäuden unwirtschaftlich wäre. Wände und Decken können zwar die Traglasten aushalten, wegen veränderter Grundrisse müssten aber innen viele Stützen versetzt werden. Dadurch entstehen hohe Kosten bei geringen Einnahmen – mit dieser Unwirtschaftlichkeit erbat Papenburg die Erlaubnis zum Abriss. Zwar sollten im Dachgeschoss lukrative Wohnungen aufgesetzt werden. Doch auch diese Einnahmen hätten das Projekt nicht in die Wirtschaftlichkeit gebracht.

Bauunternehmer Papenburg wollte die Gebäude am Rande des Wasserstadt-Projekts eigentlich abreißen lassen. Quelle: Moritz Frankenberg

Sollen die Ruinen nur einen Euro kosten?

Der Kaufinteressent will offenbar einen anderen Weg gehen. Alle Mauern sollen komplett versiegelt werden, um die krebserregenden Nitrosamine einzuschließen. Dann sollen raumseitig Wände vorgebaut werden, um zu verhindern, dass spätere Bewohner beim Bohren die Versieglung zerstören und den Schadstoffen so den Weg in die Raumluft ebnen.

Der Kaufinteressent, ein Unternehmen aus Norddeutschland, soll zunächst als Preis einen Euro geboten haben – die Summe hatte Papenburg bei einem Pressetermin im November genannt, als er sich über die Stadt geärgert hatte. Später soll das Angebot nachgebessert worden sein, auf den „tatsächlichen Wert“, der durch Gutachter ermittelt werden müsse.

Lärmschutzwand erleichtert Wohnungsbau

Zur Ironie des Projekts gehört auch: Papenburg hat gerade für 4,5 Millionen Euro eine Lärmschutzwand an der nahen Güterumgehungsbahn bauen lassen, damit nach einem Abriss der Gebäude das dahinter entstehende Wohngebiet nicht vom Bahnlärm belastet wird. Die Lärmwand aber würde es jetzt ermöglichen, in den Industriedenkmalen Wohnungen einzurichten, in denen man relativ ruhig schlafen kann.

Der Bau der Wasserstadt hat begonnen: Die Fotos

Valutect-Folie kann Mauern hermetisch abschirmen

Wasserstadt-Geschäftsführer Jörg Jungesblut zweifelt an eine möglichen Wohnnutzung. Ein Test in drei Räumen habe 2013 bis 2015 ergeben, dass sich zwar mit Aktivkohletapeten die Schadstoffe wirksam reduzieren ließen – die Tapeten müssten dann aber regelmäßig gewechselt werden.

Alternativ könnten die Wände mit Valutect-Folie hermetisch versiegelt werden, die speziell gegen Schadstoffe wie Nitrosamine entwickelt wurde. Weil die Arbeiter aber im ersten Versuch falsche Kleber verwendeten und so dann doch Nitrosamine in die Raumluft kamen, entschied man gemeinsam mit Behörden, der Weg sei zu kompliziert. Im zweiten Versuch allerdings soll die Folie die Wände zuverlässig versiegelt haben.

Stadtbaurat Bodemann: Hürden sind hoch

Wie es weitergeht, ist offen. Papenburg hat angekündigt, gegen das Abrissverbot klagen zu wollen. Stadtbaurat Uwe Bodemann, der sich zu dem Kaufangebot der Firma nicht äußert, betont gegenüber der HAZ nur, dass „die Hürden für die Unzumutbarkeit einer Erhaltung hoch“ seien: Eine „ernsthafte Verkaufsmöglichkeit“ schließe aus, dass die Stadt die denkmalgeschützten Gebäude zum Abriss freigibt.

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