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Hannover Bach zum Mitsingen – ein letztes Mal: Kirchenmusikdirektor nimmt Abschied
Nachrichten Hannover Bach zum Mitsingen – ein letztes Mal: Kirchenmusikdirektor nimmt Abschied
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20:03 01.12.2019
Bach für alle: Das Hannoversche Singalong in der Neustädter Hof- und Stadtkirche. Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Hannover

Alle Musiker wollen die perfekte Aufführung. Zumindest fast alle: Für Lothar Mohn, seit 28 Jahren Hannovers Kirchenmusikdirektor und Kantor an der Neustädter Hof- und Stadtkirche, ist das nur eine von zwei guten Möglichkeiten. Tolle Sänger, ein fantastisches Orchester? „Auch gut“, sagt Mohn. Aber mindestens genauso gut findet er es, wenn er die Freude am gemeinsamen Singen und Musizieren mit möglichst vielen Menschen teilen kann.

Darum ist er fasziniert von der britischen Tradition der Singalong-Konzerte, bei denen das Publikum ein Werk – in England zumeist Händels „Messias“ – mitsingen kann. Seit 2006 veranstaltet Mohn sein eigenes Singalong in Hannover. Das Weihnachtsoratorium für alle in der Neustädter Hof- und Stadtkirche gehört seither zu den alljährlichen Höhepunkten im Musikleben der Stadt.

Ein letztes Mal Singen für alle

In diesem Dezember wird Mohn zum letzten Mal einen riesigen Publikumschor bei dem populären Werk von Johann Sebastian Bach leiten: Im kommenden Sommer geht der Kantor in den Ruhestand. Zum Abschied wird er das Weihnachtsoratorium zum ersten Mal vollständig in dieser besonderen Form aufführen. Beim 16. Hannoverschen Singalong am Sonntag, 22.  Dezember, werden statt einer Auswahl sämtliche sechs Kantaten des Stücks mit einer Gesamtspieldauer von rund zweieinhalb Stunden aufgeführt.

„Das ist schon erhebend“: Lothar Mohn in der Neustädter Hof- und Stadtkirche. Quelle: Tim Schaarschmidt

So kann Mohn endlich auch einmal Chöre wie „Ehre sei dir, Gott, gesungen“ oder „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ aufführen, die zu seinen Lieblingsstücken gehören, aber vergleichsweise selten aufgeführt werden, weil sie zum vierten, beziehungsweise fünften Teil des Weihnachtsoratoriums gehören. Ganz überwiegend ist sonst nur die erste Hälfte des Werkes mit den Kantaten I bis III zu hören.

Ein Oratorium für Alt

Dafür gibt es gute Gründe, zum Beispiel den überwältigenden Eingangschor „Jauchzet, frohlocket!“. „Es ist schon toll, wenn dieses Stück aus 400 Kehlen erklingt“, findet Mohn. Diese Eröffnung sei vom Komponisten fantastisch konzipiert: „Da geht gleich richtig die Post ab.“

Lothar Mohn dirigiert in der Neustädter Hof- und Stadtkirche. Quelle: HAZ/Archiv

Mit Blick auf seine Mitmachkonzerte hätte Mohn aber doch einen Verbesserungsvorschlag: „Eigentlich hätte Bach ein Oratorium für Alt-Stimmen komponieren müssen“, sagt er. Denn beim Singalong ist es nicht anders als in anderen Chören – es fehlt an Männerstimmen, vor allem an Tenören, während es vor allem von den tiefen Frauenstimmen stets mehr als genug gibt. Bei den Singalong-Aufführungen stehen in der Regel nur etwa 40 Tenöre rund 200 Altistinnen gegenüber.

Dabei sind bei Mohns Aufführungen sogar Sänger aus dem ganzen Land dabei. Das weiß der Kantor, weil er vor dem Konzert eine Deutschlandkarte aufhängt, auf die alle Sänger eine Stecknadel stecken, die nicht in Hannover wohnen. Die Nadeln sind immer gut verteilt. Die Besucher singen das Weihnachtsoratorium sonst in anderen Chören zwischen Cuxhaven und Ulm. „Ich bedanke mich bei meinen Kollegen, die das alles mit den Sängern einstudiert haben“, sagt Mohn. Denn für richtige Proben gibt es bei einem Singalong keine Zeit.

Allerdings können die Sänger beim Singalong mehr singen als in einer normalen Aufführung: Auch die meisten Arien, die sonst den Solisten vorbehalten sind, dürfen mitgesungen werden. Dass er einige Stücke deshalb etwas langsamer dirigieren muss, damit alle mitkommen, wird für Mohn leicht aufgewogen: „Wenn 80 Bässe ,Großer Herr und starker König’ singen“, sagt er, „ist das schon erhebend.“

Für das 16. Hannoversche Singalong mit den Kantaten I bis IV des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach am Sonntag, 22. Dezember, 15.30 Uhr, in der Neustädter Hof- und Stadtkirche gibt es noch Restkarten für Zuhörer und für Sänger in der Buchhandlung an der Marktkirche.

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