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Hannover Wie Rapper Eazy die Hip-Hop-Szene in Hannover aufmischen will
Nachrichten Hannover Wie Rapper Eazy die Hip-Hop-Szene in Hannover aufmischen will
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22:17 06.08.2019
Inspirationsquelle Ihme-Zentrum: Hierher zieht sich Eazy oft zum Schreiben zurück. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Jogginghose, Sneakers, Bauchtasche, Cappy, Tattoos: Auf den ersten Blick sieht Rapper Eazy aus wie die meisten anderen Vertreter seines Genres. Gut, die Capri-Sun Orange, die er schlürft, passt nicht ganz ins Bild. Doch es ist nicht nur das. Eazy will keine „gettorige“ Musik machen, wie er es formuliert. „,Ey, guck mal, meine Goldkette. Ich f*** deine Mutter.’ Das ist mir zu simpel, das kann doch jeder“, sagt er zum Klischeebild eines Rappers. Und Eazy will nicht das tun, was jeder kann – oder das, was die Leute von ihm erwarten.

Dabei hätte sich ein Gangsta-Rapper Eazys Lebensweg kaum besser ausdenken können. „Es klingt echt wie eine Getto-Story“, sagt er und grinst etwas verlegen. Dann grinst er nicht mehr. Eazy erzählt von seiner Kindheit in Minden, von Vater und Mutter, von Streit und von Gewalt. „Ich erinnere mich noch genau an einen Abend, da war ich neun Jahre alt. Er hat auf sie eingetreten, und sie hat geblutet.“ An diesem Abend rufen die Nachbarn die Polizei, Mutter und Kind kommen ins Frauenhaus.

Mit Dr. Dre fängt es an

Es folgt ein Umzug auf den anderen, mehr als ein Dutzend müssen es gewesen sein, mitgezählt hat er irgendwann nicht mehr. „Ich habe mich dann sehr eingeschlossen und nicht mehr viel gesprochen“, erzählt er. Schließlich kommt der Tag. Der Tag, an dem es beginnt. Der Tag, an den sich wohl die meisten Musiker ein Leben lang erinnern. Bei Eazy ist es der Besuch eines Cousins, die beiden Jungs hören zwei Alben von Dr. Dre – „The Chronic“ und „2001“ – und schauen Videos von seiner Tour an. „Da habe ich mich sofort verliebt“, sagt Eazy.

Mit 13 schreibt er die ersten eigenen Texte. „Das tat mir gut, dass ich nicht reden musste, sondern einfach geschrieben habe“, sagt er. Alle Probleme lösen kann die Musik aber nicht. Er verkauft Drogen auf dem Schulklo, bekommt Ärger mit der Polizei, haut immer wieder von zu Hause ab.

Mit Anfang 20 entscheidet sich Eazy für einen radikalen Schritt: Er nimmt einen Kredit auf, zieht mit seiner Freundin zusammen, der neuen Liebe seines Lebens. So macht man das als Erwachsener, denkt er und tut die Musik als Jugendtraum ab. Das geht ein paar Jahre gut. Die Trennung kommt plötzlich. „Das war so viel, das dann in meinem Kopf einfach explodiert ist“, erzählt er. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion zieht er aus, kommt bei einem Schulfreund unter, liegt eine Woche nur auf der Couch. Er weiß: Er muss wieder Musik machen. Die hat ihn schon einmal gerettet, und die rettet ihn wieder – die Musik und eine Therapie. „Ich hatte echt eine gute Psychologin“, sagt Eazy und lächelt.

„Bei Rappern, die andere dissen, frage ich mich: Was hat das mit Hip-Hop zu tun?“: Eazy distanziert sich vom Gangsta-Rap-Image. Quelle: Irving Villegas

Seitdem geht es bergauf. Eazy findet eine Wohnung, in der er in Ruhe Musik machen kann. Im Umland von Hannover – wo genau, verrät er nicht. Auch aus Alter, Beruf und echtem Namen macht er ein Geheimnis. Weil es unwichtig ist für die Geschichte, die er erzählen will.

Erstes Album erscheint 2019

2017 gewinnt Eazy den bundesweiten Rap Song Contest der Onlineplattform Mic über Deutschland. Er setzt sich mit alten Freunden zusammen, Musikproduzent Cito und Videokünstler Harry. Anfang des Jahres kommt das erste Album auf den Markt: „C’est la vie“.

Gerade arbeitet er schon an den Songs für das zweite. Dafür setzt er sich am liebsten auf eine Treppe am Ihme-Zentrum. Von dort kann er aufs Wasser schauen, auf den Park gegenüber und auf die Gebäude der Innenstadt. „Hier sitze ich dann, höre Musik und schreibe auf dem Handy meine Texte“, sagt er.

Junge Musiker fördern

Wenn er nicht schreibt, arbeitet Eazy an seinem Netzwerk: Rapper, Sänger, Tänzer, Sprayer, Fotografen. Sie alle sucht er bei Instagram. Das mache Hip-Hop aus, sagt er, dass die Musik verbindet. „Bei Rappern, die andere dissen, frage ich mich: Was hat das mit Hip-Hop zu tun?“, sagt Eazy. Für Musikvideos zu Songs von „C’est la vie“ hat er schon mit hannoverschen Künstlern zusammengearbeitet, besonders junge Musiker will er fördern. Auch mit Jugendzentren ist er in Kontakt und plant Workshops zum Texten, Abmischen und Schneiden.

In Hannover hat Eazy ein Zuhause gefunden – nicht nur weil er hier schon so viele junge Hip-Hopper kennengelernt hat, mit denen er zusammenarbeiten will. „Es hat mich immer wieder hergezogen, hier fühle ich mich am wohlsten“, sagt er. Noch einmal umziehen möchte er nicht. Es sei denn, gesteht er dann doch, eines seiner großen Vorbilder KC Rebell, Kontra K und RAF Camora würde anderswo ein Projekt mit ihm starten wollen. „Dann würde ich doch aus Hannover weggehen“, sagt er und lacht. Seine Heimat ist eben doch kein Ort, sondern der Hip-Hop.

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Von Johanna Stein

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