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Hannover Alstom soll 27 Wasserstoffzüge nach Hessen liefern
Nachrichten Hannover Alstom soll 27 Wasserstoffzüge nach Hessen liefern
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00:18 24.05.2019
Soll künftig im Taunus in Hessen unterwegs sein: Alstom-Zug mit Brennstoffzellentechnik. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Hannover

Der französische Zughersteller Alstom hat für sein Werk in Salzgitter einen der wichtigsten Aufträge der jüngsten Zeit erhalten. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat nach Angaben von Alstom 27 Brennstoffzellenzüge bestellt, die bis zum Fahrplanwechsel 2022 auf 2023 geliefert werden sollen. Käufer ist die RMV-Tochter Fahma. Die Regionalzüge sollen etwa auf Strecken von Frankfurt in den Taunus eingesetzt werden. Der Auftrag aus Hessen hat ein Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Euro.

„Dieser Erfolg zeigt, dass zukunftsweisender und nachhaltiger Verkehr bereits Realität ist“, sagte Jörg Nikutta, Alstom-Geschäftsführer in Deutschland und Österreich. Für Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ist der Brennstoffzellenantrieb eine „schnell umsetzbare Alternative zur Elektrifizierung“. Auf Hessens Schienen seien vielerorts noch Dieselfahrzeuge unterwegs, weil Oberleitungen fehlen.

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1000 Kilometer Reichweite

Die neuen Alstom-Züge werden mit Wasserstoff betankt und haben eine Reichweite von 1000 Kilometern. Wer in den Regionalzügen unterwegs ist, wird – was das Fahrverhalten betrifft – kaum einen Unterschied zu herkömmlichen Dieselloks bemerken. Die Fahrzeuge sind jedoch deutlich leiser. Abgase gehören der Vergangenheit an – Brennstoffzellen stoßen nur Wasserdampf aus. Für den Betrieb in Hessen ist geplant, auf Wasserstoff zurückzugreifen, der im Industriepark Höchst in Frankfurt als Nebenprodukt chemischer Prozesse anfällt.

Alstom gilt als Vorreiter in Sachen Brennstoffzellenzüge. In Salzgitter wurde in den vergangenen Jahren ein Prototyp entwickelt, der inzwischen in Bremervörde im Einsatz ist. Mehr als 100 000 Kilometer hat der mit Wasserstoff betriebene Regionalzug bereits zurückgelegt. Der Auftrag für das Werk in Salzgitter umfasst nicht nur den Bau der Züge, sondern auch die Instandhaltung. Zeitlich erstreckt er sich auf 25 Jahre. In der Fabrik in Salzgitter arbeiten rund 2300 Beschäftigte, insgesamt sind bei Alstom Deutschland 3000 Mitarbeiter angestellt.

Arbeitsplätze gefährdet – trotz Großauftrag

Die Gewerkschaft freute sich über den Großauftrag – sieht aber der näheren Zukunft des Werks in Salzgitter dennoch mit gemischten Gefühlen entgegen. Vor Kurzem hatte der Betriebsrat die Befürchtung geäußert, dass in dem Werk wegen rückläufiger Auftragseingänge bis zu 650 Stellen wegfallen könnten, darunter Jobs von rund 250 Leiharbeitern und befristet Beschäftigten. Diese Gefahr bestehe weiterhin, sagte Marion Koslowski-Kuzu von der IG Metall. Bei der Zugfertigung gebe es lange Vorlaufzeiten. „Es dauert zwei Jahre, bis an dem Auftrag tatsächlich gearbeitet wird“, sagt sie. Von April 2020 an entstehe eine große Auftragslücke, die überbrückt werden müsse. „Das wollen wir ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen“, sagt Koslowski-Kuzu.

Gespräche mit Betriebsrat

Das Unternehmen bestätigt, dass es weiter Gespräche mit dem Betriebsrat gebe – unabhängig vom neuen Großauftrag. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagte eine Alstom-Sprecherin. Es gehe darum, dass der Standort wirtschaftlich bleibe. Erschwerend kommt für die Beschäftigten hinzu, dass der hauseigene Tarifvertrag Ende März 2020 ausläuft. Er schützt die Mitarbeiter vor betriebsbedingten Kündigungen. Die Gewerkschaft befürchtet, dass nach Auslaufen des Vertrags Jobs abgebaut werden. „Wir müssen mit dem Arbeitgeber einen Weg finden“, sagte IG-Metall-Vertreterin Koslowski-Kuzu.

Kommentar: Mutige Entscheidung

So funktioniert eine Brennstoffzelle

Die Züge von Alstom haben einen Wasserstofftank und eine Brennstoffzelle. In der Brennstoffzelle entsteht Strom für einen Elektroantrieb, indem Wasserstoff und Sauerstoff kontrolliert miteinander reagieren. Bei dem Prozess entstehen Wärme und Wasserdampf. Zuvor muss der Wasserstoff mit hohem Energieaufwand hergestellt werden. „Grünen Wasserstoff“ bekommt man erst, wenn dieser mithilfe erneuerbarer Energien, etwa Windkraft, produziert wird.

Von Andreas Schinkel

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