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Hannover Betreiber des Klein-Kröpcke geben die Kneipe in neue Hände
Nachrichten Hannover Betreiber des Klein-Kröpcke geben die Kneipe in neue Hände
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13:28 20.12.2017
Nordstadt: „Wir schleichen uns langsam raus“: Die langjährigen Wirte des Klein-Kröpcke, Erika Schlange und Wolfgang Rössig, geben ihre Kneipe in neue Hände, der Nachfolger ist bereits gefunden. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Nordstadt

 So ganz aufhören wollen Erika Schlange und Wolfgang Rössig noch nicht.  Dazu ist den beiden langjährigen Wirten des Klein-Kröpcke der Kneipenbetrieb zu sehr Herzensangelegenheit. Doch das Betreiberduo  legt das Geschäft zum Jahreswechsel in neue Hände. Zurab Mikava, der bereits die Traditionsgaststätte Kaiser in bewährter Weise weiterführt, hat das komplette Mitarbeiterteam übernommen und kümmert sich zukünftig um Einkauf und Buchführung. Erika Schlange und Wolfgang Rössig stehen dann als Angestellte hinter dem Tresen. „Wir versprechen uns davon ein etwas ruhigeres Leben“, erklärt die 63-Jährige. Und schrittweise auch so etwas wie Freizeit.

Es waren goldene Zeiten für Kneipiers

Nach dem Krieg stand an der Ecke von Callinstraße und Rehbockstraße zunächst eine Bretterbude mit Bierverkauf. Ein festes Gebäude, noch mit Kioskcharakter, baute der erste Wirt, ein Herr Ilsemann, 1954. Bei den Nordstädtern hieß die Pinte schnell Klein-Kröpcke, wegen der Ähnlichkeit mit dem Nachkriegsbau des Café Kröpcke in der Innenstadt. Als Erika Schlange und Wolfgang Rössig ihre Kneipe am 16. Mai 1979 eröffneten, griffen sie den Namen auf. Das Datum kommt der Wirtin ohne eine Sekunde des Nachdenkens sofort über die Lippen. Eigentlich wollte sie, gelernte Fernmeldeassistentin und Erzieherin, sich mit der Arbeit am Tresen ein Studium finanzieren. Rössig hatte vorher als Offset-Montierer und Tischler gearbeitet. 

Es waren goldene Zeiten für Kneipiers, erzählt Rössig. „Hier war die Hölle los. Alle Kneipen waren voll. Ein neuer Gast kam nur rein, wenn ein anderer rausging“, erinnert sich der 69-Jährige. Im Klein-Kröpcke ließ Heavy-Metall-Fan Rössig seine Musik laufen. Das Wirtspaar organisierte Livekonzerte und Straßenfeste, Studenten kamen ab 10 Uhr zum Frühstücken in die Kneipe, für Schüler gab es Kakao. Das Klein-Kröpcke galt als Szenelokal. Als eine der ersten Gaststätten in Hannover bot die Kneipe Fußball in Liveübertragung.  „Dafür hatten wir einen kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher von Aldi aufgestellt.“ Zur Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea bildete sich morgens um acht Uhr eine Traube rund ums Klein-Kröpcke: Alle wollten die Spiele durchs Fenster sehen. Ein 96-Fanclub trug sein Banner durch die Stadien der Republik, darauf der prägnante Kopf des langhaarigen, langbärtigen Klein-Kröpcke-Wirts.

Vor den Fenstern drängelten sich die Fußballfans

Rössig und Schlange haben aber auch erlebt, wie sich das Geschäft änderte. Die Durchfahrtssperren in der Nordstadt und das erweiterte Angebot in der Mensa ließen die Kundschaft schrumpfen. Als immer mehr junge Leute Gefallen an Fast Food in der Systemgastronomie fanden, konterten die Wirte mit dem Werbespruch „Tradition schlägt jeden Trend“. Unversehens hatte sich ihre Szenekneipe über die Jahre in ein Traditionslokal gewandelt. Das weiter viele treue Gäste hat. Skatrunden und Doppelkopf, Boulespieler, die im Winter den Biergarten nutzen: Einige Gruppen treffen sich beständig jede Woche.

 Manche Rentner vertrauen den Wirten ihren Wohnungsschlüssel an, damit die nach dem Rechten sehen, wenn sie selbst sich mehrere Tage lang nicht blicken lassen. „Einer unserer Gäste ließ sich früher sogar sein Geld von uns einteilen, weil er allein damit nicht zurechtkam“, erzählt Schlange. Die Mitarbeiter sind ein eigenes Kapitel. Manche, wie Moni Schüddekopf, arbeiten fast so lange im Klein-Kröpcke wie die Wirte selbst. Andere kellnerten während des Studiums und kehren zu den regelmäßigen Live-Konzerten nach Hannover zurück, um unentgeltlich im Bierwagen zu zapfen. „Das liegt auch daran, dass wir bestimmt nicht doof sind zu denen“, kommentiert Rössig mit breitem Grinsen.  Heavy Metall lässt er inzwischen nur noch gelegentlich laufen. „Das kannst du den alten Leuten nicht mehr antun. Und die Jungen wollen was anderes hören.“

Für Hobbys oder einen Freundeskreis jenseits der Kneipe haben Rössig und Schlange in den fast 40 Jahren keine Zeit gefunden. Erika Schlange zieht ohne Bedauern Bilanz, denn sie genießt die Gastgeberrolle. „So wie wir Gastronomie betrieben haben, spielen sich alle sozialen Kontakte in der Kneipe ab.“ Auch deshalb ist ein Ausstieg Knall auf Fall für beide undenkbar. „Wir schleichen uns langsam raus.“

Von Bärbel Hilbig

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