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Hannover Das denken HAZ-Leser über Rezo und die CDU
Nachrichten Hannover Das denken HAZ-Leser über Rezo und die CDU
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18:41 30.05.2019
Selbsternannter CDU-Zerstörer: Youtuber Rezo. Quelle: Screenshot Rezo ja lol ey/Youtube
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Hannover

In seinem millionenfach geklickten Film wirft der Youtuber Rezo der CDU nichts Geringeres als „die Zerstörung unseres Lebens und unserer Zukunft“ vor. Die Reaktion der Parteichefin sorgt für eine weitere Eskalation, als sie über die Einschränkung von Meinungsäußerungen vor Wahlen sinniert. Wir haben einige Kommentare von HAZ-Lesern zusammengetragen:

Wie groß ist der Einfluss von Youtubern?

In einem Artikel schreiben Sie, die Aussagen von Rezo seien durch das Grundgesetz gedeckt. Aber ist das so? Mit einem Blick in den Rundfunkstaatsvertrag kann man durchaus zu einem anderen Ergebnis kommen, mindestens ist diese Art von Meinungsmache sehr kritisch (wie wäre wohl ihr Kommentar, wäre Rezo nicht als Grün-Linker sondern als Konservativ-Rechter zu erkennen?). Sehr empfehlenswert ist dazu diese youtube-Video (vor allem ab etwa Minute 30). Der dort auftretende Rechtsanwalt Solmecke hat sich in der Vergangenheit schon viel mit Medienrecht auf YouTube beschäftigt. Auch wenn er zu dem Ergebnis kommt, dass das bei Rezo wohl noch okay sein könnte, sieht er das in der Form kritisch und keineswegs als klar durch die reine Meinungsfreiheit gedeckt an. Ich halte die Auseinandersetzung damit, wie viel Einfluss eigentlich Youtuber haben, gerade in unseren Zeiten - in denen auch die Rechten social media intensiv für ihre Zwecke nutzen - für mehr als geboten. (Thomas Hiller, Hannover)

Kein Anrecht, dass alles in der eigenen Lebensabschnittsperiode glatt läuft

Wir leben in der 4. Generation nach dem Krieg. Die heutige Jugend hat keinen Hunger gelitten oder existentielle Not erlebt. Die prägenden Notzeiten werden nicht mehr durch Erzählungen der Großeltern oder Urgroßeltern weitergegeben. Wir sind in einer bedürfnisorientierten Gesellschaft angekommen. Die Bürger haben nur noch Rechte. Dem gegenüber stehen „alte“ Politiker mit Lebenserfahrung , historischen Wissen, bedarfsorientierten Verhalten und dem Wissen von Rechten und Pflichten der Bürger. Und dies müssen die großen Volksparteien erkennen und entsprechend das Personal austauschen. Die Grünen haben das schon verstanden. Aber wollen wir wirklich den jungen Leuten das Feld überlassen? Wer heute Youtubern und Influencern blind vertraut, ist eigentlich nicht in der Lage selbst zu denken und zu wählen. Deshalb sollte das Wahlalter wieder auf 21 Jahre heraufgesetzt werden. Aber keine Angst. In 30 Jahren sind die heutigen jungen Politiker auch alt. Dann heißt es: „Ja damals waren anderen Zeiten. Wir wollten das auch mal ausprobieren.“ So ist das in einer Demokratie. Niemand hat ein Anrecht darauf, dass alles in der eigenen Lebensabschnittsperiode glatt läuft. (Ralph Criee, Hannover)

Erst steile Thesen aufstellen, sich dann falsch verstanden fühlen

Kramp-Karrenbauer versucht sich in der Strategie der AfD: Zuerst steile Thesen in die Welt setzen, so die Gleichsetzung der Ehe für Alle mit Inzest, die Verspottung Transsexueller und die Forderung nach Zensur im Internet, und danach behaupten, falsch verstanden worden zu sein – Hauptsache, das Mem ist in der Welt! Auch wenn die AfD, die ständig von der Lügenpresse fabuliert und Journalisten ,,aus der Verantwortung entfernen‘‘ will, sich jetzt scheinheilig für die Meinungsfreiheit einzusetzen behauptet: Kramp-Karrenbauer sollte einmal ihre Freunde in der CSU fragen, wie es sich auswirkt, rechtspopulistische Parolen zu kopieren: Der Wähler entscheidet sich im Zweifelsfall eher für das Original. (Raimund Poppinga, Hannover)

Rezo als Populisten abzutun, geht am Problem vorbei

Wenn junge Menschen und ein Großteil der Bevölkerung von der Politik nicht mehr erreicht werden und die vom Volk gewählten Vertreter machen können, was sie wollen, ist es nur zu verständlich und nachvollziehbar, wenn sich angestaute Unzufriedenheit und Wut ein Ventil suchen. Die Äußerungen von Rezo als Populismus abzutun geht aber am Problem vorbei. Rezo versucht, mit Fakten die Unfähigkeit der großen Volksparteien aufzuzeigen, nicht mit Meinungen. Dies sollte einem Medienvertreter klar sein, wenn er zu dem Video einen Kommentar verfasst. Es geht hier auch nicht um Krawall, sondern um die fachlich fundierte Auseinandersetzung mit drängenden Themen. Wahrscheinlich sind die Demonstrationen der „Friday-4-future“-Bewegung nach Meinung des Autoren auch als Krawall einzustufen. Was muss in diesem Land eigentlich passieren, damit wir aufwachen??? Die junge Generation lässt sich mit Augenwischerei und Rückzug auf Sachzwänge hoffentlich nicht mehr einschüchtern. (Falk Herbst, Langenhagen)

Selbsternannter CDU-Zerstörer: Youtuber Rezo. Quelle: Youtube/Screenshot

Freie Meinungsäußerung: Wo fängt sie an, wo hört sie auf?

Im Herbst des Jahres 1980 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz per Hirtenbrief eine Wahlempfehlung zugunsten der Unionsparteien, mit darauf folgender medialer und politischer Empörung. Mit Blick auf die Krawallnummer des Youtubers Rezo und die Reaktionen auf die diesbezügliche Kritik seitens der CDU-Chefin wäre es interessant zu erfahren, ob ein solcher Hirtenbrief heutzutage gleichfalls als legitimer Beitrag im Rahmen des Rechts auf freie Meinungsäußerung begrüßt würde. (Joachim Bremer, Isernhagen)

Die Verantwortung nicht auf andere schieben

Wenn Tilman Kuban meint, dass die CDU die jungen Wähler nicht mitgenommen hat, muss er die Verantwortung nicht bei anderen sondern insbesondere bei sich suchen. Er ist der Vorsitzende der Jungen Union. Er hätte, wenn er das für erforderlich gehalten hätte, auf Youtube-Videos antworten müssen und darf nicht die Verantwortung auf andere abschieben.

Er muss sich auch vorwerfen lassen, dass es bei der Jungen Union einen gefühlten Rechtsruck gibt. Eine Jugendorganisation, die es hinnimmt, dass ihr Vorsitzender in seiner Bewerbungsrede auftritt wie Jörg Höcke von der AFD und gegen Frau von der Leyen niveaulose Ausführungen vorbringt, die aus der untersten Schublade stammen, muss sich nicht wundern, wenn die Wählerinnen und Wähler auch deshalb der CDU die Stimme verweigern. (Georg-Michael Fleischer, Hannover)

Darum geht’s: Das umstrittene Video:

(Hinweis: Die obenstehenden Veröffentlichungen sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen.)

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Von red

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